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Schwellenmärkte : Auf Bric folgen die „nächsten Elf“

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Bric steht für die vier Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China, deren wirtschaftliche Entwicklung als besonders aussichtsreich erscheint. Mit „Next 11“ sollen nun die dahinter folgenden Wachstumskandidaten eine ähnliche Aufmerksamkeit finden.

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          Mit einem neuen Etikett für die Geldanlage in teilweise exotischen Schwellenmärkten wollen die ersten Anbieter von Geldanlageprodukten den Erfolg des sogenannten Bric-Konzepts wiederholen. Hinter Bric steht die Idee, dass die wirtschaftliche Entwicklung in den vier Schwellenländern Brasilien, Russland, Indien und China - aus ihren Anfangsbuchstaben setzt sich das Kürzel zusammen - besonders aussichtsreich erscheint.

          Mit der Wendung von den „nächsten Elf“ (Next 11) sollen nun die dahinter folgenden Wachstumskandidaten eine ähnlich hohe Aufmerksamkeit finden. Vor wenigen Tagen fiel der Startschuss für zwei konkurrierende Anlagezertifikate aus dem Hause Deutsche Bank mit diesem Ansatz. Signale aus der Zertifikatebranche machen deutlich, dass es bei ihnen nicht bleiben dürfte.

          Idealer Zeitpunkt

          Entstanden ist der Ansatz in der volkswirtschaftlichen Abteilung der Investmentbank Goldman Sachs. Deren Chefvolkswirt Jim O'Neill trat vor gut fünf Jahren mit der These auf, dass die vier Bric-Länder im Jahr 2050 ein größeres Gewicht in der Weltwirtschaft haben als die heute in der G 7 zusammengeschlossenen Industrienationen. Für diese Gewinner der Globalisierung spreche vor allem das Arbeitskräfte- und Produktivitätspotential.

          Auf Basis dieser Idee wurde hierzulande in den vergangenen zwei Jahren eine Vielzahl von Bric-Aktienfonds aufgelegt. Die Anbieter erwischten dabei einen idealen Zeitpunkt, weil die Aktienmärkte in den vier Ländern gerade überdurchschnittliche Wertzuwächse aufwiesen. So legte der größte Fonds mit diesem Investmentansatz - der DWS Bric Plus - allein im vergangenen Jahr um 36,6 Prozent zu. Erst im März 2005 aufgelegt, verwaltet er inzwischen ein Vermögen von knapp 3 Milliarden Euro.

          Einfluss der Länder auf die Weltwirtschaft

          Während die Bric-Modewelle lief, suchte Goldman Sachs in der Zwischenzeit nach Ländern mit ähnlichen Wachstumsaussichten und veröffentlichte vor einem Jahr schließlich die Idee von den „nächsten Elf“. Unter einem Etikett vereint sind dabei so unterschiedliche Länder wie Mexiko, Indonesien, Südkorea, Nigeria, Vietnam, Türkei, Philippinen, Ägypten, Pakistan, Iran und Bangladesch.

          Den gemeinsamen Nenner sieht Chefvolkswirt O'Neill jedoch in einem potentiell stark zunehmenden Einfluss dieser Länder auf die Weltwirtschaft - nicht zuletzt wegen ihres Bevölkerungswachstums. „Ich warne aber davor, Next 11 als reines Anlagethema zu betrachten“, sagte er kürzlich bei einer Vorstellung des Modells.

          Aktienmärkte nur gering kapitalisiert

          Tatsächlich taten sich die Entwicklungsabteilungen der Fondsgesellschaften und Zertifikateanbieter zunächst schwer mit einer Umsetzung dieses Ansatzes. Die Aktienmärkte der meisten dieser Länder sind nur gering kapitalisiert - ein Zugang nach Nigeria, Bangladesch und in den Iran sogar unmöglich.

          Als erster Anbieter hat nun die Fondsgesellschaft DWS über ihre Zertifikateplattform DWS Go in einem Anlageprodukt mit dem Namen Next 11 Trend Total Return Index die drei besonders schwierigen Länder einfach ausgeklammert. Aus den restlichen acht Ländern finden sich 22 Titel im zugrundeliegenden Index, dessen Zusammensetzung das DWS-Fondsmanagement halbjährlich überprüft.

          Zertifikat mit den „nächsten Elf“

          Auch der eigentliche Zertifikateanbieter im Deutsche-Bank-Konzern, X-Markets, entschied sich für das Vorgehen, Nigeria, Bangladesch und den Iran einfach auszuklammern - spätere Aufnahme wie bei der DWS nicht ausgeschlossen. Allerdings weicht dieses Zertifikat mit dem Namen S-Box Next Eleven Index in einem bemerkenswerten Punkt vom konkurrierenden DWS-Produkt ab.

          Wie in der Zertifikatebranche häufig zu beobachten, behält X-markets die Dividende der im Index enthaltenen Aktien, während sie die DWS an ihre Anleger weitergibt. Die Investmentbank Goldman Sachs arbeitet unterdessen nach eigenen Angaben mit Hochdruck an einem Zertifikat mit den „nächsten Elf“, damit sich nicht das Bric-Szenario mit einem verspäteten Markteintritt wiederholt. Da lief ein Großteil des Geschäfts am Erfinder des Konzepts vorbei.

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