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Kapitalmarktausblick 2020 : Pictet rät von Aktien in Amerika ab

Die Schweizer Privatbank Pictet rät zu einem Stilwechsel am Aktienmarkt Bild: Reuters

Der Chefstratege der Schweizer Privatbank, Luca Paolini, hält besonders Dividendenwerte in Deutschland und Britannien für attraktiv. Er rät aber zu einem Stilwechsel am europäischen Aktienmarkt.

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          Die Schweizer Privatbank Pictet warnt Anleger vor Sorglosigkeit. Eigentlich sei jetzt der richtige Zeitpunkt, um aus dem Aktienmarkt auszusteigen, sagt ihr Chefstratege Luca Paolini. Denn viele Aktienkurse stünden auf Rekordhochs, der Konjunkturzyklus gerade in den Vereinigten Staaten neige sich dagegen dem Ende entgegen, die Gewinne der Unternehmen erlaubten nur noch ein schwaches Wachstum und die Gewinnmargen verfielen.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch Paolini rät davon ab, wie gewohnt zu verfahren und in einem solchen Moment vom Aktien- in den Anleihemarkt umzuschichten. Denn zumindest in den Industrieländern seien die zu erwartenden Renditen mit Anleihen wegen der Niedrigzinsphase noch geringer als am Aktienmarkt.

          Die Stilfrage

          Deshalb rät die Schweizer Privatbank im Aktienmarkt gerade in Europa zu investieren, aber dort den Stil zu ändern. Statt in Amerika mit Indexfonds (ETFs) zu investieren und damit mit hohem Gewicht in stark gekletterte Wachstumsunternehmen wie den Online-Händler Amazon anzulegen, sollten sich Anleger wieder stärker den tief gefallenen Substanzwerten zuwenden, etwa aus der Energiebranche und den Banken. Auch die am deutschen Aktienmarkt zuletzt verschmähten Autoaktien nennt Paolini als Beispiel für „Value“-Werte. Für den Dax steckt Pictet für die nächsten zwölf Monate ein Ziel von 14 000 Punkten – damit hätte der Index immerhin im Vergleich zum gegenwärtigen Stand ein Potential von fast 1000 Punkten oder 7 Prozent. Dem amerikanischen Aktienindex S&P 500 sagt Pictet dagegen einen Rückgang von derzeit rund 3115 Punkten auf 3000 Punkte voraus.

          Die Dollar-Frage

          Ein wichtiger Faktor für Anlageentscheidungen ist nach Ansicht von Pictet der Dollar, dem die Bank eine längere Schwächephase vorhersagt. Im nächsten Jahr erwartet sie eine Aufwertung des Euros von derzeit 1,10 auf 1,15 Dollar. Eine solche Abwertung des Dollar sei traditionell von Vorteil für Anlagen in Schwellenländern, meint Chefstratege Paolini. Am Anleihemarkt könnten Anleger daher Währungswetten eingehen, in dem sie Anleihen mit hohem Kupon in brasilianischen Real, mexikanischen Peso und russischen Rubel kauften, empfiehlt er. Unternehmensanleihen dagegen hält er für ausgereizt, schließlich nähmen mit schwächerer Weltkonjunktur die Ausfallrisiken zu.

          Auch am Aktienmarkt sollte man nach Ansicht von Pictet neben dem Schwerpunkt Europa und dem Fokus auf Substanzaktien abseits der gewohnten Pfade wandeln. Neben dem russischen Aktienmarkt empfiehlt Pictet auch den britischen. Viele Anleger seien wegen der politischen Risiken dort nicht investiert, stellt Paolini fest. Aber sobald Gespräche zwischen Großbritannien und der EU über einen geordneten Brexit aufgenommen würden, werde dieses Thema aus dem Fokus der meisten Anleger rücken – auch wenn dann noch viele komplizierte Fragen geklärt werden müssten. Auch dem britischen Pfund sagt Pictet nicht nur zum Dollar, sondern auch zum Euro eine Aufwertung voraus. Am britischen Aktienmarkt gebe es viele unterbewertete Value-Aktien, die eine Dividendenrendite von 5 Prozent böten. Das sei ein Rendite-Risiko-Profil, mit dem sich Anleger anfreunden sollten.

          Aber auch Gold hält Pictet in der Niedrigzinsphase für eine kluge Anlage und stockt gerade die Bestände für die Kunden auf. Als Preisziel für die nächsten zwölf Monate nennt die Privatbank 1650 Dollar für eine Unze Feingold, immerhin 12 Prozent mehr als derzeit.

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