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Scherbaums Börse : Das verrückte zweite Börsenquartal

  • -Aktualisiert am

Höher, schneller, weiter? Tesla-Lenker Elon Musk Bild: AFP

Erst kam der Corona-Crash, dann ging es temporeich auf den Gipfel zurück, wobei Anleger mit Aktien wie Tesla ein Vermögen machen konnten. Dadurch wächst die Gefahr zu hoher Erwartungen.

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          Mal ehrlich: War was im zweiten Quartal? Wenn man sich den Dax anschaut, lautet die Antwort erst einmal nein. Deutschlands bekanntestes Börsenbarometer hat zwischen April und Ende Juni das drittbeste Quartal seiner Geschichte abgeschlossen. Plus 28 Prozent, obwohl rund um den Globus die größte Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg umhergeht und noch ein paar Quartale mehr zu spüren sein wird.

          Es ist wirklich eindrucksvoll zu sehen, was da an der Börse passiert (ist). Noch nie hat sich ein Aktienmarkt so schnell von einem Abschwung erholt, wie in diesem Jahr. Das gilt nicht nur für den deutschen Dax, sondern auch für den amerikanischen Aktienmarkt, speziell die Technologiebörse Nasdaq. Der Nasdaq100 erreichte zuletzt neue Höchststände.

          Zu verdanken hat dies der Index nicht nur den „üblichen Verdächtigen“ aus dem Hightech-Sektor wie Apple, Amazon oder Netflix. Auch eine andere Aktie hat seit dem Corona-Crash gehörig an Fahrt aufgenommen und in den vergangenen Tagen mal wieder für Furore gesorgt. Der Elektroautobauer Tesla.

          Phänomen Tesla

          Seit dem Absturz von mehr als 850 Dollar auf 350 Dollar Mitte Februar hat sich die Elon-Musk-Aktie bis heute nahezu verdreifacht. Seit Mittwoch darf sich Tesla nun als den nach Börsenwert wertvollsten Autobauer der Welt nennen. Damit hat man die bisherige Nummer Eins, den japanischen Toyota-Konzern, überholt.

          Tesla

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          Mehr als 1000 Dollar kostet nun eine Aktie von Tesla, die Marktkapitalisierung sprengt die 200-Milliarden-Dollar-Grenze. Das Ganze schaffte die amerikanische Firma mit einem Einsatz von 370.000 produzierten Elektro-Autos im vergangenen Jahr und der Aussicht, dass der Konzern es jetzt schaffen könnte, im zweiten Quartal des Jahres – während der Corona-Krise – wieder einen Gewinn zu erzielen. Es wäre das vierte Quartal in Folge, dass Tesla schwarze Zahlen schreiben würde.

          Zum Vergleich: Toyota hat einen weltweiten Absatz von mehr als zehn Millionen Autos im Jahr und verdient seit Jahrzehnten Geld. Aber Toyota ist eben nicht Tesla, denn Tesla ist der Inbegriff der neuen hippen E-Mobilität – auch wenn es mittlerweile die anderen Konzerne aus der Branche geschafft haben, Konzepte und Auto-Modelle zu entwickeln, die schon heute, spätestens morgen dem Unternehmen aus Kalifornien gehörig Konkurrenz machen.

          Das Alleinstellungsmerkmal von Tesla im Bereich der E-Mobilität dürfte bald nicht mehr so souverän sein. Nicht zuletzt wissen das auch viele Experten und sehen die Tesla-Aktie schon als sehr ambitioniert bewertet an. Doch wie heißt es so schön an der Börse: The trend is your friend. Gewinne laufen lassen und dann irgendwann doch (rechtzeitig) raus, wenn die Geschichte vorübergehen sollte.

          Gefahr der zweiten Welle

          Es stellt sich generell gerade die Frage: Sind die Aktienmärkte zu schnell zu weit gegangen? Nach Ansicht von Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei JP Morgan, ist es nun besonders wichtig, Chancen und Risiken sehr genau abzuwägen. „Es gilt, im Portfolio die Defensive zu stärken, ohne sich jedoch des weiteren Potentials der Aktienanlage zu berauben“, so der Experte. Für die Aktienmärkte spricht nach Analyse von Tilmann Galler zum einen die geringere Börsenrepräsentanz der besonders stark von der Pandemie betroffenen Branchen wie Gastronomie, Tourismus und Flugverkehr.

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