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Laut Bundesbank : So wenig Schaden durch Falschgeld wie seit 20 Jahren nicht mehr

Euro-Blüten: Nicht immer ist Bares auch Wahres. Bild: dpa

In der Pandemie zahlen die Leute mehr mit Karte. Das Geschäft der Geldfälscher bricht deshalb ein. Im Gegenzug steigt die Zahl der gefälschten Impfnachweise von Monat zu Monat. Folgen die Kriminellen einfach einem geänderten Bedarf?

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          Die Bundesbank konnte am Freitag einen außergewöhnlichen Rekord vermelden: Im vergangenen Jahr wurden weniger Geldscheine gefälscht. Der Schaden dadurch sank auf den niedrigsten Wert seit fast 20 Jahren. Wie Bundesbankvorstand Johannes Beermann ausführte, ging die Zahl der in Deutschland entdeckten Blüten gegenüber dem Vorjahr um 28,6 Prozent auf 42.000 zurück. Der Nennwert der sichergestellten Banknoten sank um 34,5 Prozent auf auf 1,9 Millionen Euro. Das ist der niedrigste Stand seit dem Jahr der Euro-Bargeld-Einführung 2002. Beliebt bei Kriminellen sind weiter die 20- und 50-Euro-Banknoten, auf die zusammen 78 Prozent der Fälschungen entfallen.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Beermann machte für die Entwicklung vor allem verantwortlich, dass es in der Pandemie weniger Gelegenheiten gab, bar zu zahlen und damit gefälschte Geldscheine in Umlauf zu bringen. Er nannte ausdrücklich die ausgefallenen Jahrmärkte und Weihnachtsmärkte. Denkbar wäre natürlich auch, dass der vermehrte Einsatz von Kartenzahlung in den Supermärkten das Falschgeld tendenziell zurückgedrängt hat. Völlig auszuschließen ist aber natürlich auch nicht, dass die Behörden zumindest in manchen Phasen der Pandemie weniger kontrolliert haben.

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          Im Gegenzug gestiegen ist offenbar die Zahl der Fälschungen von Impfausweisen. Laut Bundeskriminalamt wurde in Deutschland 2021 in mehr als 15.000 Fällen ermittelt. Aus Frankreich wurde unlängst sogar ein einzelner Fall bekannt, in dem es um 62.000 gefälschte Impfnachweise ging. Das Polizeipräsidium für das Land Brandenburg berichtet, die Zahl der gefälschten Impfpässe in seinem Beritt sei Monat für Monat gestiegen: Im Januar, März und April 2021 habe man jeweils lediglich einen Fall gehabt – im Dezember seien es dann 155 Fälle gewesen, im Gesamtjahr 437.

          Die Landeskriminalämter berichten weitgehend übereinstimmend, die Geldfälscher und die Fälscher von Impfpässen seien unterschiedliche Tätergruppen. Bei den Geldfälschern gebe es zwar auch eher schlichte Naturen, die versuchten, Eurobanknoten mit einem Farbkopierer nachzumachen. Andere seien aber sehr professionell und gut organisiert. Die Fälschern von Impfnachweisen seien auch nicht alle gleich, aber oftmals Einzeltäter, die früher auch schon mal andere Dinge gefälscht hätten, aber nicht unbedingt so komplizierte Sachen wie Geldscheine. Ein Teil dieser Täter komme wohl aus dem Umfeld der Impfgegner.

          Ein Fall in Deutschland sei ihnen bekannt, bei dem eine Tätergruppe sowohl mit gefälschten Banknoten als auch mit gefälschten Impfnachweisen erwischt worden sei, sagte eine Sprecherin des Landeskriminalamtes in Thüringen. Alle Landeskriminalämter verwiesen darauf, dass es wesentlich einfacher sei, Impfpässe zu fälschen als Banknoten. Möglicherweise gäben sich die Geldfälscher deshalb nicht damit ab.

          „Impfpässe sind aufgrund ihrer mangelhaften Sicherheitsmerkmale sehr leicht zu fälschen, so dass sich hier auch wenig professionalisierte Menschen mit der nötigen kriminellen Energie zu Fälschern werden“, hieß es beim LKA Thüringen. Die Banknotenfälschung hingegen erfordere „ein erhebliches Maß an Hintergrundfachwissen und technischer Expertise“, hob ein Sprecher des LKA Baden-Württemberg hervor. „Professionelle Geldfälscher werden sich nicht mit Impfpässen beschäftigen“, meinte auch ein Sprecher des LKA Bayern. Die gelben Heftchen seien ja ohnehin in jeder Apotheke zu bekommen und hätten praktisch keine Sicherheitsmerkmale. Was gefälscht werden müsse, seien die sogenannten Chargen-Aufkleber für jede Impfung, und die Stempel. Das bedürfe „keiner großen Expertise“, sagte eine Sprecherin des LKA Niedersachsen.

          Man könne nicht ausschließen, dass auch die Impfnachweise zum Betätigungsfeld für die organisierte Kriminalität werden könnten, meinten die Landeskriminalämter. Zumindest bis jetzt gebe es dafür in Deutschland aber keine Anzeichen.

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