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Renminbi-Handel : China öffnet Währung und Aktienhandel

„Shanghai Hong-Kong Stock Connect“ heißt das Programm, das der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang vergangenen April höchstpersönlich angekündigt hatte und mit dem beide Börsen den drittgrößten Aktienmarkt der Welt formen. Mit Hilfe des Programms können ausländische Investoren chinesische Titel künftig direkt kaufen und verkaufen.

Bisher war Hongkong der Platzhirsch, doch Schanghai soll der wichtigste Finanzdrehpunkt in Asien werden.
Bisher war Hongkong der Platzhirsch, doch Schanghai soll der wichtigste Finanzdrehpunkt in Asien werden. : Bild: F.A.Z.

Im Gegenzug erhalten chinesische Anleger Zugang zu sämtlichen in Hongkong gehandelten Papieren. Dadurch entsteht ein Aktienmarkt mit einem gemeinsamen Börsenwert von umgerechnet 4,5 Billionen Euro. Nach dieser Rechnung sind nur die amerikanischen Börsen Nyse und Nasdaq größer, die Märkte in London und im benachbarten Tokio lässt China hinter sich. Langfristig soll nach dem Willen der Regierung Schanghai erstes Finanzzentrum Chinas und ganz Asiens werden und Hongkong auf Platz zwei verdrängen.

Am ersten Handelstag strömte denn auch weitaus mehr Kapital nach Festlandchina und in die Börse Schanghai hinein als hinaus. Allerdings sind die gegenläufigen Kapitalströme keineswegs frei, sondern in der Höhe insgesamt gekappt bei 300 Milliarden Yuan täglich. Doch während internationale Anleger ihre vom Staat festgelegte tägliche Handelsgrenze am Montag schon wenige Minuten nach Handelsbeginn zur Hälfte ausgereizt hatten, blieben chinesische Anleger auf dem umgekehrten Weg weit unter der Grenze und erwarben für 1,8 Milliarden Yuan (240 Millionen Euro) Papiere an der Hongkonger Börse.

Jetzt schon ein größeres Volumen als der Schweizer Franken: Der chinesische Renminbi ist auf Erfolgskurs
Jetzt schon ein größeres Volumen als der Schweizer Franken: Der chinesische Renminbi ist auf Erfolgskurs : Bild: F.A.Z.

Das geringe Interesse der Chinesen hat auch damit zu tun, dass diese schon bisher auf nicht legalen Umwegen Aktienpakete im Ausland erworben haben. Dennoch hatten Analysten damit gerechnet, dass sich wegen der Unbekanntheit des bisher verschlossenen chinesischen Aktienmarkts eher die internationalen Investoren zurückhalten würden und nicht umgekehrt die chinesischen.

Folgerichtig nannte der Hongkonger Regierungschef Leung Chun-ying die Verbindung beider Börsen am Montag „historisch“. Börsenchef Charles Li bezeichnet sie als „Beginn einer neuen Ära“, in der künftig die Milliarden der Investoren aus aller Welt nach China gelenkt würden.

Chinesische Regierung will Signal senden

Sowohl der Hongkonger Regierungschef als auch der Börsenvorsteher hatten bis vor einer Woche nicht sagen können, wann das Stock-Connect-Programm beginnen und ob es überhaupt starten werde. Ganz offensichtlich hatte die Pekinger Regierung den eigentlich für Oktober geplanten Beginn bewusst hinausgezögert, indem sie nicht die nötigen Genehmigungen erteilte. Selbst der von Peking unterstützte Hongkonger Regierungschef Leung hatte öffentlich gesagt, der Grund dafür seien die Proteste für mehr Demokratie der Studenten auf den Straßen Hongkongs.

Die Kommunistische Partei hatte offensichtlich ein Signal senden wollen, dass nur sie in der Inselstadt das Sagen hat. Chinas Präsident und Parteichef Xi Jinping hatte vergangene Woche nach einem Treffen mit Leung Chun-ying grünes Licht für die Stock Connect gegeben und die Studentenproteste kurz darauf zum ersten Mal öffentlich als „illegal“ erklärt. Am Montag gab die Hongkonger Polizei nun bekannt, sie sei bereit, noch in dieser Woche die Studenten von den Straßen zu vertreiben.

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