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Schwache Erträge : GLS Bank will 5 Euro im Monat Zusatzgebühr verlangen

  • Aktualisiert am

Die GLS Bank ist die größte Nachhaltigskeits-Bank in Deutschland. Bild: dpa

Die niedrigen Zinsen offenbaren, welche Banken ein besonders wackeliges Geschäftsmodell haben. Ein Ökonom sagt, wieso sie aber keine Strafgebühren von Privatkunden erheben werden.

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          Der Schritt ist ein Novum und zeigt, wie sehr die Banken infolge der Minizinsen unter Druck stehen: Die größte deutsche Nachhaltigkeitsbank, die GLS Bank aus Bochum, will vom 1. Januar an von allen Kunden einen monatlichen Betrag von 5 Euro verlangen - zusätzlich zu den ebenfalls steigenden Kontoführungsgebühren.

          Vorstandssprecher Thomas Jorberg begründet den neuartigen „GLS Beitrag“ damit, dass die Genossenschaftsbank unter der sinkenden Zinsspanne im Kreditgeschäft leide. Verschärfend kämen der regulatorische Mehraufwand und ein stärkerer Wettbewerb durch die Digitalisierung hinzu. „Wir müssen die Kosten künftig stärker auf alle Kunden umlegen“, sagt Jorberg.

          Auch andere Banken schließen Strafzinsen für die Guthaben von Privatkunden bislang kategorisch aus. Allenfalls großen institutionellen Kunden werden negative Zinsen abverlangt.

          Immer mehr Banken denken indes über höhere Gebühren nach und offenbaren damit die aus den niedrigen Zinsen folgenden Herausforderungen für die Kreditwirtschaft und die Furcht vor schrumpfenden Erträgen. „Mit dem klassischen Einlagengeschäft wird sich in Zukunft immer weniger Geld verdienen lassen“, stellt der GLS-Vorstandssprecher fest.

          Wettbewerb durch ausländische Banken droht

          Das Vorhaben mache die wirtschaftlichen Zwänge im Bankwesen mehr als deutlich, sagt Hans-Peter Burghof vom Lehrstuhl für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen der Universität Hohenheim. „Alle Banken müssen versuchen, irgendwie an Einnahmen zu kommen, um den negativen Ertragseffekten der Niedrigzinsphase und der teuren Regulierung zu begegnen.“

          Das gesamte Preisgefüge gerate derzeit ins Rutschen. Ob durch Gebührenerhöhungen oder ein Nischenmodell wie bei der GLS - die Banken subventionierten auf diese Weise die Einlagen auf Giro- oder Tagesgeldkonten, die angesichts des Umfelds eigentlich mit einem negativen Zins belegt werden müssten.

          Der Frankfurter Ökonom Andreas Hackethal vom House of Finance der Goethe-Universität sieht die deutschen Banken in einem Dilemma. Würden sie sich untereinander solidarisieren und die Quersubventionen einstellen, wären seiner Ansicht nach flächendeckend negative Zinsen die Folge. „Das zöge freilich den Markteintritt internationaler Wettbewerber nach sich, die mit Nullzinsen günstiger als heute Kundenakquise betreiben könnten.“

          Zusätzlich zu der Einführung des Monatsbeitrags dreht die GLS Bank an der Gebührenschraube. Vom 1. November an steigt die monatliche Grundgebühr für ein Girokonto von 2 Euro auf 3,80 Euro. Für die geplanten Maßnahmen hofft Jorberg auf das Verständnis seiner Kundschaft. Im ersten Halbjahr verzeichnete das Institut einen Anstieg der Kundenzahl um 4,4 Prozent auf 201.000.

          Der geplante „GLS Beitrag“ wird der seit diesem Freitag tagenden Generalversammlung vorgestellt und soll im November mittels einer Satzungsänderung beschlossen werden. Mit einer um 15 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro gestiegenen Bilanzsumme sieht sich die GLS Bank auf Platz 25 im Genossenschaftssektor. Im Zuge eines steigenden Geschäftsvolumens legten der Zins- und der Provisionsüberschuss im vergangenen Jahr zu. Wegen einer höheren Risikovorsorge sank der Bilanzgewinn jedoch von 5,7 auf 5,1 Millionen Euro. Die Ausschüttung an die Genossenschaftsmitglieder wurde von 3 auf 2 Prozent reduziert.

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