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Scheine und Münzen : Immer Ärger mit dem Euro

Nicht jeder Automat erkennt ihn: Der neue Fünf-Euro-Schein Bild: dpa

Der neue Fünf-Euro-Schein wird von vielen Automaten nicht angenommen, die kleinen Münzen stehen in Frage. Der Euro bekommt so schnell keine Ruhe.

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          Was nützt ein Schein, wenn man mit ihm nicht bezahlen kann? Diese Frage stellen sich augenblicklich viele Deutsche, die an Parkautomaten bezahlen wollen, hilflos vor Zigarettenautomaten stehen oder einen Fahrschein ziehen wollen. Der Grund: Den neuen Fünf-Euro-Schein, der seit Anfang Mai unter die Leute gebracht wird, erkennen viele Automaten nicht. Die neue Banknote hat andere Sicherheitsmerkmale - zum Beispiel eine neue Riffelung auf der Vorderseite - und ist geringfügig schwerer als die alte: Sie wiegt nun 0,71 Gramm statt 0,66 Gramm. Die Automaten sind aber auf genau 0,66 Gramm geeicht und auf die alten Sicherheitsmerkmale. Wären sie es nicht, könnte auch mit chinesischen Yuan oder moldauischen Leu bezahlt werden. Um sie auf das neue Format umzustellen, müssen die Automaten zwar nicht mechanisch umgerüstet werden. Eine neue Software ist aber bei ausnahmslos allen Automaten vonnöten.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Problemlos ging das nirgendwo vonstatten: Bei der Bahn akzeptierte die Hälfte der 7000 Automaten den neuen Schein nicht, als er am 2. Mai eingeführt wurde. Am Freitag sei der letzte Automat mit der neuem Software ausgerüstet worden, sagte ein Sprecher. Bei der Deutschen Bahn ging das schnell und einfach, da die Automaten via Internet mit der Zentrale verbunden sind. Deshalb musste kein Techniker ausrücken, um die Automaten zu aktualisieren. Das ist bei den meisten Zigarettenautomaten oder Automaten in Kantinen und Parkhäusern nicht möglich. Immer, wenn die neue Software aufgespielt wird, muss ein Techniker vor Ort da sein – was mit erheblichen Aufwand verbunden ist. Von den etwa 120.000 Zigarettenautomaten, die Scheine annehmen, kann die Hälfte die neuen Banknoten schon annehmen. Auch hier soll die Umstellung bis Ende des Monats abgeschlossen sein.

          Rehn will kleine Cent-Münzen abschaffen

          Das selbe Spiel wird es nun die nächsten Jahre immer wieder geben. Denn jedes Jahr soll ein neuer Euroschein eingeführt werden, bis alle Scheine einmal aktualisiert wurden. Das wird bis mindestens 2019 dauern. Immerhin rechnen Fachleute damit, dass man nun besser eingespielt sei und es keine wochenlangen Verzögerungen geben werde.

          In diesen Tagen ein häufiges Bild – nicht nur an Parkautomaten

          Daneben herrscht Verwirrung um Pläne, die Ein- und Zwei-Cent-Münzen abzuschaffen. Das schlug Währungskommissar Olli Rehn vor. Der Grund: Die Produktion sei sehr aufwendig, so dass die Kosten für Material, Produktion und Ausgabe höher seien als der Nennwert, schreibt die EU-Kommission. Seit der Einführung des Euro-Bargelds im Jahr 2002 belaufe sich das Minus auf insgesamt rund 1,4 Milliarden Euro. Außerdem gingen die Ein- und Zwei-Cent-Münzen häufig verloren und müssten überproportional häufig ausgegeben werden. Insgesamt wurden bisher 45,8 Milliarden der kleinen Münzen ausgegeben. Das sind pro Bewohner der Eurozone etwa 140 Stück – und mal Hand aufs Herz: Wer hat auch nur annähernd 140 von den kleinen Münzen im Portmonee? Oder anders gerechnet: Während die Münzen nur ein beziehungsweise zwei Cent wert sind, verursachen sie drei Cent Verlust je Münze.

          Menschen fürchten neuen Teuerungseffekt

          Übrigens ist Währungskommissar Olli Rehn Finne – und in dem skandinavischen Land wurden die kleinen Münzen als Zahlungsmittel gar nicht eingeführt. Rechnungen werden dann immer auf den nächst höheren Betrag aufgerundet. Später wurde das System in Belgien und den Niederlanden übernommen, da die Nachfrage zu gering sei. Die kleinen Münzen werden trotzdem klaglos angenommen.

          Die Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen ist nicht das wahrscheinlichste Szenario. Auch Rehn schlägt Alternativen vor. So rechnen Fachleute damit, dass die Herstellungskosten durch eine neue Mischung aus Eisen und Kupfer gedrückt werden sollen oder dass ein neues, effizientes Prägeverfahren zum Einsatz kommt. Denn die Kommission geht von Widerständen in der Bevölkerung aus, sollten die kleinen Münzen abgeschafft werden. Die Menschen gehen – zu Recht – von einem neuem Teuerungseffekt aus. Es ist damit zu rechnen, dass der Einzelhandel wie schon in Finnland die Preise eher auf- als abrunden wird.

          Auch kommen immer neue Forderungen nach einem Ein-Euro-Schein auf. Ökonomen gehen davon aus, dass so die Inflation gesenkt werden könnte. Viele Menschen würden Scheine seltener ausgeben als Münzen, da sie als wertvoller wahrgenommen werden. Damit wird der Wert von Produkten und Dienstleistungen zu gering eingeschätzt. Im vergangenen Jahr forderte das Europäische Parlament die Europäische Zentralbank auf, die Einführung kleiner Scheine zu überprüfen. Aber so schnell wird wohl keine Ein-Euro-Banknote kommen. Schon im November 2004 beschloss die EZB, keine solchen Banknoten auszugeben. Die Studie kam zum Ergebnis, dass ihre Einführung nicht sinnvoll wäre. Die Herstellung wäre teurer als der Nutzen.

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