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Serie: Vermögensverwaltung nach der Krise (2) : Versicherer vertrauen auf ihre Anlagestrategien

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Die Möglichkeit eines „Japan-Szenarios“ wird in der Versicherungsbranche nicht abgestritten. Sie versetzt die Assekuranz aber nicht in Angst.

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          Das „Japan-Szenario“ ist ein geflügeltes Wort in der Versicherungsbranche geworden. Ob in den Vorstandsetagen, unter den Vertriebsmitarbeitern oder in der Aufsichtsbehörde Bafin - zumindest in Halbsätzen wird regelmäßig über diese Gefahr gesprochen.

          Der Begriff steht für die ungünstigsten Marktbedingungen, unter denen die Unternehmen leiden könnten und die aktuell nicht völlig unrealistisch sind. Er spielt auf die Situation in Japan ab Mitte der neunziger Jahre an. Für Versicherer kam damals das Ungünstigste zusammen, was möglich ist: Die Aktien- und Immobilienmärkte brachen ein. Um die Konjunktur zu beleben, senkte die Notenbank den Zins auf null Prozent, die Deflation setzte ein und hielt lange an.

          Japanische Verhältnisse sind unbekömmlich

          Den japanischen Versicherern ist diese Entwicklung nicht gut bekommen. Zwischen 1997 und 2001 gingen sieben mittelgroße Marktteilnehmer pleite. Sie hatten ihren Kunden in Boomzeiten hohe Garantien von bis zu 6 Prozent versprochen. Als der Markt das nicht mehr hergab, mussten sie ihre Reserven anzapfen. Manchen wurde das zu viel, und sie mussten aus dem Markt ausscheiden.

          Davon sind die deutschen Versicherer noch weit entfernt. Aber auch sie leiden unter der lang anhaltenden Niedrigzinspolitik, die ihren Schwestern, den Banken, helfen soll, sich zu sanieren. Anders als in Großbritannien oder Amerika, wo Kunden vielfach selbst das Risiko der Kapitalanlage in Vorsorgeprodukten tragen, ist das deutsche Modell sehr verwandt mit dem japanischen.

          Gegenüber den fondsgebundenen Policen dominieren die klassische Kapitallebensversicherung und die private Rentenversicherung weiterhin den Markt. Rechnet man alle alten und neuen Verträge zusammen, müssen die Versicherer Garantien von gut 3,4 Prozent erfüllen - mehr als eine zehnjährige Bundesanleihe derzeit abwirft.

          Auf 20 Jahre gerüstet

          Gut 85 Prozent ihrer Anlagen haben die Lebensversicherer in festverzinslichen Papieren angelegt, die geringere Renditechancen haben. „Der Druck auf die Unternehmen wird größer. Wer aber clevere Produkte, geringe Kosten und hohe Reserven hat, ist im Vorteil“, sagt Reiner Will von der Versicherungs-Ratingagentur Assekurata.

          Die Stabilität, die sie ihren Kunden versprechen, müssen die Unternehmen auch gegenüber der Bafin belegen. Vorsorglich lässt die schon einmal ausrechnen, wie sich die Wettbewerber in einem möglichen Japan-Szenario schlagen würden.

          Zwei Jahrzehnte, lautet die Antwort von Andreas Gruber, dem Kapitalanlagechef der Allianz Leben. „Dass wir so lange aushalten würden, hat mit unserer Anlagestrategie zu tun und mit unserer komfortablen Reservesituation“, sagt er.

          Gute Streuung. hohe Reserven

          Wegen der unsicheren Marktentwicklung setzt er derzeit auf eine sogenannte „Barbell-Strategie“. Das bedeutet, dass die Fälligkeiten seiner Anlagen breiter gestreut sind als im Regelfall. Die langen Laufzeiten bringen Verzinsungen über dem erforderlichen Garantieniveau, die kurzen Laufzeiten lassen die Flexibilität, auch auf Zinssteigerungen oder einen Börsenboom zu reagieren.

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