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Trübe Konjunkturerwartungen : Schlechte Stimmung an der Börse

  • Aktualisiert am

Bild: Reuters

Schwache Konjunkturerwartungen belasten am Dienstag die Aktienkurse in Deutschland. Die Notierungen vieler Einzelaktien fallen nach mehr oder weniger enttäuschenden Ergebnisse stark.

          Überraschend schwache Wirtschaftsdaten belasten am Dienstag die Kurse am deutschen Aktienmarkt. Die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten haben sich im August abermals stark verschlechtert. Der Indikator des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) fiel den vierten Monat in Folge auf den tiefsten Stand seit Dezember 2011. Die Umfragewerte unterboten die Prognosen deutlich.

          Der den deutschen Aktienmarkt in seiner Breite abbildende F.A.Z.-Index fällt um 0,8 Prozent auf 2136 Punkte und da mit auf ein Sechs-Monats-Tief. Der Standardwerteindex Dax sinkt auf 11.594 Zähler, hat damit aktuell aber den Tiefstand vom vorigen Dienstag nicht unterboten.

          Der wirtschaftliche Ausblick für Deutschland habe sich jäh verschlechtert, meint Neil Wilson, Marktanalyst bei Markets.com, Das vermehre die Sorgen um die Weltwirtschaft. Der ZEW_Index sei mit minus 44,1 nicht mehr so weit weg von seinem Allzeittief von minus 55,2 zum Höhepunkt der Eurokrise. Hinzu kämen neuerliche Unruhen am Flughafen Hongkong, der abermals sämtliche Abflüge strich.

          F.A.Z.-Index

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          Gefragt ist alles, was als einigermaßen krisensicher gilt. Die zehnjährige Bundesanleihe erreicht bei minus 0,6 Prozent ein neues Renditetief. Der Goldpreis klettert auf 1526 Dollar und damit auf ein neues Sechs-Jahres-Hoch. Derzeit gebe es keinen großen Widerstand in Richtung der Hochs aus der Zeit der Eurokrise, meint Wilson.Indes könne die Rally ein wenig übertrieben sein. Der Yen steuert bei 105,5 Yen für den Dollar auf ein Drei-Jahres-Hoch zu.

          Schlechte Nachrichten seien angesichts der abermaligen Zuspitzung im transpazifischen Handelskonflikt zu erwarten gewesen, sagt Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW. Die Einschätzung der Finanzmarktexperten sei jedoch noch düsterer gewesen als sämtliche von Bloomberg befragten Volkswirte vorab geschätzt hatten. Burkert wertete den ZEW-Index als "deutliches Rezessionswarnsignal für die deutsche Wirtschaft".

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          Die Kurse zahlreicher Einzelaktien stehen deutlich unter Druck. Allen voran verlieren Volatabox und Paragon nach einer Prognosesenkung jeweils mehr als 50 und knapp 40 Prozent an Wert. Der Aktienkurs des einst unter dem Namen Xing firmierenden Karrierenetzwerks New Work fällt nach der Vorlage von Geschäftszahlen zum zweiten Quartal um mehr als 15 Prozent ein. Dabei stiegen Umsatz und Gewinn um rund 18 Prozent und damit im Großen und Ganzen wie erwartet. Laut Warburg Research dürfte das Erreichen der Jahresziele nun schwieriger geworden sein.

          Die Notierung des Online-Möbelhändlers Westwing rutscht um mehr als 12 Prozent ab. Der Umsatz fiel im zweiten um ein Prozent, zudem rutschte das Unternehmen auch auf bereinigter Basis  in die roten Zahlen. Westwing-Gründer und -Vorstandschef Stefan Smalla räumte ein, dass die aktuellen Zahlen nicht die Ambitionen des Unternehmens für das Gesamtjahr widerspiegelten. Man glaube aber, die Talsohle durchschritten zu haben. Der Online-Möbelhändler hatte im Mai seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr gesenkt. Für die Anleger war der Börsengang ein Flop. Ausgehend vom Emissionspreis in Höhe von 26 Euro ging es um 80 Prozent auf zuletzt 5,075 Euro nach unten.

          CECONOMY ST

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          Mehr als 10 Prozent verlieren auch Ceconomy, die Muttergesellschaft der Elektronikhändler Media Markt und Saturn. Trotz großangelegter Rabattaktionen stagnierte der Umsatz des Elektronikhändlers im dritten Quartal (per Ende Juni) bei 4,6 Milliarden Euro. Sogar das Online-Geschäft wuchs kaum noch. Der Betriebsverlust fiel mit 126 Millionen Euro gut vier Mal so hoch aus wie im Vorjahr. Einen großen Anteil daran hatten die Kosten für das laufende Sparprogramm. Doch auch bereinigt um dessen Kosten stieg der operative Verlust von 30 Millionen auf 45 Millionen Euro und verfehlte damit Analystenerwartungen.

          Die jüngste, volatile Erholung des Aktienkurses von Henkel ist am Dienstag mit einem Kursverlust von mehr als 7 Prozent erst einmal vorüber. Der Konsumgüterkonzern hat die Prognosen für das laufende Geschäftsjahr gesenkt, nachdem die erhoffte Besserung im zweiten Quartal ausgeblieben ist. Thyssenkrupp fallen um 3 Prozent auf ein seit mehr als 16 Jahren nicht mehr gesehenes Niveau.

          Auf der Sonnenseite stehen dagegen Hellofresh. Der Versender von Kochboxen zeigte sich nach dem zweiten Quartal zuversichtlicher für das Gesamtjahr. Der Kurs steigt um 9 Prozent auf den höchsten Stand seit November 2018. Die Notierung des Autositzherstellers Grammer legt um 6,5 Prozent zu. Grammer hat trotz der Konjunkturschwäche im ersten Halbjahr fast ein Fünftel mehr verdient. Positiv sei auch, dass seit Anfang August endlich ein neuer Chef und ein neuer Finanzchef ihre Arbeit aufgenommen hätten, schrieb Christian Ludwig vom Bankhaus Lampe.

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