https://www.faz.net/-gv6-a0xzu

Selbstverpflichtung : Jetzt wollen die Banken das Klima retten

Die Deutsche Bank und andere Institute wollen messen, wie schädlich ihr Geschäft für das Klima ist. Bild: Michael Braunschädel

Deutsche Bank, Commerzbank und andere deutsche Finanzinstitute wollen überprüfen, wie schädlich ihr Geschäft für das Klima ist. Bekommen manche Kunden bald keine Kredite mehr?

          2 Min.

          Die Deutsche Bank, die Commerzbank und mehrere andere deutsche Kreditinstitute wollen unter anderem bei der Kreditvergabe künftig stärker auf den Klimaschutz achten. Im Zuge einer am Dienstag vorgestellten Selbstverpflichtung haben sich insgesamt 16 Banken vorgenommen, den Ausstoß der von ihnen mitfinanzierten Treibhausgase zunächst zu messen und zu veröffentlichen und dann nach und nach zu reduzieren.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Banken spielen eine entscheidende Rolle im Kampf gegen den Klimawandel“, kommentiert Christian Sewing, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, die Erklärung. „Denn es ist an uns, über Finanzierungen und Anlageprodukte die Mittel für die Transformation der globalen Wirtschaft bereitzustellen.“

          „Beginn einer langen Reise“

          Bei der Vorstellung der Selbstverpflichtung in Frankfurt bremsten die Vertreter der Unterzeichner allerdings zu große Erwartungen. Gerald Podobnik, Finanzvorstand der Unternehmensbank der Deutschen Bank, stellte klar, dass es sich um „den Beginn einer langen Reise“ handele.

          Zunächst hat jedes einzelne Institut bis Ende 2022 Zeit, eine eigene Methodik für die Messung der Klimaauswirkungen seiner Geschäfte zu erarbeiten. Dafür sei es auch wichtig, dass die Regeln für die entsprechende Berichterstattung auf die gesamte Wirtschaft ausgeweitet würden. Von vielen Unternehmen gebe es bislang gar keine oder nur qualitative Aussagen zu ihrem Treibhausgasausstoß, sagte Podobnik. Für einheitliche Standards seien aber vergleichbare Zahlen notwendig.

          Die nun unterzeichnete Selbstverpflichtung werde nicht dazu führen, dass Kundenbeziehungen abrupt abgebrochen würden. „Sie kann aber zu einer Situation führen, dass wir bestimmte Engagements in Zukunft nicht mehr eingehen“, sagte Podobnik.

          Kritik von Umweltschützern

          Zu den Erstunterzeichnern zählen neben den beiden Großbanken auch die Hypovereinsbank, die ING Deutschland, die BNP Paribas, mehrere Nachhaltigkeitsbanken und zwei Versorgungswerke. Nach den Angaben vereinen sie mehr als 5,5 Billionen Euro an Aktiva und 46 Millionen Kunden auf sich. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) ist darunter bislang das einzige öffentlich-rechtliche Institut. Laut Thomas Rosenfeld von der LBBW stehen aber einige Landesbanken kurz davor, sich anzuschließen.

          Der Umweltinitiative „Urgewald“ geht die Selbstverpflichtung nicht weit genug. „Jedes Institut darf sich aussuchen, in welchem Bereich es die größte Wirkung vermutet und aktiv werden will“, sagte die für Bankenkampagnen zuständige Kathrin Petz. Zielführender wäre es, wenn die Bundesregierung ihre an diesem Mittwoch beginnende EU-Ratspräsidentschaft dazu nutzen würde, „dem Finanzsektor auf EU-Ebene Klima-Leitplanken zu setzen“.

          Georg Schürmann, Vorstandsvorsitzender der Nachhaltigkeitsbank Triodos, die die Selbstverpflichtung initiiert hat, verteidigte die „Methodenfreiheit“: „Sicher kann sie dazu führen, dass die Zahlen der Banken nur begrenzt vergleichbar sind. Aber in der jetzigen Phase ist es wichtig, dass jedes Haus für sich nach einer geeigneten Methode sucht.“ Fernziel sei dann ein einheitlicher Standard, der auch in die Regulierung einfließen könne.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Corona-Krise : Warum die Zahlen in Spanien wieder ansteigen

          Nirgendwo in Westeuropa gibt es so viele Neuinfektionen wie in Spanien – und das, obwohl nahezu überall Maskenpflicht herrscht und die Behörden wieder Ausgangssperren verhängen. Nun warnt das Auswärtige Amt auch vor Reisen nach Madrid.
          Mike Pompeo und seine Frau Susan bei der Ankunft am Prager Flughafen am 11. August

          Zum Auftakt der Europareise : Pompeo erhält eine deutliche Botschaft

          Der amerikanische Außenminister besucht in dieser Woche vier europäische Länder. Es geht um Truppenstationierungen und um China. Gleich zu Beginn kommt aus Moskau deutliche Kritik: vom deutschen Außenminister.

          Putins Corona-Politik : Der Impfstoff-Murks aus Moskau

          Putin hat mit der Zulassung des weltweit ersten Corona-Impfstoffs vielleicht seinen Sputnik-Moment, doch Sektkorken knallen keine. Das rücksichtslose politische Manöver kann der Impfstoffentwicklung weltweit schaden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.