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Schneeballsystem : Ponzi - der Vater der Schneeballsysteme

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Charles Ponzi versprach Gewinne mit Rückportoscheinen Bild: AP

Charles Ponzi ist auf zweifelhafte Weise berühmt geworden. Nach ihm sind Schneeball-Systeme benannt, bei denen die Auszahlungen an die Altaktionäre aus den Mittelzuflüssen der Neuaktionäre bezahlt werden.

          Nur wenigen Menschen wird die zweifelhafte Ehre zuteil, daß man ganze Systeme nach ihnen benennt. Charles Ponzi ist einer von ihnen. Nach ihm sind die berüchtigten Schneeball-Systeme benannt, bei denen die Auszahlungen an die Altaktionäre aus den Mittelzuflüssen der Neuaktionäre bezahlt werden. Ponzi, der 1903 in die Vereinigten Staaten eingewandert war und einige Gefängnisse besuchte, wollte nur eines: Rasch ohne Arbeit reich werden. Das einzige, was ihm zu seiner Betrugsabsicht fehlte, war eine plausible Geschichte. Er fand sie in den Rückporto-Bezugsscheinen.

          Seit dem Jahr 1906 gab es ein internationales System von Rückportoscheinen: Gegen den Preis von 28 Centimes wurden Bezugsscheine verkauft, die der Käufer im Ausland gegen Briefmarken im Wert von 25 Centimes in der jeweiligen Landeswährung umtauschen konnte. Auf diesem Weg sollte die Bezahlung des Rückportos aus einem fremden Land erleichtert werden. Ponzi behauptete, daß aufgrund der Wechselkursveränderungen nach dem ersten Weltkrieg eine Arbitrage mit diesen Bezugsscheinen möglich sei: Mit der gleichen Summe amerikanischen Geldes könne man in Bulgarien mehr Kupons kaufen als in Amerika, so daß man einen Gewinn machen könne, wenn man Dollars nach Bulgarien bringe, dort umtausche, Bezugsscheine kaufe, diese nach Amerika bringe und dort wieder in Dollars umtausche.

          „Gewinnmaschine“ als Betriebsgeheimis

          Ponzi eröffnete ein Büro und versprach seinen Anlegern, ihnen innerhalb von 45 Tagen 50 Prozent Rendite zu erwirtschaften. Die ersten Investoren kamen, zahlten - und gewannen. Rund 200.000 Dollar flossen zu Spitzenzeiten in Ponzis Taschen - täglich. Doch das System hatte einen Haken: Der absolute Betrag des Gewinnes an einer Briefmarke wäre so klein gewesen, daß man unglaubliche Mengen von Kupons hätte umsetzen müssen, um die von Ponzi versprochenen Millionen-Dollar-Profite zu machen. Hinzu kommt, daß es Unsummen verschlungen hätte, diese Kupons zu kaufen, zu verschiffen und umzutauschen. Wie er dieses Kunststück bewerkstellige, sei sein Geheimnis, pflegte er die Sorgen der Investoren zu zerstreuen.

          Doch es kam wie es kommen mußte: Die Zweifel der Investoren wuchsen, es gab erste Abzüge, und dann beging Ponzi einen Fehler. Er ließ sich von den Behörden überreden, vorläufig keine Gelder mehr anzunehmen, bis ein behördlich bestellter Gutachter die Seriosität seines Geschäfts testiert hätte. Damit drehte er seinem System selbst die Luft ab. Was dann folgte, waren die üblichen Szenen, wie man sie immer beobachten kann, wenn alle Anleger zum gleichen Zeitpunkt durch die gleiche Tür hinauswollen: Aufläufe und Tumulte vor Ponzis Büros, wütende geprellte Anleger und mehr als zehn Jahre Gefängnis für den Namensgeber der Ponzi-Spiele. Anschließend wurde Ponzi abgeschoben. Das letzte Bild zeigt ihn vor seinem Tod in einem brasilianischen Hospital - mit einem breiten Lächeln.

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