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Rohstoffe : Anleger greifen bei Gold wieder zu

  • -Aktualisiert am

Goldbarren Bild: dpa

Nach dem Preisrückgang im September verteuert sich das Edelmetall so stark wie seit sechs Wochen nicht mehr. Italiens Schuldensorgen treiben die Käufer an.

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          Der Goldpreis legt so stark zu wie seit sechs Wochen nicht mehr: Angetrieben von den Unsicherheiten in der europäischen Schuldenkrise wählen Anleger wieder verstärkt das Edelmetall, um sich gegen einen Wertverlust in Krisenzeiten abzusichern. Am Dienstag pendelte der Goldpreis um die Marke von 1790 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). „Das Thema Griechenland haben die Marktteilnehmer schon abgehakt“, sagt Gabor Vogel, Rohstoffanalyst der DZ Bank. „Nun wächst die Gefahr, dass die Krise sich auf Italien überträgt und damit nehmen auch die Goldkäufe wieder zu.“

          Der Zugewinn im Goldmarkt folgt auf einen starken Preisverfall im Herbst dieses Jahres: Nachdem der Goldpreis Anfang September mit 1921 Dollar einen Rekord erzielt hatte, war der Preis innerhalb weniger Tage rapide gesunken. Allein im September hatte Gold um 11 Prozent an Wert verloren. Hintergrund des starken Rückgangs war, dass Anleger sich sogar aus dem stets als Krisenwährung bewährten Goldmarkt zurückzogen, um die Liquidität zu erhöhen und Verluste in anderen Anlageklassen wie dem Aktienmarkt auszugleichen. Damals hatten auch die Aktienmärkte erhebliche Rückgänge zu verbuchen.

          Hohe Rendite mit Gold

          Die Tatsache, dass in Zeiten der europäischen Schuldenkrise die Anleger nicht nur Aktien abstoßen, sondern auch Gold verkaufen, hatte unter Branchenkennern für Überraschung gesorgt. Denn mit Gold hatten Investoren hohe Renditen erzielen können. Das Edelmetall verteuert sich bereits das elfte Jahr in Folge. Seit den Tiefständen des Goldpreises im September hat das Edelmetall wieder rund 12 Prozent an Wert gewonnen. Seit Anfang des Jahres verbucht das Metall sogar ein Plus von 25 Prozent.

          Die Rohstoff-Analysten der Commerzbank schreiben in einem Marktbericht, dass die Europäische Zentralbank (EZB) in der vergangenen Woche Staatsanleihen im Volumen von 9,5 Milliarden Euro gekauft hat - doppelt so viel wie in der Vorwoche: „Es ist zu befürchten, dass die EZB die Anleihekäufe in den nächsten Monaten erheblich ausweiten muss.“ Damit blieben die Unwägbarkeiten in der europäischen Schuldenkrise weiterhin hoch - zumal auch die Eurogruppe bei ihrem Treffen nicht zu einem Ergebnis gekommen sei, um „die Schlagkraft des EFSF zu erhöhen“.

          Kein Wunder sei, dass viele Anleger nun wieder stärker auf Gold setzen. Dies zeigt sich auch daran, dass Gold-Fonds bei den Anlegern gefragt sind, die Zuflüsse in Gold-ETF (Exchange Traded Fund, ETF) nehmen zu. „Allein der SPDR Gold Trust erzielte am Montag Zuflüsse von 10,6 Tonnen“, heißt es in dem Commerzbank-Bericht. Solche Rohstofffonds sind mit physischem Gold hinterlegt, so dass die Käufe der Anleger für steigende Goldpreise sorgen.

          Analysten rechnen mit steigenden Preisen

          „Auch die Entscheidung der EZB, die Zinsen zu senken, führt zu steigenden Goldpreisen, weil Anleger das Metall nun wieder verstärkt als Inflationsschutz wählen“, sagt DZ-Bank-Analyst Vogel.

          Viele Analysten erwarten, dass der Goldpreis noch weiter steigen sollte: Rohstoffanalysten, die nach Berechnungen der Finanzagentur Bloomberg in den vergangenen zwei Jahren den Goldpreis am besten prognostiziert haben, rechnen im Schnitt mit einem Goldpreis von bis zu 1950 Dollar je Feinunze bis zum Ende des ersten Quartals.

          Allerdings gibt es auch Warnungen, dass der Goldpreis mittlerweile zu stark gestiegen ist und ein Rückschlag wie im September droht. „Die Gefahr einer Preisblase im Goldmarkt nimmt zu, weil das Metall sich schon sehr stark verteuert hat“, sagt Analyst Vogel. „Ein Platzen der Preisblase erwarten wir aber im Jahr 2012 noch nicht.“ Zuletzt hatten viele spekulativ orientierte Investoren ihre Positionen im Goldmarkt reduziert, so dass das Rückschlagpotential für den Goldpreis etwas reduziert ist, argumentiert Vogel.

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