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Serie : Der Ölpreis und seine Bestimmungsgründe

  • -Aktualisiert am

Kurz- und langfristige Determinanten des Ölpreises Bild: dpa/lno

Welche Faktoren bestimmen den Ölpreis? Oliver Plein, Volkswirt beim Deutschen Investment Trust (dit), stellt sie vor.

          3 Min.

          Der Ölpreis ist eine wichtige Variable für Konjunkturbeobachter und Finanzmarktakteure, da dessen Entwicklung eine große Bedeutung für die allgemeine Preisentwicklung sowie die Konjunkturlage besitzt.

          Um wirtschaftspolitisch angemessen auf die zukünftige erwartete Veränderung des Ölpreises reagieren zu können, ist es entscheidend, ob sich der Preispfad in der Zukunft prognostizieren lässt, beziehungsweise welche Faktoren den Ölpreis kurz- und langfristig determinieren.

          Kurzfristige Bestimmungsgründe

          Auf kurze Sicht können zahlreiche Größen die Geschehnisse auf dem Ölmarkt bestimmen. Der starke Rückgang des Ölpreises im Herbst 1998 sowie im Frühjahr 1999, als für ein Barrel (159 Liter) Öl der Nordseeölqualität Brent weniger als zehn US-Dollar gezahlt werden mussten, ist zum Beispiel auf Faktoren zurückzuführen, deren Konstellation sicherlich einmalig war. Dazu zählen Nachfrageausfälle aufgrund der Asienkrise, Lagerbestände der Industriestaaten auf Rekordhöhe, die Wiederaufnahme der Förderung des Iraks und nicht zuletzt die günstigen klimatischen Bedingungen. Die Mehrzahl dieser Ereignisse konnte kaum vorhergesagt werden und traf die Öl exportierenden Länder unvorbereitet.

          Auch der deutliche Anstieg des Ölpreises auf fast 30 US-Dollar je Fass in den vergangenen Wochen kann nicht ausschließlich mit der physischen Angebots- und Nachfragekonstellation erklärt werden. Preistreibend wirken derzeit die Spekulationen über einen baldigen Angriff der USA auf den Irak, die Unsicherheit über die zukünftige Quotenpolitik der Opec sowie aufkeimende innenpolitische Spannungen in Venezuela, einem der größten Ölproduzenten (siehe Schaubild 1 unten).

          Wie so oft in der Vergangenheit spielt aber auch die Netto-Positionsbildung am Terminmarkt eine entscheidende Rolle bei der Preisbildung des Öls in der Zukunft, die sich dann ebenfalls in den Kassakursen widerspiegelt. Gerade in Zeiten großer politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit wächst die Zahl der am Futuresmarkt abgeschlossenen Kontrakte. Dies trägt mit dazu bei, dass der Ölpreis in Krisenzeiten zum so genannten „Overshooting“ neigt (siehe Schaubild 2).

          Langfristige Bestimmungsgründe

          Den bekannten Theorien von Ricardo und Hotelling zufolge müssten die Ölpreise stetig steigen. Ricardo ging davon aus, dass sich die Grenzkosten der Erschließung und Ausbeutung neuer Lagerstätten erhöhen. Hotelling bezog in seine Überlegungen ein absehbares Ende der Ölvorkommen mit ein. Da die enorme Volatilität des Ölpreises in der Vergangenheit kaum mit beiden Paradigmen erklärt werden kann, sind bei Ölprognosen auf lange Sicht andere Faktoren zu berücksichtigen (vgl. zu diesen langfristigen Bestimmungsgründen die unten angefügte Tabelle).

          In der Vergangenheit spielten besonders die politischen Faktoren eine wichtige Rolle. Dies zeigte sich besonders an den Ölpreiskrisen, welche durch Spannungen im Nahen Osten ausgelöst wurden (erste Ölpreiskrise 1973/74, zweite Ölpreiskrise 1979/80, Golfkrieg 1990). Neben den politischen Faktoren ist auch die Opec-Politik für den unsteten Verlauf des Ölpreispfades verantwortlich. Die Strategie beziehungsweise Koordination des Kartells war selten frei von Spannungen. Beschlüsse der Opec über Quoten oder Preise waren keineswegs das Resultat gleichgerichteter Ziele, sondern Kompromisse auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner.

          Aktuelle Lage

          Aufgrund der Vielzahl der verschiedenen Bestimmungsgrößen lässt sich der zukünftige Ölpreis kaum prognostizieren. Bei den derzeit vorherrschenden Fundamentaldaten (Angebot und Nachfrage) müsste der Ölpreis eher im unteren Bereich der von der Opec angestrebten Bandbreite von 22 bis 28 US-Dollar je Fass liegen. Eine mögliche Eskalation des Konflikts zwischen den USA und dem Irak veranlasst die Disponenten jedoch, eine „Kriegsprämie“ auf den fundamental gerechtfertigten Preis in Höhe von etwa vier bis fünf US-Dollar je Fass zu schlagen. Die Spekulationen auf den Terminmärkten tun ihr Übriges hierzu.

          Selbst bei einem baldigen Angriff der USA ist nicht mit einem nachhaltigen Angebotsausfall zu rechnen, da die freien Produktionskapazitäten mehr als ausreichend sind, um den Produktionsausfall im Irak aufzufangen, der im Juni einen Marktanteil von lediglich zwei Prozent hatte. Mit Mengeneffekten ist also kaum zu rechnen, aber mit Preiseffekten. Ob diese dann, wie beispielsweise während des Golfkrieges 1990, nur temporärer Natur sind, hängt von der politischen Dimension des Konflikts ab.

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