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Geldpolitik : Aggressive Risikoübernahme sorgt Bank der Zentralbanken

Der BIZ-Turm in Basel Bild: Fabian Fiechter

Auf der Jagd nach Rendite gehen Anleger hohe Risiken ein. Den geldpolitischen Spielraum sieht die BIZ ausgeschöpft, sie ruft nach der Fiskalpolitik.

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          Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) und die amerikanische Federal Reserve ihre Geldpolitik wieder gelockert haben, ist der Spielraum der Notenbanken weiter geschrumpft. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die für die Zentralbanken die Devisenreserven verwaltet und als volkswirtschaftliche Denkfabrik dient, bezeichnete die Geldpolitik in ihrem am Sonntag veröffentlichten Quartalsbericht in historischer Sicht als äußerst locker.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Leiter der Wirtschafts- und Währungsabteilung der BIZ, Claudio Borio, fürchtet Engpässe, sollte es zu einem Konjunkturabschwung kommen. In diesem Fall fordert er eine Unterstützung der Geldpolitik durch die Umsetzung vernünftiger fiskalpolitischer Maßnahmen in den Ländern, die noch über Spielraum verfügten.

          Dazu zählt Deutschland, das im ersten Halbjahr einen Haushaltsüberschuss von 45 Milliarden Euro erzielt hat. Bislang hat Bundesfinanzminister Olaf Scholz an der „schwarzen Null“ festgehalten. Doch der Druck steigt, nachdem auch die Niederlande in der vergangenen Woche Steuersenkungen sowie einen Fonds für Infrastrukturinvestitionen beschlossen hatte.

          Immer mehr riskante Kredite

          Sorge bereitet dem BIZ-Chefvolkswirt die aggressive Risikoübernahme der Investoren, die nach Rendite jagen. Die Bonität vieler Unternehmen und der Zuwachs riskanter Kredite („leveraged loans“) hält Borio für klare Schwachstellen. Diese Kredite dienten als Grundlage für Verbriefungen, auch bekannt als „Collateralised Loan Obligations“ (CLO).

          Es gebe enge Parallelen zu den berüchtigten forderungsgedeckten Schuldverschreibungen, den sogenannten Collaterlised Debt Obligations (CDO), die überwiegend zur Weiterverbriefung zweitklassiger hypothekenbesicherter Wertpapiere dienten. Die Ausfälle amerikanischer Immobilienkredite hatten sich in der Finanzkrise über diese CDO-Papiere in die Bilanzen der Banken auf der Welt ausgebreitet.

          In einem Beitrag zum Quartalsbericht sehen die Autoren die jüngsten Entwicklungen am Verbriefungsmarkt noch nicht als besorgniserregend, allerdings könnten Verluste aus CLO-Titel und gehebelter Kredite eine Konjunkturabkühlung verschärfen.

          Im vergangenen Quartal haben nach Ansicht der in Basel ansässigen Bank der Zentralbanken Handelskonflikte und Geldpolitik die Entwicklung an den Finanzmärkten bestimmt. Die Bereitschaft der Zentralbanken zur Lockerung habe zu einer Erholung der Kurse beigetragen, die aber nur kurz gewährt habe. Als der Handel und die schwächelnde Wirtschaftstätigkeit wieder in den Fokus gerückt seien, sei die Risikoaversion wieder aufgeflammt.

          Inverse Zinskurve

          Die BIZ-Volkswirte begründen damit die Inversion der Renditestrukturkurven in den wichtigsten Volkswirtschaften. In einer inversen Zinskurve sind die kurzfristigen Zinsen höher als die langfristigen. In der Vergangenheit galt dies als Rezessionssignal, weil die Investoren auf lange Sicht Zinssenkungen erwarten. Doch die inverse Zinskurve, die vor allem bei den Renditen amerikanischer Staatsanleihen zum Teil schon länger vorliegt, stellt nach Ansicht der BIZ-Volkswirte diesmal kein Rezessionssignal wie in der Vergangenheit dar. Denn sie führen die Inversion auf historisch niedrige Laufzeitenprämien zurück, die teilweise den Anleihekäufen der Zentralbanken zuzuschreiben seien.

          Dass auf dem Höchststand Staats- und einige Unternehmensanleihen im Volumen von bis zu 17 Billionen Dollar negative Renditen aufgewiesen haben, wäre nach Ansicht von Borio auf dem Höhepunkt der Finanzkrise undenkbar gewesen. Für das Privileg, ihr Geld loszuwerden, seien immer mehr Anleger bereit, daraufzuzahlen. „Es ist etwas beunruhigend, wenn das Undenkbare zum Normalfall wird“, sagte Borio. Nachdem jüngsten Zinssanstieg weisen derzeit noch Anleihen über rund 14 Billionen Dollar negative Renditen auf. Darunter befinden sich Unternehmensanleihen über 0,5 Billionen Dollar. Auf dem Höhepunkt im August waren es noch 1,2 Billionen Dollar.

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