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Westliche Sanktionen : Russland spaltet den Weltkapitalmarkt

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Börse in Moskau: Demnächst wieder offen für „Freunde“ Bild: dpa

Langsam kommt Bewegung in den eingefrorenen russischen Kapitalmarkt. Die Zeichen stehen auf Trennung und Umorientierung. Anleger aus „unfreundlichen Ländern“ bleiben aber außen vor.

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          Banken in den USA bemühen sich um pragmatische Lösungen mit Blick auf russische Schulden. Nachdem das Finanzministerium bestätigte, dass die Auflösung entsprechender Depotpositionen nicht gegen die Sanktionen verstoße, sollen nun JPMorgan und die Bank of America angeboten haben, Kunden beim Ausstieg zu unterstützen, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Schon in der Vorwoche hatten die Banken Barclays und Jefferies entsprechende Angebote gemacht.

          Nach der russischen Invasion der Ukraine hatten sich viele Banken nicht nur aus Russland zurückgezogen, sondern viel mehr auch den Handel mit dessen Vermögenswerten eingestellt. Obgleich Juristen stets die Ansicht vertraten, dass ein Verkauf trotz der Sanktionen möglich sei, hatten sich Händler geweigert, entsprechende Transaktionen auszuführen. Schon im vergangenen Monat hatte die zuständige Behörde OFAC eine befristete Lizenz zum Handel mit russischen Vermögenswerten erteilt.

          Die Kurse russischer Fremdwährungsanleihen haben sich in den vergangenen Wochen erholt. Die zehnjährige Euro-Staatsanleihe handelt zu 39 Prozent des Nominalwerts, Ende Juni waren es noch 16 Prozent gewesen.

          Unterdessen erlaubt die Moskauer Börse Anlegern aus Ländern, die Russland nicht mit Sanktionen belegt haben, dort wieder Schuldtitel zu handeln. Dies gilt nicht für Anleger aus von der Putin-Administration als unfreundlich eingestuften Ländern wie der EU, Japan oder Kanada und betrifft damit nur rund 10 Prozent der Anlagen. Zu den großen Investoren aus „ freundlichen “ Ländern zählt auch der saudische Prinz Alwalid Bin Talal, der zum Zeitpunkt der Invasion mehr als 500 Millionen Dollar in russische Unternehmen investiert hat, schreibt Bloomberg.

          Russland arbeitet derzeit an einer Loslösung von den sogenannten unfreundlichen Ländern. So erließ Putin vor kurzem Dekrete, die es einigen ausländischen Banken und Energieunternehmen untersagte, ihre Niederlassung in Russland abzustoßen. Ferner wurde russischen Kreditgebern, deren Auslandskonten eingefroren sind, erlaubt, die Geschäftsbeziehung mit Kunden aus diesen Ländern einzustellen. Der russische Staatsfonds kann jetzt auch in chinesischer, indischer oder türkischer Währung investieren.

          Die Politik erwäge nun Vorschläge, einheimische Kapitalquellen anzuzapfen, etwa durch „Wohltätigkeitsanleihen“. Unternehmen sollen Anreize erhalten, „toxische“ Währungen nicht weiter zu verwenden, Staatsunternehmen sollen ihre Währungsreserven in Währungen „freundlicher“ Länder umtauschen, schreibt Bloomberg.

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