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Deutsche Bank und Commerzbank : Sewing holt sich Erlaubnis für Gespräche über eine Fusion

Der Chef der Deutschen Bank, Christian Sewing Bild: Reuters

Die Politik erhöht den Druck auf die Deutsche Bank. Deren Chef Christian Sewing hat reagiert und für weitere Gespräche über eine Fusion mit der Commerzbank eine Erlaubnis eingeholt.

          Die Chefs der Deutschen Bank und der Commerzbank sprechen wieder konkret über ein Zusammengehen der beiden Häuser. Christian Sewing, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, hat sich dafür schon vor drei Wochen ein Mandat seiner Vorstandskollegen geben lassen, wie am Sonntag in Finanzkreisen zu hören war. Die Gespräche seien allerdings noch in einem sehr frühen Stadium und gelten als informell. Sie würden in sehr kleinem Kreis geführt.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dass vor allem Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und sein Staatssekretär, der ehemalige Goldman-Sachs-Banker Jörg Kukies, auf ein Zusammengehen der beiden größten deutschen Privatbanken dringen, ist seit Monaten bekannt. Nun ist der Druck aber offensichtlich so groß geworden, dass die Vorstände beider Institute in eine detailliertere Prüfung eines solchen Vorhabens eingestiegen sind.

          Die Bundesregierung ist mit einem Anteil von 15 Prozent größter Aktionär der Commerzbank, die seit der politisch gewollten Übernahme der Dresdner Bank kurz vor Ausbruch der Finanzkrise nicht mehr recht auf die Beine kommt.

          Offenbar erwägt man in Berlin die Option, die Commerzbank mit einer ausländischen Großbank wie etwa der französischen BNP Paribas zusammenzuführen. Damit entstünde allerdings ein schlagkräftiger Konkurrent für die Deutsche Bank, was ein Wiedererstarken der ebenfalls seit Jahren darbenden größten deutschen Bank weiter erschweren würde. In Berlin sorgt man sich vor allem darum, dass die beiden schon geschwächten Banken im Falle einer Eintrübung der Konjunktur in Schieflage geraten könnten.

          Die Investoren der Deutschen Bank reagieren zunehmend genervt auf das seit Monaten schwelende Thema. Unter den Großinvestoren bestehen wie berichtet weiterhin Zweifel daran, dass ein Zusammengehen der beiden Institute deren Lage verbessern würde.

          „Die informellen Gespräche sollten nicht länger als drei bis fünf Wochen dauern“, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag einen nicht näher genannten Großaktionär. Die Deutsche Bank und die Commerzbank lehnten eine Stellungnahme ab.

          Durch den Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank entstünde das mit Abstand größte deutsche Kreditinstitut mit zunächst rund 130.000 Mitarbeitern in der ganzen Welt, davon 80.000 in Deutschland, etwa 38 Millionen Kunden und einer Bilanzsumme von fast zwei Billionen Euro.

          Mit einem Börsenwert von aktuell gut 24 Milliarden Euro wäre die Bank im internationalen Vergleich aber immer noch ein Leichtgewicht.

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