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Scherbaums Börse : Was Anleger in der Krise wissen müssen

  • -Aktualisiert am

Der Streamingdienst Netflix verzeichnet höhere Nachfrage Bild: Reuters

Die Infektionen weltweit steigen und die Konjunkturdaten sind verheerend. Für Anleger kommt es jetzt besonders darauf an, langfristig zu denken und zu handeln. Denn es gibt auch Branchen, die vom Ausnahmezustand profitieren.

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          Welche Unternehmen werden am Ende der Corona-Krise zu den Profiteuren gehören? Diese Frage erörtern seit Wochen viele Marktexperten. Sind es die Pharmakonzerne, Online-Händler oder die großen Tech-Konzerne aus Amerika? Heute können wir wohl nur eines gewiss sagen: Die Welt wird nach dieser Pandemie nicht mehr die gleiche sein. Veränderungen in der Arbeits- und Freizeitwelt werden unseren Alltag neu gestalten.

          Die Corona-Krise zeigt uns schon mitten in ihrem Verlauf Veränderungen auf. Ich selbst bin bereits seit Anfang März fast zu 100 Prozent im Home Office, nur selten in meinem Redaktionsbüro. Es geht gut, Anrufe werden umgeleitet, Konferenzen und Interviews per Video-Chat geführt. Gewiss, das persönliche bleibt auf der Strecke. Der Espresso in der Büroküche, der Austausch mit den Kollegen. Dennoch ist es eine Riesenveränderung, die wir in vielen Ländern rund um den Globus derzeit erleben. Viele Unternehmen sahen es bisher nicht als notwendig an, Home-Office-Modelle anzubieten.

          Digitalisierung beschleunigt sich

          Je länger die Zeit der Einschränkung durch das Coronavirus dauert, desto besser und spezifischer werden in der Zukunft die Kommunikations- und Kollaborations-Software-Infrastruktur werden. So gesehen bietet diese schreckliche Pandemie auch große Chancen. So sieht es zumindest Nina Lagron, Marktexpertin und Fondsmanagerin bei La Française.

          Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg.
          Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg. : Bild: Archiv

          Lagron geht davon aus, dass die bedeutendsten langfristigen Auswirkungen im Technologiesektor zu spüren sein werden, da Digitalisierung in der Welt nach Corona eine wichtige Rolle spielen wird: „Wir glauben, dass Hyperscaler, Anbieter von Rechenzentren sowie von Software für Kommunikationsinfrastrukturen, Cybersicherheit, digitale Spiele und andere Streaming-Unternehmen, Online-Unterricht und Spieleanbieter, die sich von draußen nach drinnen in die digitale oder virtuelle Welt verlagern, die Hauptprofiteure der gegenwärtigen Beschränkungen sind.“

          Die Begründung, die sie liefert, ist einfach und nachvollziehbar. Es werde noch länger brauchen, bis die Arbeitswelt wieder im Normalzustand sein wird. „Die Mitarbeiter der Unternehmen werden noch viele Monate extern arbeiten müssen.

          Sobald sich dieser Modus Operandi in der Krisenzeit als widerstandsfähig erwiesen hat, könnten Unternehmen es ihren Mitarbeitern als grundsätzliche Option anbieten räumlich flexibel zu arbeiten.“ Softwareunternehmen, die eine Zusammenarbeit ermöglichen, werden ein erhebliches Wachstum verzeichnen, das langfristig anhalten dürfte, so Lagron weiter.

          Neue Formen des Arbeitens

          Das Home-Office könnte die neue Norm des modernen Arbeitens werden und entsprechend  die Nachfrage nach Cloud Space erhöhen, von der sowohl die Hyperscaler (Systeme, welche im Rahmen des Cloud Computing oder auch im Bereich Big Data entstehen) als auch die Anbieter von Rechenzentren profitieren sollten. In der Folge wird das Thema Cybersicherheit noch wichtiger werden.

          Spannend dürfte auch der Unterhaltungssektor in der Zukunft sein. Die Umstellung auf digitale Anwendungen wird beschleunigt: „Downloads von Büchern, Podcasts, der Hörbuchmarkt und natürlich das Streaming von Filmen erhalten massiven Rückenwind. Wir gehen davon aus, dass ein erheblicher Anteil der neuen Abonnements von Streaming-Diensten nach der Krise nicht mehr gekündigt wird, da Bequemlichkeit und Benutzerfreundlichkeit überwiegen“, ergänzt die Fondsmanagerin.

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