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Rohstoffe : Unruhe auf der Strafbank

Rohstoffe könnten wieder interessant werden. Bild: dpa

Jahrelang war keine Anlageklasse schlechter als Rohstoffe. Langsam könnte es nun wieder besser werden. Warum die Karten für eine neue Hausse schon ausgelegt sein könnten.

          „Die vergangenen fünf Jahre fristeten Rohstoffe auf der Strafbank“, heißt es mitleidlos in einer Analyse des in Zug ansässigen Rohstoffhauses Tiberius. Und tatsächlich: Wer in den Boomjahren bis 2011 im Vertrauen auf den seinerzeit von manchen Analysten hochgelobten „Rohstoff-Superzyklus“ investierte, hat in den vergangenen Jahren zum Teil erschütternde Anlageergebnisse erzielt. Vermutlich am schlimmsten schnitten seit 2011 die Aktien von Edelmetallminen ab. Hier betrugen die Verluste nicht selten 90 Prozent und mehr. In der langfristigen Betrachtung muss man aber nach Ansicht von Tiberius nicht die Nerven verlieren: „Der gerade erst überwundene Preisverfall an den Rohstoffmärkten von mehr als 50 Prozent ist dramatisch, doch keine außergewöhnliche Entwicklung.“

          In den ersten Monaten des laufenden Jahres gibt es erste Anzeichen einer Besserung. „In der Bilanz für das erste Quartal brillieren hingegen Gold und Goldminen sowie der breite Minensektor, während der Rohstoffmarkt zum ersten Mal nicht deutlich schlechter abschneidet als Aktien und Anleihen“, schreibt Torsten Dennin von Tiberius. Lässt sich daraus Hoffnung auf eine langfristige Erholung von Rohstoffen und Rohstoffaktien schließen?

          Dennin geht grundsätzlich an diese Frage heran. Nach seiner Beobachtung hat es seit dem Jahre 1970 drei langfristige Rohstoffzyklen gegeben, an deren Anfang sehr starke Preisanstiege und an deren Ende kräftige Preisrückgänge standen. Diese sehr langfristigen Zyklen erklären sich aus der notwendigen Zeitverzögerung, mit der das Angebot von Rohstoffen auf Änderungen der Nachfrage reagiert. So benötigt die Entdeckung, Entschließung und Ausbeutung einer Mine viele Jahre.

          „In Zeiten hoher Preise investieren Unternehmen vermehrt in die Ausweitung der Förderung und in die Erschließung zusätzlicher Lagerstätten“, erläutert Dennin. „Daraufhin steigt das Angebot, das Preisniveau erreicht einen Höhepunkt und beginnt zu sinken. In den Folgeperioden wächst das Angebot weiter an, während die Preise weiter sinken und schließlich unter die Grenzkosten der Produktion fallen. Als Konsequenz schrumpft unter anderem durch Minenschließungen das Angebot, die Preise stabilisieren sich und beginnen wieder zu steigen.“

          Jeder Beginn eines neuen Zyklus war in der Vergangenheit gekennzeichnet durch eine steigende Inflationsrate und einen am Devisenmarkt zur Schwäche neigenden Dollar. Hingegen bedarf es am Anfang eines Rohstoffzyklus keiner Beschleunigung des Wirtschaftswachstums und auch keiner steigenden Zinsen. Diese stellen sich gewöhnlich erst später ein. Aktuell sieht es nicht schlecht aus. Die Karten für eine Hausse seien bereits ausgelegt, findet Dennin: „Auf Sicht von 2 bis 3 Jahren zeichnet sich eine Situation ab, in der die Nachfrage das Angebot übertrifft und das durchschnittliche Preisniveau deutlich höher liegt. Im Rückblick werden wir dann wohl argumentieren können, dass wir in 2016 die Initialphase eines neuen Rohstoffzyklus gesehen haben.“

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