https://www.faz.net/-gv6-6y2ks

Schuldenschnitt : Entscheid über formalen Bankrott Griechenlands

  • -Aktualisiert am

Das zweite Hilfspaket ist im Grundsatz beschlossen, doch die alles entscheidende Frage bleibt: Kann die griechische Wirtschaft auch ohne Währungsabwertung wettbewerbsfähig werden? Bild: dapd

Heute entscheidet der Derivatehändlerverband ISDA darüber, ob Griechenland formal Pleite ist. Wenn ja, werden die Kreditabsicherungen auf Anleihen des Landes fällig.

          Mit Spannung werden vor allem deutsche Banken darauf warten, ob der für die Definition einer „Pleite“ zuständige globale Händlerverband an diesem Donnerstag das formale Urteil über Griechenland verhängt. Das Europakomitee des Verbandes der International Swaps and Derivatives Association (ISDA) entscheidet darüber, ob die für Privatinvestoren verlustreiche Umstrukturierung der griechischen Staatsanleihen und die bevorzugte Behandlung der EZB einem Kreditereignis gleichkommen. Lautet die Antwort ja, so würden die CDS-Kontrakte fällig. Dies sind Verträge, die Marktteilnehmer wie Banken untereinander abschließen, um sich gegen Zahlungsausfälle von Gläubigern - wie dem griechischen Staat - abzusichern. Es sind vor allem deutsche Banken, die netto die meisten und höchsten potentiellen Verbindlichkeiten aus diesen Versicherungen haben. Über den Fall entscheidet eine Gruppe der größten Investmentbanken und Fondsmanager der Welt, da sie am Markt für CDS am stärksten tätig sind. Das Stimmverhalten der Institute wird veröffentlicht.

          Nach den im September 2011 verfügbaren Daten der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) hat zwar die Unicredit mit netto 299 Millionen Euro netto die potentiell höchste Zahlungsverpflichtung aus CDS-Kontrakten. Es folgen an deutschen Banken aber die DZ Bank mit netto 170 Millionen Euro, die Deutsche Bank mit 96 Millionen Euro, die Norddeutsche Landesbank mit 92 Millionen Euro, die West LB mit 77 Millionen Euro und die Deka Bank mit 10 Millionen Euro. Reichlich eingedeckt hat sich die Royal Bank of Scotland (RBS) mit Nettoforderungen aus CDS-Kontrakten von 222 Millionen Euro.

          Griechenland-CDS

          Keine Katastrophe für die Banken

          Sollten die CDS-Kontrakte fällig werden, bedeutet dies jedoch keine Katastrophe für die Banken. Der Wert, den griechische Anleihen derzeit am Markt noch erlösen, liegt bei 25 Cents je Euro, der Verlust also bei 75 Prozent. Aus den Kontrakten müssten also 75 Prozent an die Gläubiger gezahlt werden. Allerdings werden CDS-Kontrakte ununterbrochen mit ihrem Marktwert angesetzt und etwaige Verluste und Gewinne aus den täglichen Preisschwankungen sofort verrechnet. Da der Markt seit langem die Zahlung aus den CDS-Kontrakten einberechnet hat und griechische Anleihen seit langer Zeit am Markt kaum noch etwas wert sind, würden aus den CDS-Kontrakten nur noch marginale Restzahlungen fällig werden.

          Unterdessen fordert die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, dass alle privaten Kleinanleger in Europa gleich behandelt werden sollen. „Obwohl viele betroffene Privatanleger bereits Post von ihren Banken mit einem Umtauschangebot in neue Anleihen bekommen haben, ist die rechtliche Situation immer noch nicht geklärt“, kritisiert Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der DSW. Die griechische Regierung plane offenbar, Privatanleger für die Verluste aus dem Schuldenschnitt zu entschädigen. Tüngler fordert, dass die griechische Regierung eine solche Regelung für alle betroffenen Kleinanleger einführen solle. „Eine Möglichkeit wäre, wenn sie die von ihnen gezahlten Einstandskurse erhalten würden.“ Tüngler sagt, nicht alle Anleger wollten sich am Umtausch beteiligen, denn sie würden nichts verlieren, wenn sie abwarteten.

          Der nächste Zahlungstermin für griechische Anleihen ist am 20. März. Sollte Griechenland seine Zahlung nicht leisten, würde sieben Tage später automatisch ein Kreditereignis ausgelöst mit Fälligkeit der CDS-Kontrakte. Die DSW würde dann eine Klage prüfen, teilte die Vereinigung mit.

          Weitere Themen

          Euroboden zum dritten

          Hochzinsanleihen : Euroboden zum dritten

          Der im gehobenen Wohnsegment aktive Projektentwickler und Bauträger Euroboden kommt am Montag mit einer neuen Anleihe auf den Markt. Allem Anschein nach ist die Nachfrage gut.

          Topmeldungen

          Benjamin Netanjahu, Ministerpräsident von Israel, winkt nach der Wahl seinen Anhängern.

          Wahl in Israel : Netanjahus Zukunft ungewiss

          Ausweg große Koalition? Zum zweiten Mal binnen fünf Monaten haben die Israelis ein neues Parlament gewählt. Ergebnis ist ein Nahezu-Patt zwischen Benjamin Netanjahu und seinem Herausforderer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.