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Grüne Bilanzen : Ein Reporting-Standard für die Nachhaltigkeit

Der Getränkehersteller Coca-Cola nutzt das Rahmenwerk des Sustainability Accounting Standards Board (SASB) für eine nachhaltige Berichterstattung. Bild: AFP

Eines der bekanntesten Rahmenwerke für die nachhaltige Berichterstattung kommt aus Amerika. Die Chefin des Sustainability Accounting Standards Board will die Standards setzen.

          2 Min.

          In der Welt der nachhaltigen Finanzen ist sehr vieles derzeit noch unklar: Wie genau wird Nachhaltigkeit definiert? Wie werden Unternehmen anhand von sozialen und ökologischen Faktoren bewertet? Und auch die Frage danach, welche Standards man heranzieht, um den Einfluss von Unternehmen auf die Umwelt oder die Gesellschaft – und umgekehrt – zu messen, ist noch nicht geklärt. Das liegt daran, dass es derzeit noch keine einheitliche Nachhaltigkeitsberichterstattung gibt.

          Antonia Mannweiler

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Dabei existieren auf dem Markt schon einige Standards. Zu einem der bekanntesten gehört das Rahmenwerk des Sustainability Accounting Standards Board (SASB) aus Amerika. Ähnlich wie die International Financial Reporting Standards (IFRS) vom International Accounting Standards Board (IASB) definiert das SASB seit 2018, wie Unternehmen über Nachhaltigkeitsthemen berichten sollen.

          Mehr als 400 Unternehmen nutzen SASB

          „Wir setzen die Standards“, sagt SASB-Chefin Janine Guillot im Gespräch mit der F.A.Z. Man konzentriere sich bei SASB dabei auf die Nachhaltigkeitsfelder, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auch das Finanzergebnis eines Unternehmens beeinflussen. Mehr als 400 Unternehmen, darunter Apple, Coca-Cola oder Ford, nutzen mittlerweile die Standards der SASB für ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung.

          In einem Beitrag für diese Zeitung (F.A.Z. vom 29. Juni) hatten Anja Kern, Inhaberin einer Stiftungsprofessur, und der Unternehmer Peter Jung geschrieben, dass die finanzielle Berichterstattung, also die Gewinn-und-Verlust-Rechnung und die Bilanz, externe Effekte nicht erfasse. Dazu zählt beispielsweise der Einfluss, den ein Unternehmen auf die Umwelt oder die Gesellschaft hat. Eine Möglichkeit diese Externalitäten abzubilden, könnten alternative Rechnungen und Kennzahlen sein.

          Und auch umgekehrt wirken sich beispielsweise ökologische Faktoren durchaus auf das Finanzergebnis eines Unternehmens aus. Je nach Industrie gibt es dabei aber auch Unterschiede, wie sehr eine Branche von bestimmten Kriterien betroffen ist, im Fachjargon wird von der „Financial Materiality“ gesprochen.

          Guillot erklärt dies am Beispiel des Einflusses von Umweltfaktoren auf Getränkehersteller und IT-Unternehmen. In beiden Branchen spiele das Klima eine wichtige Rolle. Für die Hersteller von Getränken sei aber das wichtigste Gut Wasser. Und damit sei es für sie entscheidend zu bewerten, wie sich der Klimawandel auf die Wasserversorgung auswirke. Auf der Seite der IT-Unternehmen stehe vor allem die Energieversorgung im Vordergrund und die Frage nach dem Energiepreis, sagt Guillot. Dementsprechend würde man die Messwerte anhand der Wasserversorgung oder des Energieverbrauchs erstellen.

          Weitere Nachhaltigkeits-Standards

          Dabei gibt es neben SASB auch weitere Rechnungsvorschriften für die verschiedenen Bereiche der Nachhaltigkeit, die mit ESG abgekürzt werden. Die drei Buchstaben stehen für die Umwelt (Ecological), das Soziale (Social) und die Grundwerte guter Unternehmensführung (Governance). So etwa die Task Force on Climate-related Disclosures (TCFD) aus Amerika oder die Global Reporting Initiative (GRI) mit Sitz in den Niederlanden. In Deutschland lässt sich auch der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK) im weiteren Sinne als Standard für die Nachhaltigkeitsberichterstattung werten. Dabei gibt es durchaus Unterschiede bei der Gewichtung. Während einige Standards speziell auf ein Klima-Reporting abzielen, fokussieren sich andere Rahmenwerke stärker auf soziale oder ethische Komponenten.

          Man wolle die Performance der Unternehmen vergleichbar machen, sagt Guillot. Mit der Einführung von internationalen Standards bei der ESG-Berichterstattung gehe man einen großen Schritt in Richtung weltweiter Konsens. Dabei sei das Rahmenwerk nicht statisch, sondern entwickele sich stetig weiter. Derzeit werde etwa an dem Thema gearbeitet, wie Technologiekonzerne mit Inhalten und möglichen Verstößen gegen bestimmte Regeln auf Internetplattformen umgehen. Oder wie sich die Nachfrage nach Fleischalternativen auf die Lebensmittelbranche auswirke.

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