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S&P-Analyse : Was erwartet uns jetzt?

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Mit einer kurzen, aber heftigen Rezession rechnen die Analysten von Standard & Poor's nach den Terroranschlägen.

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          Wie wird die wirtschaftliche und finanzielle Lage in den kommenden Monaten sein, in einer Welt, die sich durch die terroristischen Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon am 11. September drastisch verändert hat?

          Aus Sicht der Wirtschaft wird die durch die Angriffe ausgelöste Unsicherheit zu einer Verringerung der Verbraucherausgaben führen, meint das Investment Policy Committee von Standard & Poor's. Noch wichtiger ist allerdings, dass die Unternehmen keine neuen Budgets aufstellen werden - sondern im Gegenteil die alten noch kürzen dürften. Dies wird sich auch auf andere Volkswirtschaften auswirken, besonders auf die sehr technologieabhängigen in Singapur, Südkorea und Taiwan.

          Rezession in den USA

          Standard & Poor's erwartet einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts für das dritte und vierte Quartal um jeweils 0,5 Prozent. Bei einem negativen BIP-Wachstum in zwei aufeinander folgenden Quartalen spricht man normalerweise von einer Rezession. Die Arbeitslosenquote wird Mitte nächsten Jahres einen Höchststand von sechs Prozent erreichen. Zuvor waren 5,5 Prozent erwartet worden. Eine mögliche wirtschaftliche Erholung könnte sehr langsam erfolgen, besonders wenn es keine schnelle militärische oder politische Lösung für die terroristische Bedrohung gibt.

          Es ist jedoch wahrscheinlicher, dass die Rezession - vorausgesetzt es erfolgen keine weiteren Angriffe - kurz aber heftig ausfällt, ähnlich dem Rückgang in den Jahren 1990 und 1991, und dass das Verbrauchervertrauen in ein oder zwei Monaten wieder steigen wird. Es wird allerdings etwas dauern, bis sich die amerikanische Wirtschaft wieder erholt. Standard & Poor's hält koordinierte Zinssenkungen der Zentralbanken um einen halben Prozentpunkt in der laufenden Woche für wahrscheinlich. Für das Bruttoinlandsprodukt erwartet S&P für das erste Quartal 2002 ein Wachstum von 2,5 Prozent und für das zweite einen Anstieg um drei Prozent.

          S&P überdenkt Kursziele

          Die Frage für die Börse ist, ob die terroristischen Angriffe zu weiteren technischen Zusammenbrüchen bei den großen Aktienindizes führen werden. Positiv daran wäre, dass dies schneller zu einem Höhepunkt in der Verkaufsphase führen würde. Der Verteidigungshaushalt wird sicher aufgestockt und es gibt wahrscheinlich ein Moratorium im Parteienstreit darüber, ob der Staat durch höhere Ausgaben die Wirtschaft ankurbeln soll.

          Die erwartete Erhöhung der Regierungsausgaben und die Liquiditätsspritze für die Märkte werden möglicherweise die Inflation anheizen. Dies stellt die Aussichten für festverzinsliche Wertpapiere in Frage. Deswegen erachtet Standard & Poor's es für klug, die empfohlene Portfolio-Strukturierung und das Jahresziel von 1.350 Punkten für den S&P 500-Index noch einmal zu überdenken. (Siehe Link: Kommentare von S&P-Analysten)

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