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Schwarzer Montag an der Börse : „Corona ist nur der Auslöser“

Frankfurter Skyline: Der Dax hat am Montag den höchsten Tagesverlust seit 2001 erlitten. Bild: dpa

Ein Umfrage unter Investmentbankern in der Frankfurter Innenstadt offenbart: Der Corona-Schock sitzt tief – kam aber nicht ganz überraschend.

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          Wer wissen will, wie die Stimmung unter den Investmentbankern in Frankfurt derzeit ist, erhält in der „Fressgass“ in der Frankfurter Innenstadt einen guten Einblick. „Geht“, sagt ein elegant gekleideter junger Mann ohne anzuhalten und eilt in Richtung Taunusanlage. Wenige Meter weiter sind zwei Männer, die auch in der Finanzbranche arbeiten, ähnlich auskunftsfreudig: „Ja, wie die Stimmung an so einem Tag eben so ist.“

          Etwas abseits der „Fressgass“ stehen zwei Männer Mitte dreißig im Restaurant „Thong Thai“ in der Schlange. Nach kurzem Zögern geben sie sich als Asset Manager zu erkennen. „Die Stimmung heute Morgen war miserabel“, sagt einer der beiden, „wir haben auf rote Bildschirme geschaut.“ Trotzdem seien die Kunden erstaunlich ruhig. „Man kann nicht sagen, dass jetzt alle verkaufen wollen, es ist keine Panik im Markt.“ Natürlich gebe es aber Nachfragen der Kunden, wie es jetzt weitergehe. Denen könne man aber nicht viel sagen: „Wir sind ja keine Mediziner und wissen nicht, wie sich die Corona-Epidemie weiterentwickelt.“

          Einige Meter hinter ihnen sitzen zwei mittelalte Männer, ebenfalls Asset Manager, an einem der hohen Tische an der Wand. Sie sind schon seit über 20 Jahren in der Branche und geben sich gelassen. „Die Nachrichten aus China sind ja bereits positiv.“ Von einem historischen Tag wollen sie nicht sprechen. Es sei klar gewesen, dass der Markt irgendwann fallen würde: „Brexit, Handelsstreit und so weiter. Corona ist nur der Auslöser.“

          Nicht die tiefere Ursache dafür

          Ein Mann, der schon seit 30 Jahren im Investmentbanking tätig ist, sieht das genauso. „Das Gute an solchen Tagen ist, dass sich die Kurse korrigieren. Wir haben ein schwaches Wachstum und der Markt war spätestens seit Oktober überhitzt.“

          An den Treppen vor dem Restaurant stehen drei junge Männer, die auch als professionelle Anleger ihr Geld verdienen. Am Morgen seien sie geschockt gewesen, auch sie können aber „keine Weltuntergangsstimmung“ unter den Kollegen erkennen. Panik am Markt aber gebe es. Daher sei ein guter Zeitpunkt, um einzusteigen, sagt einer von ihnen: „Wenn viel Irrationalität herrscht, lohnt es sich zu kaufen.“

          Einer seiner Begleiter ist sich da nicht so sicher: „Die nächsten zwei bis drei Tage könnte es noch weiter runter gehen.“ Einig sind sich alle Befragten, dass die Corona-Epidemie nicht die tiefere Ursache dafür ist, dass der Dax an diesem Morgen den größten Tagesverlust seit 18 Jahren erlitt.

          „Dann sieht es ganz anders aus“

          Im „Heidi und Paul“ isst ein Investmentbanker zu Mittag, der seit Anfang der Neunziger dabei ist. Für ihn ist die Corona-Krise nicht einmal der Auslöser des Kurssturzes. „Da hat sich doch seit Freitag nichts wirklich verändert.“ Entscheidend sei der Ölpreisverfall in Folge des Streits zwischen Russland und der OPEC gewesen. „Am Freitag war das noch nicht zu erwarten, seit Samstag dann aber schon.“

          Prognosen für die nahe Zukunft sind für ihn reine Kaffeesatzleserei. „Wenn demnächst ein Medikament gefunden wird, das gegen den Corona-Virus hilft, könnte es wieder stark nach oben gehen. Wenn wir hier demnächst 100.000 Infizierte haben, sieht es ganz anders aus.“

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