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Scherbaums Börse : Kriselnde Schwellenländer rücken in den Blick der Anleger

  • -Aktualisiert am

Jesus-Statue über der Stadt Rio den Janeiro in Brasilien Bild: EPA

Wegen Corona und anderen Problemen leiden die ansonsten aufstrebenden Wachstumsstaaten unter einer massiven Flaute bei Investitionen – vor allem in Brasilien. Doch Institutionelle Investoren scheinen einer Umfrage zufolge die Schwellenländer wieder zu entdecken.

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          Die Auswirkungen von Covid-19 sind weltweit einschneidend in allen Bereichen und die wirtschaftlichen Folgen für viele Länder katastrophal. Vor allem für Volkswirtschaften, die sich in den vergangenen Jahren als aufstrebend erwiesen hatten und für viele Investoren interessant geworden waren. Ein Beispiel dafür ist Brasilien.

          Das südamerikanische Land ist neben den Vereinigten Staaten einer der größten Corona-Hotspots rund um den Globus. Die Wirtschaft des Landes ist am Boden. Rezession und hohe Staatsverschuldung sind zusammen mit Covid-19 ein Mix, mit dem das Land kämpft, aber wohl nicht als Sieger hervorgehen wird.

          Das Ganze spiegelt sich keineswegs nur im Wert des Brasilianischen Real wider. Die Landeswährung hat seit Beginn der Pandemie gegenüber dem Euro enorm abgewertet.

          Brasilien war vor wenigen Jahren noch eines der Schwellenländer gewesen, in das die Finanzindustrie zuhauf Hoffnung und damit auch Geld investiert hatte. Die Voraussetzungen waren auch gut:

          Mit mehr als 200 Millionen Einwohnern und wichtigen Handelspartnern wie Amerika, Argentinien und China gehört(e) es zu den sogenannten BRIC-Staaten, den aufstrebenden Schwellenländer neben Russland, Indien und China. Der Begriff wurde einst durch den ehemaligen Chefvolkswirt von Goldman Sachs, Jim O´Neill, geprägt, der diesen vier Ländern ein großes wirtschaftliches Potenzial zutraute. Und heute? Sollte man in ein solches Land investieren, dass wirtschaftlich massiv zu kämpfen hat und dessen Regierung ignorant mit Covid-19 umgeht? Auf kurzfristige Sicht wohl eher nicht.

          Schwierige Bedingungen

          Die Rahmenbedingungen für Investitionen im Land des Zuckerhuts bleiben laut der aktuellen „Emerging Markets Trends“ der Deka schwierig. Besonders die veraltete Bürokratie, das komplexe Steuersystem und die schlechte Infrastruktur würden belasten, so die Experten.

          Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg.
          Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg. : Bild: Archiv

          Wirtschaftlich geht es nach dem Lockdown wieder aufwärts. Gegenüber dem Vorjahresquartal ist das BIP im zweiten Quartal um 11,4 Prozent geschrumpft, aber nach dem dramatischen Einbruch im ersten Halbjahr deutet sich im dritten Quartal nun ein starker Rückprall an, so die Deka-Experten.

          Dies hängt mit den wirtschaftlichen Hilfen der Regierung für die privaten Haushalte zusammen. Entsprechend sollen diese nach dem Willen der Regierung zurückzuführen. Deswegen verhandelt die Regierung mit dem Kongress aktuell über eine Verlängerung dieser Maßnahmen bis zum Jahresende.

          Bleibt für die brasilianischen Bürger nur zu hoffen, dass sie durch die Krise kommen werden – die aber letztlich mit Covid-19 nur ihr i-Tüpfelchen erhalten hat. Nach Deka-Einschätzung hat sich der Ratingtrend Brasiliens schon seit 2014 aufgrund „der Reformunfähigkeit früherer Regierungen, der Verschlechterung der fiskalischen Verfassung und des langfristigen Verlusts an Wettbewerbsfähigkeit deutlich verschlechtert.“

          Die neue Regierung unter Jair Bolsonaro habe zwar mit der Rentenreform einen Meilenstein erreicht. Allerdings sind die Aussichten für weitere Reformen aufgrund der Spannungen zwischen Regierung und Kongress trübe. Fitch hat Anfang Mai diese Spannungen als Grund für die Veränderung des Rating-Ausblicks auf negativ angeführt.

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