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Sinkender Ölpreis : Wie fair geht es an der Tankstelle wirklich zu?

Wie geht es weiter mit den Preise an den Tankstellen? Das Kartellamt scheint aktuell nicht eingreifen zu wollen. Bild: Saskia Stöhr

Der Preis für Rohöl hat den tiefsten Stand seit Januar erreicht. Auch Heizöl und Sprit sind längst nicht mehr so teuer wie noch vor wenigen Wochen. Können die Verbraucher schon aufatmen?

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          Der Ölpreis ist zuletzt deutlich gefallen und hat das tiefste Niveau seit Januar erreicht. Am Montag kostete Rohöl der Nordseesorte Brent zeitweise nur noch gut 80 Dollar je Barrel (Fass zu 159 Liter). Der Preis der amerikanischen Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) erreichte mit gut 73 Dollar je Barrel sogar den niedrigsten Stand in diesem Jahr.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch viele Ölprodukte sind wieder günstiger geworden – wenn auch im langjährigen Vergleich keineswegs wirklich billig. So kostete Heizöl nach Angaben des Internetportals Heizoel24 im Schnitt 118,92 Euro für 100 Liter. Das war etwas mehr als die Hälfte von dem, was beim Höchststand am 9. März verlangt wurde und etwa ein Niveau wie zum Monatswechsel von Februar auf März.

          Diesel unter 1,90 Euro – Super unter 1,80 Euro

          Auch an der Tankstelle gingen die Preise bergab. Diesel kostete nach Angaben der Internetplattform Clever Tanken im Schnitt 1,86 Euro je Liter. Das war der niedrigste Preis seit Anfang März. Für Super E10 zahlten Autofahrer 1,75 Euro je Liter. Tiefer hatte der Superpreis seit dem Energiepreisschock im März nur zeitweise während des Tankrabatts gelegen, als der Staat die Mineralölsteuer vorübergehend herabgesetzt hatte.

          Es ist offenbar eine Melange aus verschiedenen Gründen, die Öl im Moment wieder günstiger macht. Kurzfristig wurden am Ölmarkt vor allem die Demonstrationen in China gegen die Covid-Politik genannt. Die Frage, ob die Entwicklung Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben könnten, verunsicherten am Montag auch die Anleger an anderen Märkten: An den Börsen in China und Hongkong ging es deutlich nach unten, der deutsche Aktienindex Dax stand kurz vor Börsenschluss leicht im Minus auf 14 408 Punkten. Die Demonstrationen vom Wochenende dauerten in vielen Städten der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt bis in die Nacht zum Montag an.

          Längerfristig scheinen es vor allem Sorgen um die Nachfrage nach Öl angesichts einer sich abkühlenden Wirtschaft zu sein, die den Ölpreis nach Preisschock durch den Krieg wieder gedämpft haben. Seit Mitte des Monats ist der Brent-Preis um fast 15 Dollar eingebrochen.

          Am Ölmarkt gab es zwischenzeitlich Gerüchte, die Ölorganisation OPEC plus könnte auf ihrem nächsten Treffen am 4. Dezember wieder eine etwas höhere Förderung ankündigen, nachdem sie diese zuletzt deutlich gekürzt hatte. Cyrus de Rubia, Ölfachmann der Hamburg Commercial Bank, äußerte sich aber skeptisch, dass es dazu kommen werde.

          Wie wirken die politischen Eingriffe?

          Aufmerksam verfolgt werden am Ölmarkt die Auswirkungen weiterer politischer Schritte. Zum 5. Dezember tritt das Ölembargo der Europäischen Union gegen Russland in Kraft. Das könnte zwar über Umwege über Asien zum Teil umgangen werden. Analysten schätzen gleichwohl, dass es zu einer Verringerung des Ölangebots und damit tendenziell zu höheren Preisen beitragen wird. „Ein Teil von diesen Importen, die nicht mehr in die EU fließen, wird nach Asien oder in andere Länder exportiert, aber ein Teil davon wird keine Abnehmer finden - und das dürfte zu einer tieferen Export- und Produktionsrate in Russland führen“, sagte Giovanni Staunovo, Ölfachmann der Bank UBS..

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