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Satiriker Sonneborn : „Klaut den Banken ihre Türme“

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„Man sollte ernsthaft darüber nachdenken, die Mauer wieder aufzubauen“, sagt Martin Sonneborn Bild: Illustration Jan Bazing

Weg mit Lebensversicherungen und Aktien. Ein paar hundert Wodka-Flaschen tun’s auch. Der Satiriker Martin Sonneborn gibt Anlagetipps, wagt eine Prognose zum Euro-Kurs und erklärt die Wirtschaftspolitik seiner Partei.

          Herr Sonneborn, was bedeutet Ihnen Geld?

          Geld hilft mir, tagsüber im Kaffeehaus sitzen zu können, Kaffee zu trinken, Kuchen zu essen, Zeitung zu lesen und mir dabei irgendwelchen Unsinn auszudenken. Und bei der Gelegenheit erwähne ich gerne: All mein Wissen über die deutsche Wirtschaft und die Finanzmärkte beziehe ich allein aus dem Wirtschaftsteil der F.A.Z.

          Das war ein Grund, warum wir Sie für das Interview ausgewählt haben. Der zweite ist: In der ZDF-neo-Serie „Sonneborn rettet die Welt“ haben Sie versucht, die Menschheit vor Banken in Schutz zu nehmen. Ist das denn nötig?

          Aber ja. Wissen Sie, Banken stehen in dem Ruf, viel Geld zu haben. Und was machen sie damit? Allein diese 150-Meter hohen Türme, die sich die Deutsche Bank in Frankfurt errichtet hat, die braucht doch kein Mensch. Letztlich benötigen wir die Banken doch nur für eine einzige Sache ... Na, überlegen Sie mal. Das muss Ihnen doch leichtfallen als Finanzredakteur.

          Um die Wirtschaft mit Krediten zu versorgen?

          Viel zu kompliziert gedacht. Die Antwortet lautet – zum Geldabheben. Darum schlage ich vor: Wir sollten Finanzhäuser auf ihren Kern reduzieren und aus ihnen Geldautomaten machen. Das Drumherum, die 150 Meter-Türme und den ganzen Firlefanz, lassen wir einfach weg. Wir pflastern Deutschland stattdessen mit Geldautomaten zu. Vielleicht stellen wir noch ’ne Bank dazu – also zum Hinsetzen meine ich jetzt. Dann das Ganze überdachen, einen Kaffeeautomaten daneben aufbauen – und fertig.

          Mitarbeiter wären überflüssig?

          Na ja, ein bisschen technisches Personal benötigt man schon noch. Aber zwei Vorstandsvorsitzende, wie sich die Deutsche Bank dies leistet, wäre übertrieben. Und das Charmante an meinem Modell ist, dass sich auf diese Weise die Diskussion um die hohen Bankerboni elegant beenden ließe: Ich würde sie einfach durch Trinkgelder ersetzen – das ist bei Taxifahrern, Friseusen und Toilettenfrauen schließlich auch so üblich. Die Chefs dürfen etwas mehr verdienen, aber auch deren Gehälter sollten wir einschränken: Das 25.000-fache Einkommen ihres Chauffeurs wäre eine angemessene Obergrenze.

          Bei welcher Bank haben Sie denn ein Konto?

          Ich habe zwei – eines war voll, da habe ich ein neues eröffnet. Kleiner Scherz, bitte um Entschuldigung. Nein, ich habe ein Girokonto bei einer Staatsbank – der Commerzbank – und bei der Postbank. Gut aufgehoben fühle ich mich da aber auch nicht, ich bin nur zu faul zum Wechseln.

          Sie wissen schon, dass die Postbank mehrheitlich der Deutschen Bank gehört, auf die Sie gerade so viel geschimpft haben?

          Jetzt, wo Sie es sagen: Ich schaue lieber gleich nach, ob mein Geld noch da ist.

          Martin Sonneborn

          Welche Summe haben Sie denn da gebunkert?

          Jedenfalls ist sie nicht so hoch, dass ich damit über dem Existenzmaximum liege – das ist eine Idee meiner Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (Die PARTEI), die viele F.A.S.-Leser interessieren dürfte. Mit einem Anteil von 0,2 Prozent der Stimmen bei der Bundestagswahl sind wir zwar noch in der Opposition. Aber nach der Wahl 2017 wollen wir an Stelle des Existenzminimums eben das Existenzmaximum durchsetzen. Es soll bei einer Million Euro liegen. Alles, was darüberliegt, wird gekappt: Da spielt es keine Rolle, ob Sie „von Thurn und Taxis“ heißen oder Bischof in Limburg sind oder einfach der reiche Schirrmacher von nebenan. Häuser, Pelze, Nerze, Gold, was auch immer – wir rechnen zusammen, kappen und verteilen dann um. Ich bin sicher: Da wird es einige interessante Verschiebungen geben.

          Das werden die Millionäre nicht einfach mit sich machen lassen...

          Millionäre werden in diesem Land einfach weniger Bedeutung haben, sobald wir an der Macht sind. Eines unserer Wahlversprechen lautete schließlich: „Wir lassen die hundert reichsten Deutschen umnieten.“ Zwei Wochen danach hat die „Bild“-Zeitung eine Ausgabe mit einer Liste der 500 reichsten Deutschen herausgebracht. Ich habe das als Bitte an uns aufgefasst aufzustocken.

          Solche Ideen haben Sie mit Sicherheit nicht aus dem Wirtschaftsteil der F.A.Z. Am Ende wollen Sie den Kapitalismus noch komplett abschaffen.

          Nein, aber ganz ehrlich: Man sollte ernsthaft darüber nachdenken, die Mauer wieder aufzubauen. Wir benötigen im Osten ein funktionsfähiges kommunistisches Schreckensregime – wieso nicht unter der Leitung von Gregor Gysi? Denn der Kapitalismus braucht zu seinem eigenen Wohl ein Korrektiv, einen Widerpart. Sonst wird er noch zügelloser.

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