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Börsenwoche : Nähert sich das Ende der Aktienhausse?

Der Bulle vor dem Gebäude der Frankfurter Börse Bild: dpa

Die vergangene Woche war unschön für Aktienanleger. Viel deutet auf eine Korrektur – doch die Bullen haben noch längst nicht aufgegeben.

          2 Min.

          Wenn es sich um die Finanzmärkte dreht, steht eigentlich immer der Aktienmarkt im Fokus. Es kommt selten vor, dass ihm der Anleihemarkt die Schau stiehlt. Allein dies wäre genug, die vergangene Woche als etwas Besonderes zu betrachten. Was war die Aufregung groß, als nach einem gemütlichen Martin Luther King Day am Montag die Renditen amerikanischer Staatsanleihen stark anzogen, 24 Stunden lang, von Dienstag bis Mittwoch Mittag kletterte die Rendite der zehnjährigen Anleihe von 1,807 bis auf 1,8988 Prozent. Ein Plus also von 5 Prozent, was selbst für den Aktienmarkt bemerkenswert gewesen wäre. Heilig’s Blechle, sagt da der Schwabe.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Aktienmarkt hatte aber auch wenig zu lachen. Als die Wall Street am New Yorker Dienstagmorgen ihre Pforten wieder öffnete, ging es für den S&P-500-Index erst einmal zackig abwärts. Dem gereichte zum einen zum Nachteil, dass Wachstums- und besonders Technologiewerte in ihm mittlerweile hohes Gewicht haben. Für diese sind niedrige Zinsen vorteilhaft, weil dies die Expansion begünstigt. Aber auch für Nichtwachstumsaktien sind höhere Zinsen nicht positiv: Mit ihrem Anstieg sinkt der Wert zukünftiger Mittelzuflüsse, und damit steigt die Bewertung der Aktien.

          Aber Börsianer wären keine Börsianer, wenn sie sich davon auf Dauer schrecken lassen wollten. Nachdem man zwei Tage etwas gelitten hatte, kamen doch wieder diejenigen nach vorne, die sich nicht verdrießen lassen wollten. Eigentlich gehe es den USA doch wirtschaftlich gut, bis zur Zinsentscheidung der Notenbank sei es noch eine Zeit hin und überhaupt müsse man ja nicht noch stärkere Zinserhöhungen fürchten als diejenigen, die man ohnehin schon eingepreist habe, lautete das letztlich nicht wirklich ganz logische Narrativ. Und nachdem bei Procter & Gamble im vergangenen Quartal höhere Kosten keine Spuren in der Erfolgsrechnung zeigten, war er plötzlich auch wieder da: der Gewinn-Optimismus für die Bilanzsaison.

          An der Börse wird, scheint’s, doch die Vergangenheit gehandelt, wenn man sie auch Zukunft nennt. Aber was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen, sagte schon Goethe. Die Zukunft ist halt unsicher, und so schreibt man sie einfach am besten selbst. Schließlich hat man mit Aktien gut verdient, und so schließt man messerscharf, dass nicht sein kann, was nicht sein darf, wie einst Morgenstern dichtete – also müssen Aktien toll bleiben.

          Der Wochenanfang war noch schön

          Dass andere die Bilanzsaison als eher gemischt bezeichnen, störte da eher wenig. Aber dann kam Peloton. In nur 24 Minuten brach der Aktienkurs des Lockdown-Gewinners um 27 Prozent ein, dessen Umsätze nicht so richtig steigen und dem die Kosten davonzulaufen scheinen. Ob er nun tatsächlich, wie berichtet, die Produktion weiterer Modelle aussetzt, ist egal: Das war es mit der Wachstumsstory, hieß es am Markt. Und nachbörslich kam auch noch Netflix. Denn da wachsen die Bäume auch nicht mehr in den Himmel – oder die Abonnentenzahl. Jedenfalls steht der S&P unter Druck, und es darf weiter darum gerungen werden, ob die Aktienhausse zu Ende geht.

          Und was war in Deutschland so los? Der Wochenanfang war noch schön, weil die Amerikaner nicht störten. Das taten sie dann umso mehr am Dienstag, danach ging es auf dem niedrigeren Niveau weiter und am Freitag, na ja. Der Ukrainekonflikt vor der Haustür sorgt auch nicht eben für gute Laune. Doch auch hierzulande sorgte der Anleihemarkt in dieser Woche für mehr Aufsehen: eine positive Rendite für zehnjährige Bundesanleihen? Wann hatte es das schon mal gegeben? Richtig: bis Mai 2019 und sechs Stunden lang am Mittwoch. Vielleicht hält es ja das nächste Mal ein bisschen länger.

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