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Lügen, Fälschen, Manipulieren : Skandalbanken in Australien fordern das nächste Opfer

Das dürften viele Australier mittlerweile über ihre Banker denken. Bild: AFP

Catherine Brenner, eine der bekanntesten Spitzenmanagerinnen in Australien, muss ihren Hut nehmen. Der Vermögensberater AMP hat Kunden und Behörden belogen und betrogen.

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          In Australien fordert die große Untersuchungskommission zum Verhalten der Banken ihr nächstes prominentes Opfer: Am Montagmorgen trat Catherine Brenner zurück. Sie leitete als Vorsitzende des Verwaltungsrates den Vermögensberater AMP.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Dessen Vorstandsvorsitzender Craig Meller hatte schon vergangene Woche seinen Hut nehmen müssen. Seit vor der Royal Commission bekannt wurde, wie die Banker über Jahre ihre Kunden geschröpft haben, wackelt das ganze System. Allein AMP hat in den vergangenen zwei Wochen der Anhörung 2,2 Milliarden Dollar an Börsenwert verloren.

          Der australische Ministerpräsident Malcolm Turnbull, selber ehemaliger Banker, meldete sich am Montag zu Wort: „Die Banker müssen ihre Verantwortung für das übernehmen, was sich ereignet hat und angemessen reagieren. In einigen Fällen schließt das ein, dass Leute zurücktreten, in Rente gehen oder ihre Verträge aufgeben.“ Allerdings hatte Turnbull die Einsetzung des Untersuchungsverfahrens lange Zeit abgelehnt.

          AMP LTD.

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          Brenner hatte bislang eine makellose Karriere hingelegt und galt als eines der Aushängeschilder weiblicher Spitzenmanager in Australien. Nun aber stand sie einem Finanzhaus vor, das seine Kunden und die Aufsicht nach Gutdünken betrog und belog. Die Manager der Bank hatten unter anderem Berichte an die Aufsicht gefälscht und sie gut zehn Jahre lang in die Irre geführt.

          Der australische Schatzkanzler Scott Morrison warnte, Managern, die auf diese Weise Behörden und Kunden betrügen, drohten Gefängnisstrafen. Das Verhalten der Banker widere ihn an, sagte Morrison. AMP hat nicht nur Brenner und Meller herausgeworfen, sondern streicht nun auch allen Direktoren ein Viertel ihrer Boni für dieses Jahr.

          Lügen, Fälschungen, Manipulationen

          Das Institut hatte seinen Kunden immer wieder Gebühren in Rechnung gestellt hatte, ohne irgendeine Leistung zu erbringen. Damit stehen die Vermögensberater freilich nicht alleine da: Die jährliche „fee for no service“ ist in Australien üblich. Sie gehört zur Praxis der Institute, die nach dem Jahr 2000 Milliarden Dollar ausgaben, um sich durch die Übernahme von Fondsgesellschaften zu „Allfinanz-Konzernen“ zu mausern – und damit ihre Berater dazu brachten, den Anlegern eigene Produkte aufzuschwatzen.

          Vor der Royal Commission kommen derzeit haarsträubende Vergehen der Finanzinstitute ans Licht. Unter anderem hatte die CBA ihren Kunden nachweislich falsche Empfehlungen gegeben. 20 Banker von NAB wurden entlassen, weil sie Immobilienkredite aufgrund wissentlich falscher Angaben ausgeteilt haben – um damit ihre Prämien zu erhöhen.

          Alle vier Banken sollen gemeinsam den Zinssatz manipuliert haben. Die Commonwealth Bank of Australia (CBA) hat 53.000 Transaktionen an ihren Geldautomaten nicht gemeldet. Die zweitgrößte Bank des Landes nahm über Jahre Einzahlungen in Milliarden-Dollar-Höhe entgegen, ohne deren Herkunft zu prüfen. Die Aufsichtsbehörde wirft ihr vor, dabei sei Schwarzgeld gewaschen und Terror finanziert worden.

          Die Berater der Australia & New Zealand Banking Group (ANZ) Bank brachten eine Kundin dazu, ihre Rentenplanung umzustellen. So sparte sie 238 Dollar jährlich. Fällig aber waren für diesen Rat 3300 Dollar Einmalgebühr und eine jährliche Zahlung von 3790 Dollar. Einer älteren Witwe, die 32.000 Dollar anlegen wollte, drückten die Berater einen Vertrag auf, der ihnen 1250 Dollar Gebühren jährlich einbrachte. All diese Berater blieben im Dienst, und die Kompensation der Kunden dauerte Jahre.

          Analysten schätzen, allein die Arbeit der Kommission kostete jede der Banken zwischen 50 und 100 Millionen Dollar. Im Mittelpunkt stehen die Vertreter der vier Säulen des Bankgeschäftes, die CBA, ANZ, National Australia Bank (NAB) and Westpac Banking Corp., die unter sich rund 80 Prozent des Marktes aufteilen.

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