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Scherbaums Börse : Der nächste Zyklus, bitte!

  • -Aktualisiert am

In den vergangenen Jahren dominierten vor allem Tech-Werte das Börsengeschehen. Im Gesundheitssektor tun sich jedoch neue Chancen für Anleger auf. Bild: dpa

Die Corona-Krise schüttelt die Aktienmärkte weiter gehörig durcheinander. Die Bilanzsaison und die Ausblicke zeigen auf, dass viele Unternehmen mehr als zu kämpfen haben. Anleger sollten sich auf Neues an der Börse vorbereiten. Es gibt nicht nur Tech-Aktien.

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          Das hört sich schon bisschen martialisch an: „Die amerikanische Wirtschaft stürzt von der Klippe“. Der Satz stammt von David Lafferty, Chef-Marktexperte bei Natixis Investment Managers. Damit umschreibt er die Erwartung, dass die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten in den kommenden Monaten auf bis zu 20 Prozent steigen wird. Im Jahr 2021 könne diese Zahl zwar recht schnell wieder auf etwa 8 Prozent zurückgehen. Dennoch: „Der Schaden für den amerikanischen Arbeitsmarkt ist so immens, dass „die Zahlen kaum eine Rolle spielen“, so Lafferty weiter.

          Und trotzdem scheint an der New Yorker Börse eitel Sonnenschein zu herrschen. Zumindest wenn man sich die aktuellen Kurse anschaut. Der Glaube vieler Investoren, dass die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) die Wirtschaft vor weiteren Einbrüchen bewahren kann, scheint größer denn je zu sein, auch wenn Fed-Chef Jerome Powell am Mittwoch mit seinen Aussagen für einen Dämpfer gesorgt hatte.

          Eine Argumentation, die des Öfteren in den vergangenen Wochen zu hören war, ist diese: Am härtesten am Arbeitsmarkt getroffen seien die Aushilfsjobs, aber die könnten ja, nach dem von Präsident Donald Trump schon wieder anvisierten Ende des Lockdowns, schnell wieder aktiviert werden. „Die Kehrseite der Medaille ist, dass der Verlust von vier Millionen Vollzeitarbeitsplätzen dauerhaft sein wird,“ ergänzt hierzu jedoch Lafferty.

          Neue Chancen für Anleger

          Letztlich dürfte die Corona-Pandemie aber einen neuen Zyklus einläuten, womit sich neue Chancen für Anleger ergeben. Die Auswirkungen von Covid-19 auf die aktuellen Wirtschaftsaktivitäten sind massiv, dennoch erwarten beispielsweise die Marktexperten von J.P. Morgan AM kaum unmittelbare Folgen für das langfristige Wirtschaftswachstum.

          „Wir haben es aktuell mit einer Rezession und einem Baissemarkt zu tun, aber auch mit dem Beginn eines neuen Zyklus. Dieser wird seine eigenen Merkmale aufweisen, die zum Teil schon jetzt durch zahlreiche geld-und fiskalpolitische Maßnahmen geformt werden. Es ist aber wichtig, in dieser Situation nicht zyklische Themen mit langfristigen Herausforderungen zu vermischen“, betont Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan und bezieht sich dabei auf den langfristigen Kapitalmarktausblick der amerikanischen Großbank, nachdem er überarbeitet wurde. Der Ausblick erscheint eigentlich immer zum Jahresende – erstmals wurden nun aber die Ertragserwartungen einer unterjährigen Neubewertung unterzogen.

          Günstige Einstiegsmöglichkeiten

          Aufgrund des massiven Schocks, den Covid-19 an den Kapitalmärkten und in der gesamten Wirtschaft ausgelöst hat, hat man untersucht, wie sich die Ausschläge der Anlagepreise auf die langfristigen Ertragsaussichten und damit auf den Portfolioaufbau auswirken werden. Dabei wurde jedoch keine Änderung an den Annahmen selbst vorgenommen, sondern lediglich der Einstiegspreis der Anlageklassen vom 30. September 2019 auf den Preis vom 31. März 2020 aktualisiert.

          Ein Gewinner sind demnach weiter die Aktien. Denn aufgrund des massiven Kursrückgangs sind die erwarteten langfristigen Renditen laut der Untersuchung zwischen einem und 2,5 Prozent angestiegen. „Auch wenn die derzeitige Rezession in diesem und voraussichtlich auch im nächsten Jahr auf Unternehmensgewinne und Dividenden Auswirkungen hat, sehen wir langfristig die Trendgewinne und -margen in unserem Ausblick weitgehend stabil“, so Galler.

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