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Rohstoffe : Analysten halten Ölaktien für unterbewertet

  • Aktualisiert am
          2 Min.

          Ölaktien könnten nach Ansicht etlicher Analysten trotz des erwarteten Ölpreisrückganges in Kürze interessante Wertsteigerungen erfahren. Zum einen haben die Anleger den Anstieg des Ölpreises in der jüngeren Vergangenheit noch nicht ausreichend nachvollzogen, zum anderen sind viele Investoren hinsichtlich eines bevorstehenden Ölpreisrückganges zu pessimistisch, lautet die Analyse einiger Beobachter. Als defensiv geltende Werte sind Ölaktien traditionell zwar nicht geeignet, um von einem allgemeinen Aufschwung an den Aktienmärkten zu profitieren, doch wer als Vorsichtsmaßnahme nicht ganz von konjunkturunempfindlichen Aktien ablassen will, der sei mit Ölaktien gut beraten, heißt es.

          Diese Einschätzung vertritt beispielsweise Ian Scott, Stratege für europäische Aktien bei Lehman Brothers in London. Selten habe man so wie im vergangenen Monat einen derart kräftig steigenden Ölpreis gesehen, bei dem gleichzeitig die Ölaktien den allgemeinen Markt nicht geschlagen hätten, berichtet er. In den vergangenen sechs Monaten stiegen die Ölpreise um 30 Prozent auf über 30 Dollar, doch die Ölaktien unterboten die Hauptindizes der europäischen Aktienmärkte um 3 Prozent. "Man muß bis zum Höhepunkt der Tech-Blase im ersten Quartal 2000 zurückgehen, um eine ähnliche Disparität zu finden", sagt Scott.

          Erholung der Weltwirtschaft

          Erklärungen sind für diese Entwicklung durchaus zu finden. Der gesunkene Dollarkurs, der in den Augen vieler Experten weiter fallen wird, verringert die Einnahmen der Ölförderer aus anderen Währungsräumen. Doch auch die amerikanischen Ölproduzenten hinken dem breiten Markt hinterher. Zudem ist der Ölpreis in den vergangenen sechs Monaten auch in Euro um 13 Prozent und in Sterling um 14 Prozent gestiegen. Schließlich haben Rohstoffaktien aus dem Metall- und Bergbausektor von den höheren Preisen ihrer Produkte an den Börsen profitiert.

          Das Argument, daß derzeit alle defensiven Aktien litten, trifft somit nicht zu. "Die Aktienmärkte haben für 2004 derzeit einen Ölpreis von 18 bis 19 Dollar eingepreist. Das ist zu niedrig. Wir rechnen mit rund 25 Dollar bis Mitte nächsten Jahres", sagt Mark Iannotti, Ölaktien-Analyst von Merrill Lynch. Die Nachfrage dürfte angesichts der Erholung der Weltwirtschaft wieder zunehmen, "und wer sagt eigentlich, daß die Opec ihre Zielspanne nicht einhalten kann?" Das Ölkartell versucht, den Ölpreis in einer engen Spanne zu halten.

          Abweichende Meinungen

          Wenn es um einzelne Aktien geht, weichen die Meinungen allerdings voneinander ab. Iannotti rät derzeit bei den Ölmultis Total Elf Fina, BP, Chevron Texaco, Royal Dutch Shell, Exxon Mobil und Statoil zum Kauf. Nur der italienische Konzern ENI steht bei ihm auf neutral.

          Seine Lieblingsaktien sind Total Elf Fina und BP. Bei Total sei die aktuelle Bewertung vergleichsweise niedrig, das Produktionswachstum überdurchschnittlich, die Ertragskraft steigend und das Management hochqualifiziert. Zudem gilt Total wegen seiner Ölfelder in Westafrika als attraktiv. Auch BP wird von den Anlegern derzeit relativ niedrig bewertet, hat nach Ansicht von Iannotti aber durch seine Investitionen in Rußland eine gute Marktposition. Ian Scott von Lehman Brothers dagegen hat ENI neben Total in sein europäisches Aktienportfolio aufgenommen. Er hält Ölaktien als defensives Element für deutlich besser als etwa Lebensmittelwerte. Daher hat er sich von Unilever getrennt. Scott rät dazu, den Anteil von Ölaktien in einem breiten Aktienportfolio von 10 auf 15 Prozent zu erhöhen.

          Thierry Baudin von Société Général in Paris hat Ölaktien indes untergewichtet. Er meint, daß die Aktien nicht vom Ölpreisanstieg profitiert hätten, weil die Anleger diesen immer nur als temporär eingeschätzt hätten. Auch Baudin rechnet mit einem fallenden Ölpreis, allerdings nur auf durchschnittlich 24 Dollar im Jahr 2004.

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