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Deutsche Bank : Ausverkauf der Deutschen Bank-Aktie

John Cryan, der Vorstandschef der Deutschen Bank, mutet seinen Aktionären vieles zu. Bild: dpa

Seit Jahresanfang hat der Titel ein Drittel an Wert verloren. Der Kurs fällt nun sogar auf ein Allzeittief. Die Anleger flüchten auch aus anderen Bankaktien.

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          Die Anleger meiden derzeit Bankaktien. Aber keinen Wert trifft es so hart wie den Anteilsschein der Deutschen Bank. Deren Aktie verlor am Mittwoch noch einmal mehr als 6 Prozent an Wert und fiel erstmals seit dem Jahr 2009 unter die Marke von 15 Euro. Der europäische Stoxx-Bankenindex hat in diesem Jahr schon 22 Prozent verloren, die Aktie der Deutschen Bank sogar fast 35 Prozent. Sie ist der schlechteste Dax-Wert. Danach kommt die Commerzbank, deren Kurs in den gut vier Wochen seit Jahresanfang um fast 28 Prozent gefallen ist. Unter den europäischen Großbanken gibt es nur einen Titel, der in diesem Zeitraum schlechter abschneidet als Deutschlands größte Bank. Das ist die Aktie der Unicredit, der italienischen Muttergesellschaft der Hypo-Vereinsbank, mit einem Minus von 38 Prozent.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch das Misstrauen der Anleger gegenüber der Deutschen Bank ist besonders groß. Dazu hat auch der neue Ko-Vorstandsvorsitzende John Cryan beigetragen, als er den Zustand der Bank schonungslos offen beschrieben hat, aber nicht in der Lage war, Zuversicht zu verbreiten. Wie die Deutsche Bank in Zukunft Geld verdienen will und was sie gegenüber anderen Wettbewerbern stark macht, sind Fragen, deren Antworten den Markt noch nicht erreicht haben.

          Rechtsstreitigkeiten belasten die Deutsche Bank

          Noch mehr Unbehagen bereitet den Anlegern die Kapitalausstattung. Die Analysten der Credit Suisse betrachten die Aussichten für das Eigenkapital, auf deren ausreichende Höhe die Aufseher besonders achten, als herausfordernd. Sie sehen in ihrer aktuellen Einschätzung wenig Spielraum, um externe Schocks abzufedern. Dazu zählen sie unerwartet hohe Strafen in Rechtsstreitigkeiten oder neue aufsichtsrechtliche Vorgaben. Auch der Analyst Amit Goel von der französischen Investmentbank Exane BNP Paribas hält in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie eine weitere Kapitalerhöhung für immer wahrscheinlicher. Die will Cryan aber bislang vermeiden.

          Die Deutsche Bank hat zwar für Rechtsstreitigkeiten 5,5 Milliarden Euro zurückgestellt, aber sie erwartet einen weiteren Rechtsaufwand im laufenden Jahr. Schwer abzuschätzen ist die Strafe in der Geldwäscheaffäre der Moskauer Niederlassung. Denn amerikanische und britische Aufseher ermitteln wegen möglicher Sanktionsverstöße. Aber dafür gibt es keine Referenzfälle, so dass die dafür gebildeten Rückstellungen nicht ausreichen könnten.

          Diese Sorgen belasten auch die Nachranganleihen, die im Notfall in Eigenkapital gewandelt werden können. Ein solcher Notfall wäre das Unterschreiten von Kapitalvorgaben. Darüber entscheiden auch die Aufsichtsbehörden. Entsprechende Titel der Deutschen Bank notieren gegenwärtig etwas über 80 Prozent des Nominalwertes (100 Prozent). Bei Wettbewerbern pendeln die Kurse um die Marke von 100 Prozent.

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