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Scherbaums Börse : Die BASF ist wieder auf Kurs

  • -Aktualisiert am

Neue Acetylen-Anlage im BASF-Werk Ludwigshafen Bild: obs

Der Frühzykliker BASF wurde zuletzt immer optimistischer. Der Chemiekonzern profitiert dabei von zahlreichen Megatrends und seiner globalen Aufstellung. Gründe, sich die Aktie einmal genauer anzusehen.

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          In seiner mehr als 150-jährigen Firmengeschichte hat die BASF so einige weltweite Krisen gesehen. Der 1865 als Badische Anilin- & Sodafabrik gegründete Chemiekonzern hat diese aber in vielen Fällen in beeindruckender Weise weggesteckt und ist teilweise gestärkt aus ihnen hervorgegangen. In den jüngsten Geschäftszahlen des Dax-Konzerns zeigt sich nun auch, wie schnell BASF die weltweite Corona-Pandemie hinter sich lässt.

          Im zweiten Quartal 2021 setzte sich ein Trend fort, der bereits zum Jahresende 2020 zu beobachten war. Als Chemiekonzern und Grundstoffhersteller gehört BASF zu den sogenannten Frühzyklikern. Das sind Unternehmen, die in besonderer Weise von der frühen Phase in einem Konjunkturzyklus profitieren – so wie es im Augenblick der Fall ist. Denn die Weltwirtschaft hat sich zu Anfang des Jahres stärker von der Corona-bedingten Konjunkturdelle erholt als erwartet.

          Starker Jahresauftakt

          Das spiegelt sich auch in den jüngsten vorläufigen Eckzahlen des traditionsreichen Dax-Konzerns wider. Nach einem starken Jahresauftakt folgte für BASF nun auch ein starkes Juni-Quartal. Die konzernweiten Umsatzerlöse lagen bei 19,75 Milliarden Euro – ein Zuwachs in Höhe von 55,8 Prozent gegenüber dem durch Corona gekennzeichneten Vorjahreszeitraum.

          Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg.
          Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg. : Bild: Privat

          Dabei profitierte BASF von höheren Preisen und Absatzmengen. Währungseffekte wirkten sich jedoch negativ aus. Insgesamt wurden die durchschnittlichen Erwartungen der Analysten an die Erlöse von 17,16 Milliarden Euro aber deutlich geschlagen. Dies war ebenso auf der Ergebnisseite zu beobachten. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern (EBIT) und vor Sondereinflüssen wurde von lediglich 226 Millionen Euro im Vorjahr auf nun 2,36 Milliarden Euro gesteigert. Auch in diesem Fall wurden die Markterwartungen übertroffen.

          Rekordumsatz in Sichweite

          Die positive Entwicklung dürfte laut der Konzernführung weitergehen, entsprechend hat man jüngst zum zweiten Mal höhere Jahresziele ausgerufen: Die Umsatzprognose wurde von 68 bis 71 Milliarden Euro auf 74 und 77 Milliarden Euro erhöht, während die Zielspanne für das EBIT vor Sondereinflüssen von 5,0 bis 5,8 Milliarden Euro auf 7,0 bis 7,5 Milliarden Euro angehoben wurde. Mit der Prognoseerhöhung peilt BASF nicht nur eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorkrisenniveau an, sondern könnte am Ende sogar den höchsten Umsatz in der Firmengeschichte verbuchen.

          Mittel- bis langfristig möchte BASF seinen Gewinn auch mithilfe einer noch stärkeren Konzentration auf den asiatischen Markt (vor allem China) und mit Megatrends wie Batterieproduktion sicherstellen. Das BASF-Management geht davon aus, dass der Anteil Chinas am weltweiten Chemiemarkt von derzeit etwa über 40 Prozent bis 2030 auf knapp 50 Prozent steigen wird.

          Maue Kursentwicklung - aber starke Dividende

          BASF-Aktionäre dürften die aktuelle Entwicklung mit Freude sehen, denn sie haben in den vergangenen Jahren mit der Aktie des Konzerns nur bedingt Rendite machen können. Während zwar BASF unverändert zu den dividendenstarken Titeln gehört und (auf Basis des 2020er-Schlusskurses von 64,72 Euro) aktuell eine Dividendenrendite von 5,1 Prozent bietet, ist die Aktienkursentwicklung recht enttäuschend gewesen – wenngleich sich inzwischen immer mehr abzeichnet, dass der Dax-Titel vielleicht schon in Kürze an seine alten Glanzzeiten anknüpfen könnte.

          Denn nachdem die Papiere zwischen Januar 2018 (Rekordhoch bei 98,80 Euro) und März 2020 in der Spitze um 62 Prozent auf 37,40 Euro einbrachen, konnte sich der Kurs bis Mitte Juli dieses Jahres zeitweise zurück bis knapp über die 67er-Marke zurück nach oben arbeiten.

          BASF

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          Die BASF-Aktie notiert damit wieder über der 200-Tage-Linie, was den übergeordneten Aufwärtstrend bedeutet. Gelingt hier als Nächstes der Ausbruch über das bisherige 2021er-Jahreshoch vom April bei 72,90 Euro und das 2019er-Top bei 74,60 Euro, wäre die Bahn charttechnisch frei bis zum 2018er-Allzeithoch bei 98,80 Euro. Auch langfristig betrachtet bestehen gute Chancen für weiter steigende Kurse.

          Wer langjähriger BASF-Aktionär ist, konnte sein Geld solide anlegen. Auf Sicht der vergangenen 30 Jahre beispielsweise legte der BASF-Kurs im Schnitt um 8 Prozent jährlich zu, womit die Aktie so gut abschnitt wie der Dax (+8 Prozent pro Jahr). Aus einer BASF-Einmalanlage von 1.000 Euro im Juli 1991 wäre so bis heute ein Depot-Positionswert von rund 10.060 Euro entstanden. Doch sollte man auch einmal fair sein, und auf die jüngste Dekade blicken: Wer vor zehn Jahren 10.000 Euro in BASF investierte, hat heute nur knapp 11.000 Euro im Depot stehen. Das heißt, die BASF-Aktie konnte in dieser Zeit kaum zulegen, während zum Beispiel sich der Dax oder der europäische Branchenindex Stoxx 600 Chemie sich mehr als verdoppelt haben.

          Gros der Analysehäuser rät zum Kauf

          Dass die Geschäfte wieder besser laufen, könnte den Kurs aber wieder anfeuern. Laut Daten von Vara Research empfehlen derzeit 52 Prozent der Analysehäuser die Aktie zu kaufen, 40 Prozent raten zu einer Halteposition und lediglich 8 Prozent empfehlen einen Verkauf der BASF-Papiere. Im Schnitt liegt das Kursziel bei 81 Euro.

          Spannend dürfte es für BASF-Aktionäre auch in Hinsicht auf die Mehrheitsbeteiligung Wintershall Dea werden. Diese steht nicht nur wegen ihrer finanziellen Beteiligung an der kritisierten Ostsee-Gas-Pipeline Nord Stream 2 im Fokus, sondern auch wegen deren geplanten Börsengang, der schon im zweiten Halbjahr 2020 geplant war. Analyst Peter Spengler von der DZ Bank schrieb jüngst, dass der Börsengang von Wintershall Dea ein positiver Impuls für den BASF-Aktienkurs sein könnte – BASF-Aktionäre würden das wohl begrüßen.

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