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Schwarzbuch Börse - Aktien : Großaktionäre als Gutsherren

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„Angeschlichen” Bild: ddp

Das rücksichtslose verhalten von Großaktionären und solchen, die es werden möchten, gab der SdK 2008 viel Gelegenheit, Anstoß zu nehmen - ob sie nun so bekannt sind wie Schaeffler oder eher abseits der Schlagzeilen aktiv sind.

          Beispiele von Fehlverhalten gab es unter börsennotierten Aktiengesellschaften auch in Zeiten der Finanzkrise ausreichend. Sorgen macht der SdK dabei vor allem neue Sitten am Aktienmarkt, wie sie in den Fällen VW/Porsche (vgl. VW zeigt die Risiken von Leerverkäufern) und Conti/Schaeffler (vgl. Machtkampf bei Conti eskaliert) an den Tag traten.

          Gerade der letztere Fall liegt den Aktionärsschützern im Magen, nennt Schaefflers Taktik „Anschleichen durch die Hintertür“. der Investor habe ähnlich wie Porsche Auslegungsspielräume im Wertpapierhandelsgesetz ausgenutzt, um in aller Stille und ohne Abgabe eines Pflichtangebots eine Mehrheit an Continental zu erwerben.

          Aktionärsrechte mit Füßen getreten

          Die Verlierer in diesem Spiel sind nach Meinung der SdK in erster Linie die Aktionäre, deren Recht, zu erfahren, was andere mit ihrem Unternehmen vorhaben, mit Füßen getreten werde. Aktionäre, die in Unkenntnis der Kaufabsicht ihre Anteile abgestoßen hätten, stünden ohne vernünftigen Grund schlechter da als diejenigen, die erst später verkaufen. Die Bundesregierung sei gefordert zum Schutz des Finanzplatzes das Regelwerk zu verbessern - so wie es in anderen Ländern bereits der Fall sei.

          Das Verhalten von Großaktionären bringt die Anlegerschützer auch in zahlreichen anderen, weniger spektakulären Fällen in Rage. 14mal rügt die SdK deren Vorgehen. So äußert man den Verdacht, dass Eurofins die Tochter Genescan ausplündert, nachdem sich die Franzosen mittlerweile mehr als die Hälfte der Bilanzsumme des Freiburger Unternehmens zu gerade einmal 3 Prozent Zinsen ausgeliehen hat.

          Vater, Tochter und die rechte Hand

          Als eine „Schweinerei“ sieht die SdK die Vorgänge bei Möbel Walther an. Dort war im Jahre 2007 ein Squeeze-out beschlossen worden, nachdem die AG kurz zuvor ihre Möbelhäuser an den Hauptaktionär Kurt Krieger verkauft hatte. Die Aktionäre hatten indes erreicht, dass hierüber eine Sonderprüfung anberaumt wurde. Das war möglich gewesen, weil sich diese gegen Krieger richtete und dieser darüber nicht abstimmen durfte.

          Doch auf der Hauptversammlung 2008 beantragte plötzlich ein Rechtsanwalt namens Gunnar George in fremdem Namen eine Aufhebung des Sonderprüfungsbeschlusses. George gilt aber als rechte Hand von Krieger und ist Geschäftsführer der Möbel Kraft Gruppe, die Krieger gehört. Und er vertrat Kriegers Tochter Sonja, die ihrem Vater kurz vor der HV eine Aktienmehrheit abgekauft hatte. Mit den Stimmen von Sonja Krieger wurde die Aufhebung der Sonderprüfung beschlossen, Anfechtungsklagen laufen.

          Die SdK hofft nun darauf, dass der Beschluss aufgrund der Stimmrechtsübertragung auf die eigene Tochter einen Rechtsmissbrauch darstellt und so angefochten werden kann.

          Das unbekannte Paket

          Ungewöhnlich waren wohl die Vorgänge um Paketeria dar, der neuesten Gründung von Andy Rösch, der einst am Neuen Markt mit der „Spritze ohne Nadel“ Schiffbruch erlitt, als er damals den Medizinmarkt aufrollen wollte.

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