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Geldpolitik : Schwedens Notenbank überrascht mit großem Zinsschritt

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Schwedens Notenbankgouverneur Stefan Ingves hat keine guten Nachrichten für Aktienanleger. Bild: via REUTERS

Die schwedische Riksbank hat den Leitzins um einen vollen Prozentpunkt erhöht. Der Krone half dies allerdings nicht lange auf die Sprünge.

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          Mit der größten Zinserhöhung seit Jahrzehnten stemmt sich Schwedens Notenbank gegen die ausufernde Inflation. Sie erhöhte den Leitzins am Dienstag zur Überraschung der Finanzwelt auf 1,75 Prozent – eine Anhebung um einen vollen Prozentpunkt. Ökonomen hatten eine Erhöhung um 0,75 Prozentpunkte erwartet. Die Währungshüter reagieren mit dem größten Zinssprung seit November 1992 auf die hohe Inflationsrate, die aktuell bei 9,0 Prozent liegt. Derzeit erhöhen viele Notenbanken weltweit im Kampf gegen die Teuerung den Preis des Geldes – allen voran die amerikanische Notenbank Federal Reserve.

          Sie steht laut Experten am Mittwoch vor der dritten großen Erhöhung in Folge. Die meisten Experten erwarten eine abermalige Anhebung um 0,75 Prozentpunkte, auch wenn an den Finanzmärkten eine Erhöhung nach schwedischem Vorbild nicht als ausgeschlossen gilt.

          Anders als die Fed, die noch im November und Dezember die Möglichkeit zum Nachlegen hat, stand die Notenbank in Stockholm auf der vorletzten Zinssitzung im laufenden Jahr bereits unter Zugzwang. Die Inflation in Schweden ist mittlerweile weit über das Zwei-Prozent-Ziel der Währungshüter hinaus gestiegen. Und diese rechnen damit, dass das Ende noch nicht erreicht ist. Die Zentralbank will daher im kommenden halben Jahr weiter die Zinsen erhöhen. Sie geht davon aus, dass der Leitzins erst im zweiten Quartal 2023 mit 2,5 Prozent einen vorläufigen Höhepunkt erreichen wird.

          Zugleich stellt sich die Zentralbank darauf ein, dass die Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr schrumpfen wird. Allerdings sei nicht mit einem tiefgreifenden wirtschaftlichen Abschwung zu rechnen, trat Riksbank-Chef Stefan Ingves solchen Befürchtungen entgegen: „Wir sprechen hier im Grunde nur von einer Senke im Konjunkturverlauf.“

          Investoren verunsichert

          Doch wirkte das Zinssignal aus Stockholm auf die wegen der vielerorts vorherrschenden Rezessionssorgen bereits nervösen Finanzmärkte beunruhigend. Es verunsicherte die Investoren in Europa und ließ anfängliche Kursgewinne wieder abbröckeln.

          Der geldpolitische Paukenschlag aus Stockholm verlieh zugleich der Landeswährung Krone nur kurz Rückenwind. Vielmehr wertete die Krone gegen den Dollar zuletzt auf ein neues 21-Jahres-Tief von 10,8466 Kronen je Dollar ab. Zum einen werde die US-Notenbank am Mittwoch voraussichtlich mit einer kräftigen Zinserhöhung nachziehen, sagen Börsianer. Zum anderen bleibe die Weltleitwährung Dollar wegen der drohenden Rezession als „sicherer Anlagehafen“ begehrt.

          Am deutschen Aktienmarkt wurde die Zinserhöhung als negatives Signal gesehen. Anfängliche zaghafte Kursgewinne machten Platz für deutliche Verluste. Der marktbreite F.A.Z.-Index gab zuletzt um 1 Prozent auf 2026 Punkte nach, der Dax um 0.9 Prozent auf 12.688 Zähler.

          Mit der Aussicht auf eine weitere kräftige Zinserhöhung in den USA am Mittwoch gehen die Investoren kaum mehr ins Risiko. Francois Rimeu von der Investmentgesellschaft La Francaise rechnet damit, dass Fed-Chef Jerome Powell den Schwerpunkt nach wie vor auf die Senkung der Inflation legt. „Die Fed muss die Zinserhöhungen trotz der negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft (...) fortsetzen“, schrieb der Stratege. Der Arbeitsmarkt sei zu angespannt, es bestehe die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale.

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