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SNB geht gegen Inflation vor : Beherzte Geldpolitik der Schweiz

Überraschender Zinsentscheid: Die Schweizer Nationalbank (SNB) prescht vor. Bild: dpa

Die Geldpolitik der Schweiz unterscheidet sich wohltuend von der Europäischen Zentralbank, denn die Nationalbank handelt entschlossener gegen die Inflation als Beobachter erwartet haben.

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          Auch das ist eine Zeitenwende: dass es für die Zentralbanken wieder zur dringenden Priorität wird, für stabile Preise zu sorgen.

          Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat dazu am Donnerstag einen beherzten Schritt getan, den kaum ein Beobachter zu diesem Zeitpunkt und in dieser Größenordnung erwartet hatte: Erstmals seit 2007 hob sie ihren Leitzins an, um einen halben Prozentpunkt.

          Ohne ein solches Gegensteuern käme die Inflation 2024 nach Einschätzung von SNB-Präsident Thomas Jordan wieder über 2 Prozent zu liegen. Mit dieser Eindämmung ihrer – immer noch recht – expansiven Geldpolitik leitet die SNB den allmählichen Ausstieg aus den Negativzinsen ein, und sie belegt, wie ernst sie das Risiko einer Lohn-Preis-Spirale nimmt. Zudem bleibt sie ihrem klassischen Inflationsziel von 2 Prozent treu.

          Damit unterscheidet sie sich wohltuend von der Europäischen Zentralbank (EZB), die ihren Zins trotz einer jährlichen Inflationsrate von mittlerweile mehr als 8 Prozent im Euroraum erst im Juli von 0 auf 0,25 Prozent anheben will. Anders als sonst ließ die SNB ihr diesmal aus gutem Grund nicht Vortritt.

          Angesichts der abgeflauten Frankenstärke kann sie sich das leisten: Die sonst gefürchtete Zinsdifferenz zum Euro und zum Dollar, welche die Schweizer Währung für Anleger attraktiver macht und ihrem Kurs Auftrieb gibt, ist in der aktuellen Situation sogar willkommen. Wenn der Franken zulegt, bremst das die importierte Inflation, wichtigste Quelle des Preisauftriebs.

          Johannes Ritter
          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

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