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Skandal um Staatsfonds 1MDB : Ende einer Dienstfahrt

Indonesische Polizisten übergeben die Superyacht „Equanimity“ den malaysischen Behörden. Bild: AP

Die Superyacht „Equanimity“ kehrt nach Malaysia zurück. Das auf 250 Millionen Dollar geschätzte Partyschiff der Hollywood-Prominenz wurde mit gestohlenen Steuergeldern gekauft.

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          Das Tauziehen hat ein Ende: Die Superyacht „Equanimity“ (Gelassenheit), mittlerweile zum Symbol für den Milliarden-Dollar-Betrug um den malaysischen Staatsfonds geworden, wird in die Hände der Malaysier übergeben. Für die neue Regierung unter Ministerpräsident Mahathir Mohamad ist die Übernahme der Ikone ein Achtungserfolg, den er mit seinem Volk teilen will: Wenn das Schiff in Port Klang festmacht, soll es zunächst zur Besichtigung freigegeben werden. Später steht der Verkauf an – die auf den Cayman Inseln registrierte Motoryacht wird mit bis zu 250 Millionen Dollar bewertet.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Im Eigentum des untergetauchten malaysischen Geschäftsmannes Low Taek Jho, besser bekannt als Jho Low, war sie über Jahre bei Hollywoodstars und Playboys eine beliebte Plattform, um in den warmen Gewässern Asiens zu feiern. Allerdings soll Jho Low sie mit gestohlenen Steuergeldern gekauft haben.

          Der Skandal um den Staatsfonds 1MDB zieht sich über Jahre hin und beschäftigt Staatsanwälte von New York bis Zürich, von Singapur bis Kuala Lumpur. Der vom abgewählten und zwischenzeitlich verhafteten Ministerpräsidenten Najib Razak geführte Fonds entzog Malaysia Milliarden Dollar Steuergelder. In seinem Umfeld wurden Morde begangen, wurde betrogen und belogen. Auch frühere Mitarbeiter der Investmentbank Goldman Sachs und mehrerer Schweizer Banken beteiligten sich an der Anlage der Gelder.

          Mahathir und seine Regierungsmitglieder geben sich nun als Aufklärer. Als Drahtzieher der kriminellen Plünderung des Fonds und Hauptprofiteur gilt Jho Low, der zwischenzeitlich als Berater des Fonds arbeitete. Ihm gehört die 92-Meter-Superyacht mit ihrem dunkelblauen Rumpf und den weißen Aufbauten. Sie war 2014 auf einer holländischen Werft gebaut worden, kann 18 Gäste aufnehmen und verfügt über ein Hubschrauber-Landedeck. Die beiden Dieselmotoren der deutschen MTU beschleunigen sie auf bis zu knapp 20 Knoten. Zwischenzeitlich wurde sie von Superyachts.com zum Chartern angeboten – nun heißt es auf der Webseite nur, die „Equanimity“ sei „derzeit nicht verfügbar“.

          Absprache zwischen Mahatir und indonesischem Präsidenten

          An Deck aber wird Jho Low wohl nicht mehr kommen. Zwar protestieren seien Anwälte gegen die augenscheinliche Enteignung. Doch liegt ihr eine Absprache zwischen Mahathir und dem indonesischen Präsidenten Joko Widodo zugrunde. Auf ihrer Grundlage übergab die indonesische Polizei das Schiff an ihre malaysischen Kollegen.

          Zuvor hatte das amerikanische Justizministerium die Auslieferung verlangt. Es arbeitet am Zugriff auf Anlagen im Wert von geschätzten 1,7 Milliarden Dollar, die mit gestohlenen Geldern von 1MDB finanziert worden sein sollen: Dazu zählen neben der Yacht auch Villen, ein Bombardier-Flugzeug und Rechte am Film The Wolf of Wall Street.

          Ein indonesisches Gericht hatte die Übergabe zunächst verhindert, die Absprache der beiden Spitzenpolitiker aber setzte Urteile außer Kraft. „Wir haben herausgefunden, dass die Yacht der malaysischen Regierung gehört, weil sie mit dem Geld Malaysias gekauft wurde, das von bestimmten Menschen gestohlen worden ist“, sagte Mahathir. Jho Lows Anwälte hielten dagegen: „Das ungesetzliche Handeln des Regimes von Mahathir beweist, indem es Gerichtsentscheidungen ignoriert, dass er nicht an einem fairen und gerechten Verfahren interessiert ist.“

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