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Schärfere Kontrollen : Amerikanische Versicherer sind systemrelevant

Wieder auf eigenen Füßen: Der eins systemrelevante amerikanische Versicherer AIG Bild: dpa

Die amerikanische Finanzaufsicht will drei große Versicherer als systemrelevant einstufen und stärker kontrollieren. Europäische Versicherer befürchten nun auch stärkere Kontrollen.

          3 Min.

          Die amerikanische Finanzaufsicht will drei große Finanzdienstleister schärfer kontrollieren. Betroffen sind die Versicherer American International Group (AIG) und Prudential Financial sowie GE Capital, die Finanzsparte des Konglomerats General Electric. Das für die Stabilität des Finanzsystems zuständige Gremium FSOC hat am Montag vorgeschlagen, die drei Unternehmen als „systemrelevant“ zu klassifizieren.

          Norbert Kuls
          Freier Autor in der Wirtschaft.
          Philipp Krohn
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.
          Henning Peitsmeier
          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Damit müssten sich die Institutionen regelmäßigen Belastungstests der Notenbank Fed unterwerfen und mehr Kapital als Absicherung für Risiken hinterlegen. Traditionell war die Fed nur für die Aufsicht von Banken, nicht aber für andere Finanzdienstleister zuständig. Das FSOC (Financial Stability Oversight Council) wurde durch das vor drei Jahren verabschiedete Dodd-Frank-Reformgesetz geschaffen, mit dem der amerikanische Kongress auf die Finanzkrise reagierte.

          Das Gremium soll verhindern, dass die Schieflage eines Finanzdienstleisters das gesamte Finanzsystem ins Wanken bringt. In Europa wird dieser Vorschlag aufmerksam verfolgt, weil auch hier Versicherer befürchten, als systemrelevant eingestuft zu werden. So kämen zusätzlich zu den geplanten Kapitalvorschriften Solvency II weitere Auflagen hinzu. „Versicherer sind keine Banken“, betont deshalb schon seit langem der Vorstandsvorsitzende des Rückversicherer Munich Re, Nikolaus von Bomhard.

          Eigene Bankerfahrung gesammelt

          Schon gar nicht seien sie systemrelevant.  Als Präsident des Branchenverbands Geneva Association, der die Interessen der 80 größten Versicherer vertritt, spricht Bomhard auch gern von einer Banken- statt einer Finanzkrise. Versicherer haben sich seiner Meinung nach in der Krise als „systemstabilisierend“ erwiesen. „Denn Liquiditätsengpässe machen ihnen nicht zu schaffen und in ihrem Kerngeschäft sind sie kaum untereinander vernetzt“, sagte Bomhard.

          Allianz-Kollege Michael Diekmann hat ihn stets unterstützt. Europas größter Versicherer hatte anders als die Munich Re eigene Bankerfahrungen gesammelt. Diekmanns Vorgänger Henning Schulte-Noelle wollte nach der Jahrtausendwende mit der Übernahme der Dresdner Bank einen Allfinanzkonzern schmieden, scheiterte mit diesem Vorhaben jedoch. Kurz vor dem Höhepunkt der Finanzkrise, am 31. August 2008, zog Diekmann einen Schlussstrich und verkaufte die Dresdner Bank an die Commerzbank.

          In mehreren Untersuchungen hat die Geneva Association nachzuweisen versucht, dass Versicherer nach den vier Kriterien des Financial Stability Board (FSB) nicht systemrelevant sind. Sie seien nicht so stark vernetzt wie Banken und nicht so groß, dass die Insolvenz eines Anbieters den gesamten Markt beträfe. Die Auswirkungen auf das Finanzsystem nach einem Ausfall würden nicht plötzlich sichtbar werden. Zudem seien ihre Dienstleistungen schnell ersetzbar. Nach großen Verlusten werde automatisch Kapital in den Markt gezogen.

          Endgültige Liste im Sommer

          Im Sommer will das FSB eine endgültige Liste systemrelevanter Versicherungsunternehmen vorlegen. Die AIG ist der spannende Fall in der Diskussion. Der einst weltgrößte Versicherer musste von Notenbank und Finanzministerium mit insgesamt 182 Milliarden Dollar vor dem Kollaps bewahrt werden. Der Versicherer war in Schieflage geraten, weil er mit komplexen Finanzinstrumenten die verlustträchtigen Hypothekenwetten von Banken und Fonds abgesichert hatte.

          Der Vorsitzende der Fed, Ben Bernanke, hatte AIG als spekulativen Hedgefonds bezeichnet, der an eine große und stabile Versicherungsgesellschaft angekoppelt war. Auch die Versicherer und ihre Denkfabrik Geneva Association legen Wert darauf, das Unternehmen sei nicht durch seine Versicherungsaktivitäten in Schieflage geraten. Das FSOC hat die drei Unternehmen nicht namentlich genannt, weil sie noch 30 Tage Zeit haben, Widerspruch gegen die schärferen Auflagen einzulegen.

          AIG, Prudential und GE Capital haben allerdings bekanntgegeben, dass sie das FSOC über die geplante neue Einstufung informiert hat. Prudential, der zweitgrößte amerikanische Lebensversicherer, will gegen die Entscheidung möglicherweise Einspruch einlegen. AIG hatte angekündigt, härtere Auflagen akzeptieren zu wollen.

          Das amerikanische Finanzministerium hatte sich im Dezember von seinen letzten verbliebenen Anteilen an AIG getrennt. Um die Staatshilfen zurückzuzahlen, hatte sich AIG in den vergangenen Jahren von zahlreichen Tochtergesellschaften getrennt. Zum Kerngeschäft zählen jetzt nur noch die globale Schadenversicherungssparte sowie das Lebensversicherungeschäft und die Hypothekenversicherung in den Vereinigten Staaten.

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