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Gegen Bitcoin und Facebook : Ein wichtiger Test für digitales Geld gelingt

Bitcoin und Co. lassen Notenbanken um ihr Geldmonopol bangen. Bild: Reuters

Ein erster Testversuch in der Schweiz ermutigt die Geldpolitik, an den Plänen festzuhalten und sie zu vertiefen. Auch die EZB will ihr Geldmonopol gegen private Anbieter verteidigen.

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          Die Europäische Zentralbank (EZB) und alle wichtigen Notenbanken in der Welt untersuchen derzeit digitales Geld. Am Donnerstag meldete sich die „Bank der Zentralbanken“, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) aus Basel zu Wort. Sie berichtete von einem ersten erfolgreichen Versuch, digitales Zentralbankgeld zur Abwicklung von Wertpapiergeschäften zwischen Banken einzusetzen. Auf der Telefonkonferenz sprach der frühere EZB-Direktor Benoît Cœuré, der das dafür zuständige BIZ-Innovationszentrum leitet, von einem Durchbruch. Er fügte aber hinzu, dass es sich nur um einen Versuch bezüglich Interbankengeschäfte gehandelt und digitales Geld für die Verbraucher keine Rolle gespielt habe.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zusammen mit der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und der Schweizer Börse Six untersuchte die BIZ, die für die Notenbanken Devisenreserven verwaltet und als geldpolitische Denkfabrik dient, die Auswirkungen von digitalem Zentralbankgeld auf die Abwicklung im Wertpapierhandel. Zum einen wurde digitales Zentralbankgeld in Form einer verschlüsselten Wertschrift, eines sogenannten Token, dafür verwendet. Zum anderen wurde ein schon bestehendes Zahlungssystem an ein auf der Blockchain-Technologie beruhendes dezentrales Kontobuch (DLT) gekoppelt.

          Nach Angaben der BIZ hätten die Versuche in einem der Realität nahekommenden Umfeld die Umsetzbarkeit bewiesen. Digitales Zentralbankgeld im Handel und in der Abwicklung von Wertpapieren sei technisch und rechtlich realisierbar, hieß es von Seiten der BIZ und der Schweizerischen Nationalbank. Jedoch wiesen beide Institutionen auf die weiterhin offenen aufsichtsrechtlichen Fragen zum Einsatz dieser Technologien hin. „Die Sicherheit und Verlässlichkeit der Schweizer Finanzinfrastruktur muss erhalten bleiben“, betonte Andréa M. Maechler aus dem Direktorium der SNB.

          Nächste Phase bis Herbst 2021

          Die Schweizer Notenbank habe noch nicht entschieden, ob sie tatsächlich digitales Zentralbankgeld ausgebe. Die Notenbank müsse vertieft prüfen, ob dieser Ansatz tatsächlich zu Effizienzgewinnen für das Finanzsystem führe, erklärte Maechler.  Ein den breiten Massen bereitgestelltes digitales Zentralbankgeld könnte die Struktur des Finanzsystems verändern und auch die Finanzstabilität gefährden. Die nächste Phase des Versuchs solle bis zum dritten Quartal 2021 abgeschlossen werden, sagte Cœuré.

          Dabei untersuche die BIZ zusammen mit der Schweizerischen Nationalbank unter anderem, inwieweit digitales Zentralbankgeld für den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr genutzt werden könne. Die Ausgabe des digitalen Zentralbankgeldes lässt Geschäftsbanken befürchten, dass sie zum Vertrieb des Geldes nicht mehr benötigt würden. Eine weitere Sorge betrifft die Verstärkung einer Finanzkrise. Dann könnten die Bankkunden versucht sein, sämtliche Einlagen in digitales Zentralbankgeld umzuwandeln und so die Geschäftsbanken um ihr wichtigstes Finanzierungsinstrument bringen.

          Die EZB will mit ihren Plänen zum digitalen Euro nicht in Konkurrenz zu den Banken treten. Neben den Kreditinstituten könnten auch private Zahlungsdienstleister von der Einführung des digitalen Zentralbankgeldes betroffen sein. Die BIZ, SNB sowie die EZB und andere Notenbanken reagieren mit ihren Plänen für ein digitales Zentralbankgeld auf private Anbieter, die digitale Vermögenswerte einführen. Dazu zählt Bitcoin, aber auch das Libra-Projekt von Facebook.

          Inzwischen musste der Libra so deutlich abgespeckt werden, dass er in „Diem“ umbenannt wurde. Facebook musste sich auf der ganzen Welt mit den Bedenken der um ihr staatliches Geldmonopol fürchtenden Notenbanken und der Aufsichtsbehörden auseinandersetzen.

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