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Rohöl : Terrorsorgen treiben den Ölpreis

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Bild: F.A.Z.

Das Rohöl der Sorte Brent ist so teuer wie seit 1990 nicht mehr. Analysten erwarten weitere Preisanstiege. Die Aktien der großen Ölkonzerne profitierten bisher allerdings kaum.

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          Wieder aufkeimende Terrorsorgen haben den Rohölpreis am Dienstag auf das höchste Niveau seit vierzehn Jahren schnellen lassen. Der Preis für ein Faß (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete in London zeitweise 35,92 Dollar, 4 Prozent mehr als am Vortag und so viel wie zuletzt im Oktober 1990. In diesem Umfeld verzeichneten die Aktien der europäischen Ölgesellschaften in einem insgesamt schwachen Markt leichte Kursgewinne.

          Den Anschlag auf ein Ölunternehmen in Saudi-Arabien am Wochenende halten Analysten für den Auslöser des neuerlichen Preisschubs. Der Terrorakt sowie die ungewisse Lage im Irak verstärkten die Sorgen über Öllieferungen aus dem Nahen Osten, auf den etwa ein Drittel der weltweiten Ölförderung entfällt. Zudem gelten die Lagerbestände in den Vereinigten Staaten besonders mit Blick auf den in der anstehenden Urlaubssaison hohen Benzinbedarf als zu gering. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) dürfte das Angebot bis auf weiteres begrenzt halten.

          Bis zu 45 Dollar pro Barrel

          Preistreibende Faktoren sind die wachstumsstarke chinesischen Wirtschaft, die Dollarschwäche und die bisher nur schleppende und teure Erschließung neuer Fördermöglichkeiten. Vor allem kurzfristig, dürften diese Faktoren den Rohölpreis in die Höhe treiben, sagen beispielsweise die Analysten von Credit Suisse First Boston. Rohöl der Sorte WTI könnte dabei von 38 auf 40 bis 45 Dollar steigen. Das könne den Aufschwung der Wirtschaft gefährden.

          Die Aktien der großen Ölgesellschaften hingegen profitierten bislang nur wenig von dem hohen Ölpreis. Dabei sei der Ölpreis der wichtigste Einflußfaktor für die Ertragsentwicklung und oft auch die Kursentwicklung der Aktien, heißt es bei Helaba Trust. 2003 hat der Dow Jones Stoxx 50 10,5 Prozent an Wert gewonnen, der Subindex der Energiewerte legte indes nur 1,5 Prozent zu. Seit Ende Februar hat sich diese Entwicklung umgekehrt, die Ölwerte haben sich deutlich besser entwickelt als der Gesamtmarkt.

          Schwächen der Konzerne bei "Erschließung und Förderung"

          Daß sich die Ölaktien seit einiger Zeit von der Ölpreisentwicklung weitgehend abgekoppelt haben, hat mehrere Gründe. Zum einen zweifeln Beobachter an der Nachhaltigkeit des hohen Ölpreises. Neben der wiederholten Korrektur der geschätzten eigenen Energiereserven durch Royal Dutch/Shell sei auch die Wachstumsschwäche vieler Ölkonzerne im sogenannten Upstream-Geschäft wieder in den Vordergrund gerückt, heißt es beispielsweise bei Frankfurt Trust.

          In diesem derzeit mit Abstand lukrativsten Bereich, der "Erschließung und Förderung", hätten viele Unternehmen Schwierigkeiten. Viele Quellen sind weitgehend ausgeschöpft. Der stark wachsende Kapitaleinsatz erhöhe das wirtschaftliche Risiko für die Konzerne immer mehr.

          Verhalten positiv

          Für die weiteren Gewinnaussichten der Ölgesellschaften sind Experten nur verhalten positiv gestimmt. Auch wenn man bei J.P. Morgan zunächst positive Quartalszahlen erwartet, könnte der Jahresvergleich vor allem bei den großen Gesellschaften negativ ausfallen. Die Aktien seien attraktiv bewertet, die Konsensusschätzungen signifikant zu niedrig.

          J.P. Morgan favorisiert BP, daneben seien Eni und Conoco-Phillips interessant. Hohe Dividendenrenditen, starke Mittelzuflüsse (Cash Flow) und solide Bilanzen verliehen dem Sektor weiterhin defensive Qualitäten, sagen die Analysten von Helaba Trust und empfehlen BP, Total und Exxon Mobile.

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