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Nachhaltige Finanzindustrie : Keine Zeit für die perfekte Lösung

Heiße Tage in Frankfurt: Der Klimawandel beschäftigt auch die Finanzbranche. Bild: Wolfgang Eilmes

Wie schnell die Finanzbranche sich in Richtung Nachhaltigkeit transformieren soll, darüber wurde auf dem European Sustainable Finance Summit unter anderem mit Deutsche-Bank-Chef Sewing diskutiert. Die Ansichten gingen durchaus auseinander.

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          „Learning by doing“ – diese Phrase fiel nicht nur einmal auf dem European Sustainable Finance Summit, der bedingt durch die Corona-Krise in diesem Jahr nur online stattfand. Die Konferenz drehte sich um den Beitrag, den die Finanzindustrie zu einer nachhaltigen Zukunft leisten kann. „Uns läuft die Zeit ab“, sagte Kristina Jeromin vom Sustainable-Finance-Beirat der Bundesregierung auf der Konferenz. Man müsse mit praktikablen Ansätzen in den Markt, um schnell auf die Herausforderungen antworten zu können. Man habe aber keine Zeit mehr, die perfekte Lösung auf dem Reißbrett zu entwerfen. Es sei ein „learning by doing“.

          Antonia Mannweiler

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Auch Christian Sewing, Chef der Deutschen Bank, sprach auf der Konferenz vom „learning by doing“ – doch in einem anderen Kontext und auch von einer anderen Geschwindigkeit. Es brauche eine graduelle Transformation der Wirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit, sagte Sewing. Er betonte: „Wir müssen wettbewerbsfähig bleiben.“ Er bezog sich auch auf die Finanzierung von Kohle und Öl. Schließe man einfach den alten Teil der Wirtschaft aus, könne man keine Transformation gewährleisten. Banken müssten dabei eine Rolle spielen. ESG – das Kürzel steht für die Dimensionen der Nachhaltigkeit, Umweltschutz (Ecological), soziale Verantwortung (Social), Grundsätze guter Unternehmensführung (Governance) – müsse unabdingbar werden.

          „Ich persönlich glaube, dass ESG-Ratings in fünf Jahren so wichtig werden wie Kreditratings von Ratingagenturen.“ Dabei sei es vor allem wichtig, die eigene Organisation, in diesem Fall die Deutsche Bank, davon zu überzeugen, dass Nachhaltigkeit zum neuen Standard werden müsse. Das müsse in Fleisch und Blut übergehen. Ehrlicherweise, so Sewing, sei das Thema ESG dabei vor rund drei Jahren aber nicht von der Bank selbst angestoßen worden, sondern von vermögenden Kunden, die die Portfolios ihrer Eltern erbten und nach anderen Investments suchten. „Wir haben es mit einer neuen Generation zu tun, die eine andere Form der Wirtschaft unterstützen will.“

          Investitionen notwendig

          Für den Wandel zu einer nachhaltigen Wirtschaft brauche es Investitionen, sagte Finanzminister Olaf Scholz (SPD) auf der Konferenz, und zwar aus dem öffentlichen sowie dem privaten Sektor. Für die Finanzbranche sei dies eine große Chance. Zudem seien Nachhaltigkeitsrisiken auch gleichzeitig Finanzrisiken, so Scholz.

          So betonte auch Kristina Jeromin vom Sustainable-Finance-Beirat, dass Finanzmarktakteure nicht etwa handelten, weil „das alles Gutmenschen sind“. Sondern weil sie Auswirkungen in ihren Risikoportfolios sähen – das sei eine rationale Bewertung. Man wolle eine nachhaltige Wertschöpfungskette, auch weil man noch in 50 Jahren Geld verdienen wolle.

          Nicht zu handeln, verursache weit höhere Kosten als die Aktionen und Investitionen gegen den Klimawandel, sagte der frühere Weltbank-Chefökonom Nicholas Stern. Die Konsequenzen seien immens und würden jeden betreffen. Investitionen heute seien nicht so „schrecklich teuer“, sehe man dies im Gesamtbild, so Stern. Man müsse flexibel sein. Auch weil man auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Zukunft ständig dazulerne.

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