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Euro Finance Week : Sewing fordert Entlastung für europäische Banken

Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank während einer Pressekonferenz Bild: dpa

Der Deutsche-Bank-Chef sagt: Es kommt auf die Banken an, damit wir als Volkswirtschaft relevant bleiben. Die Transformation der Wirtschaft könne nur von ihnen finanziert werden. Damit dies gelingt, nennt Sewing mehrere konkrete Vorschläge.

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          Die deutsche Wirtschaft steht in den nächsten Jahren vor einer dreifachen Transformation, die nach Ansicht von Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing von den europäischen Banken finanziert werden muss. Der digitale Wandel, die Transformation zu einer kohlendioxidneutralen Wirtschaft und der wegen des wachsenden Protektionismus in den Vereinigten Staaten nicht mehr zulegende Welthandel erfordere wichtige Weichenstellungen. „Damit Europa und wir selbst relevant bleiben“, sagte Sewing zu Beginn der Konferenz Euro Finance Week in Frankfurt.   

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Um den Kreditfluss aufrechtzuerhalten, sprach sich der Deutsche-Bank-Chef dagegen aus, dass die Banken noch mehr in den 2013 beschlossenen europäischen Abwicklungsfonds einzahlen müssen. Damals war beschlossen worden, dass der Fonds zur Bewältigung von Bankenkrisen von den europäischen Kreditinstituten bis 2022 mit 55 Milliarden Euro gefüllt werden soll. Allein im Jahr 2020 hätten die Banken gut 9 Milliarden Euro in den Fonds eingezahlt, rechnete Sewing vor. Diese Mittel ließen sich besser nutzen, denn: „Eine Milliarde Euro Eigenkapital ermöglicht mehr als 20 Milliarden Euro Kredit.“

          Der Deutsche-Bank-Chef wünscht sich außerdem weitere Veränderungen an den Regeln für Banken – etwa auch ein Ende der von der EZB für Banken de facto verfügten generellen Dividendensperre  und eine Entlastung „grüner Hypotheken von Eigenkapitalvorschriften, denn „wir sollten es uns bei der Transformation der Wirtschaft nicht schwerer machen“ als nötig. 

          DT. BANK

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          Für Sewing ist klar: Wenn Unternehmen in Digitalisierung und energiesparende Infrastruktur investieren wollen, kommt es auf die Banken an. Während sich in den Vereinigten Staaten die Unternehmen zu zwei Drittel über den Kapitalmarkt durch Anleihen finanzierten, seien es in Europa nur 16 Prozent. Trotz der viel größeren Bedeutung der Banken in Europa für die Unternehmensfinanzierung seien die amerikanischen Banken viel stärker.

          Unter den größten 20 Banken auf der Welt habe keine ihren Sitz in der Europäischen Union, stellte Sewing fest. Wenn aber die Globalisierung gebremst werde durch immer mehr Flickenteppiche wie etwa die neue von China initiierte Freihandelszone sei es umso wichtiger, dass Europa nicht von Finanzdienstleistungsimporten abhängig werde. „Banken sind von geopolitischer Bedeutung“, mahnte Sewing.  

          Zersplitterung als Problem

          Zunächst seien die europäischen Banken selbst gefordert, stärker zu werden: Kosten senken, durch Investitionen innovativer werden und gleichzeitig sich auf die eigenen Stärken konzentrieren, nannte Sewing als strategische Leitlinie der Deutschen Bank. „Als Sektor insgesamt müssen wir mittelfristig in Europa unser größtes Strukturproblem angehen: die Zersplitterung." Mehr als 5000 Finanzinstitute in Europa seien viel zu viele, denn Größe („Skaleneffekte“) sei wichtig für die Investitionskraft von Banken. Doch für grenzüberschreitende Bankfusionen fehle es an der Bankenunion.  In der Diskussion, wie etwa die Einlagensicherung europaweit geregelt werde, gehe es nicht voran. „Ich würde mir wünschen, dass die schiere Dimension der aktuellen Herausforderungen der Politik hilft, diese Blockade endlich zu brechen." 

          Sewing zeigt sich zuversichtlich, dass die Deutsche Bank erstmals nach fünf Verlustjahren in 2020 einen Vorsteuergewinn erzielen wird. „Ich wäre ein schlechter CEO, wenn ich annehmen würde, dass ein Vorsteuergewinn von mehr als 800 Millionen Euro im vierten Quartal noch vollständig verschwindet“, sagte Sewing. Erfreulicherweise habe der Aktienkurs der Deutschen Bank gegenüber Wettbewerbern aufgeholt. Dennoch müsse die Bank weiter an ihrer „Grundprofitabilität“ arbeiten und etwa die Postbank noch vollständig integrieren. In den nächsten zwölf bis fünfzehn Monaten sieht Sewing nicht, dass sich die Deutsche Bank an der Bankenkonsolidierung beteiligen wird. Anschließend sei es das Ziel, nicht als Juniorpartner, sondern „auf Augenhöhe“ in mögliche Fusionsverhandlungen mit Partnern zu gehen. 

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