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Seltene Erden : Cerium - den Namen muss man sich merken

Erzminenarbeiter in Jiangxi Bild: REUTERS

China liefert 97 Prozent der wichtigen Rohstoffe für Handys, Autos und Raketen. Jetzt drosselt das Land den Export. Und die Seltenen Erden werden knapp.

          3 Min.

          Es gibt Dinge auf dieser Welt, die tragen ihren Namen vollkommen zu Recht - andere nicht. Zu letzteren gehören zweifellos die „Seltenen Erden“. Diesen fast märchenhaften Namen trägt eine Gruppe silbrig glänzender Rohstoffe, die bemerkenswerte Eigenschaften haben. Nur ausgerechnet zwei nicht: Sie sind weder selten noch Erden.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In Wirklichkeit handelt es sich um Metalle, die in der Erdkruste sogar überdurchschnittlich häufig vorkommen. Neodym etwa, eine der Seltenen Erden, rangiert auf Platz 27 der häufigsten Elemente, noch vor Blei und Zinn. Ihr putziger Name erklärt sich aus der Entdeckungsgeschichte: Im 19. Jahrhundert fanden Forscher sie zunächst gebunden in seltenen Mineralien vor - und isolierten sie in Form ihrer Oxide, also als Verbindungen mit Sauerstoff. In alter Zeit aber nannte man Oxide auch „Erden“. Folglich tauften die Menschen jener Zeit die häufigen Metalle „Seltene Erden“. Diesen Namen behielten die 17 Elemente im Periodensystem von Scandium über Yttrium bis Lutetium (siehe Grafik) bis heute.

          Chinesisches Poker

          Ausgerechnet um diese Seltenen Erden geht es in einem der schwersten Konflikte, die augenblicklich die Welthandelsgemeinschaft belasten. China, das mit 97 Prozent der weltweiten Fördermenge nahezu ein Monopol auf diese Rohstoffe hat, will seine Exportquoten drosseln. Mit zwei Begründungen: Man brauche das Zeug selbst. Und man wolle die Umweltbelastungen, die durch den Abbau der teils giftigen Stoffe entstünden, künftig in Grenzen halten.

          Die Superschweren Elemente 111 bis 118

          Tatsächlich geht es wohl vor allem um eines: China will seine Machtstellung nutzen - um höhere Preise zu erzielen. „Anfang der 80er Jahre haben wir die Seltenen Erden noch zum Preis von Salz verkauft“, sagt selbst der chinesische Premier Wen Jiabao ganz freimütig. „Doch eigentlich verdienen sie den Preis von Gold. Wir fangen gerade erst an, unsere selbstverständlichen Interessen zu wahren.“

          Der Westen zittert. Schließlich werden die Seltenen Erden aufgrund ihrer besonderen magnetischen, elektrischen und mechanischen Eigenschaften heute in nahezu jeder modernen Technologie eingesetzt. Egal, ob es hochwertige Linsen für Teleskope sind, Bauteile fürs iPhone oder selbst Raketenlenksysteme fürs Militär: Überall sind Seltene Erden, wenn auch nicht unverzichtbar, so doch nur sehr aufwendig und mit gravierenden Nachteilen zu ersetzen. Selbst beim Druck von Euroscheinen werden mittlerweile Seltene Erden für den Sicherheitsstreifen verwendet.

          Nur auf die Kosten geschaut

          Dabei ist der Grund für Chinas starke Stellung auf dem Weltmarkt nicht, dass man Seltene Erden nur dort findet. Zwar verfügt China mit 2,9 Millionen Tonnen über das größte Vorkommen. Doch auch Grönland, Australien, Kanada, Amerika und selbst Deutschland haben Seltene Erden. Entscheidend waren bislang die Kosten: China konnte die Seltenen Erden wegen niedriger Löhne und geringer Umweltauflagen günstig abbauen.

          „Minen in anderen Teilen der Welt wurden geschlossen“, sagt Daniel Briesemann, Rohstoffexperte der Commerzbank. Etwa die „Mountain Pass Mine“ in Kalifornien. Dort hatten Schürfer in den 50er Jahren unweit einer alten Goldmine eine Stelle gefunden, an der sie radioaktives Uran vermuteten. Proben ergaben jedoch, dass es sich um Bastnäsit handelte: ein Erz, aus dem man Seltene Erden gewinnt. Jahrelang förderte die amerikanische Firma Molycorp dort - aber 2002 legte sie die Mine still.

          Jetzt wollen die Amerikaner sie reaktivieren, um im Notfall eine Alternative zum Handel mit China zu haben. Doch eine Reaktivierung dauert. Parallel prüft Amerika daher eine Klage gegen China bei der Welthandelsorganisation WTO.

          Auch in Deutschland wird man nervös. Der Bundesverband der Deutschen Industrie jammert, die Abhängigkeit von China könnte gefährlich werden: Einzelne Unternehmen hätten bereits mit Engpässen zu kämpfen. Kein Wunder, dass Wirtschaftsminister Rainer Brüderle vorige Woche auf seiner Kanada-Reise schon mal vorsichtig anfragte, ob das Land der deutschen Wirtschaft notfalls mit Seltenen Erden aushelfen könnte.

          Schließlich haben alle das mahnende Beispiel Japan vor Augen. Japan ist einer der führenden Hersteller von Unterhaltungselektronik - und damit größter Importeur von Seltenen Erden. Diese Abhängigkeit machten sich die Chinesen im Streit um eine Inselgruppe im Meer zwischen beiden Ländern zunutze. Als ein chinesisches Fischerboot dort unlängst mit zwei japanischen Kriegsschiffen aneinandergeriet, stellten die Chinesen die Lieferung von Seltenen Erden nach Japan kurzerhand ein. Die Botschaft konnte deutlicher kaum sein: Wenn ihr China ärgert - dann wird es für euch so richtig ungemütlich.

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