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Sinkende Gewinne : Serie von Warnsignalen setzt die Börsen unter Druck

  • Aktualisiert am

Börsensaal in Frankfurt Bild: Reuters

Gekappte Gewinnprognosen und enttäuschende Geschäftszahlen belasten den deutschen Aktienmarkt. Dreht die Börse wegen der Konjunktursorgen nach unten oder überwiegt bei Anlegern die Hoffnung auf weiter sinkende Zinsen?

          Maue Firmenbilanzen und geopolitische Sorgen haben die europäischen Aktienmärkte am Donnerstag belastet. Ein Kurseinbruch beim Softwarekonzern SAP nach enttäuschenden Zahlen setzte vor allem dem deutschen Aktienmarkt zu. Der Dax fiel bis zum Nachmittag um 0,7 Prozent auf 12.260 Punkte.

          Zudem schockte der Maschinenhersteller Heidelberger Druck Anleger und Investoren mit einer Warnung vor sinkenden Gewinnen. Der Aktienkurs des Unternehmens notierte am Nachmittag rund 17 Prozent im Minus. Bereits in der vergangenen Woche hatten sich die Warnsignale an der Börse gemehrt. So kassierten erst der Chemieriese BASF, dann der Autohersteller Daimler, ihre Gewinnprognosen, was die Marktstimmung und die Kurse drückte.

          „Es ist wohl der schlechteste Start in die Berichtssaison am deutschen Aktienmarkt, den man sich hätte vorstellen können“, sagte Jochen Stanzl, Chefanalyst beim Brokerhaus CMC Markets. Den Anlegern wird laut Stanzl immer stärker bewusst, dass aus der erhofften Erholung des Wirtschaftswachstums in der zweiten Jahreshälfte nichts werde.

          Der anhaltende Handelskonflikt zwischen den USA und China hinterlässt Spuren in den Geschäften der Unternehmen weltweit. Einem Bericht des „Wall Street Journal“ zufolge sind die Gespräche zwischen den USA und China wegen Huawei ins Stocken geraten. Die US-Regierung untersuche derzeit, wie sie mit den chinesischen Forderungen umgehe, die Sanktionen für den Telekomausrüster zu lockern.

          Strategen zufolge halten lediglich die Zinshoffnungen die Börsen momentan oben. Spekulationen auf eine noch längere Niedrigzinsphase in der Euro-Zone setzten den Euro unter Druck. Die Devise fiel auf 1,1203 Dollar von zuvor 1,1230 Dollar.

          DAX ®

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          Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Situation vertraute Personen berichtete, prüft die Europäische Zentralbank Veränderungen an ihrem Inflationsziel. EZB-Chef Mario Draghi favorisiere einen „symmetrischen“ Ansatz, der mehr Flexibilität ermögliche. Die EZB wollte den Bericht nicht kommentieren.

          Bislang peilt die Notenbank mittelfristig einen Wert von „unter, aber nahe zwei Prozent“ als ideal für die Konjunktur an. „Dieser flexiblere Ansatz würde bedeuten, dass es nicht automatisch zu Zinserhöhungen käme, wenn wir bei zwei Prozent angelangt sind“, sagte Devisenexpertin Thu Lan Nguyen von der Commerzbank.

          Am Ölmarkt machte sich nach Medienberichten über einen durch iranische Revolutionsgarden gestoppten ausländischen Tanker im Golf die Furcht vor Versorgungsengpässen breit. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuert sich um 0,9 Prozent auf 64,25 Dollar je Barrel, nachdem sie zuvor schwächer notiert hatte. Der Preis für US-Leichtöl WTI stieg um 0,7 Prozent auf 57,15 Dollar.

          Der Aktienkurs von SAP brach nach den enttäuschenden Zahlen um bis zu zehn Prozent ein und steuerte auf den größten Tagesverlust seit rund einem Jahrzehnt zu. Das setzte auch andere Technologiewerte unter Druck. Der europäische Branchenindex fiel um rund zwei Prozent.

          Die Kosten für den Personalabbau und eine Übernahme drücken auf den Gewinn bei dem Walldorfer Softwarereisen SAP, das Unternehmen kann deswegen mit seinem Programm zur Gewinnsteigerung erst 2020 durchstarten. Die relativ hohen Erwartungen seien in allen Bereichen enttäuscht worden, sagte ein Händler.

          Auch Aktien des Baukonzerns Hochtief brachen zeitweise mehr als zwölf Prozent ein. Schwächere Geschäfte der australischen Tochter Cimic machen dem Unternehmen zu schaffen.

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