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Verbraucherschützer warnen : Riester-Anbieter berechnen mehrfach Kosten

Rente im Regal: Viele sind mit dem Papierkram rund um die Altersvorsorge überfordert Bild: dpa

Die Altersvorsorge in Deutschland ist intransparent. Ein Fallstrick lauert auf Riester-Sparer, die ihre Beiträge ändern.

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          Die Verbraucherzentralen stehen mit der geförderten Altersvorsorge in Deutschland auf Kriegsfuß. Denn mit dem Riester-Zulagensystem wurden Rentenpolicen, wie sie deutsche Lebensversicherer anbieten, stark bevorteilt. Die Verbraucherschützer stehen diesen Mischkonstrukten aus Risikoversicherung und Sparprodukt skeptisch gegenüber. Sie plädieren dafür, nach schwedischem Vorbild einen kostengünstigen Vorsorgefonds einzurichten, der auf Garantien gegenüber den Sparern verzichtet und dadurch stärker in Aktien investieren kann.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Seit Jahren bemühen sich die Verbraucherzentralen, Intransparenz im System aufzudecken. Um das schlagkräftiger zu machen, haben sie den „Marktwächter Finanzen“ mit fünf Schwerpunktthemen eingerichtet, in denen einzelne Verbraucherzentralen auffällige Produktgestaltungen zentral an ein Frühwarnsystem schicken können. Für Versicherungen ist die Zentrale in Hamburg zuständig. Im Dezember hat sie den Fall eines Kunden der Württembergischen Versicherung zum Anlass für eine Marktwächterumfrage genommen. Dieser hatte den Beitrag, den er selbst leistete, nach dem Bezug eines Kinderzuschlags zunächst reduziert und dann wieder erhöht. Der Versicherer machte für diese Beitragsänderung insgesamt Kosten von 360 Euro geltend.

          Daraufhin schrieb der Marktwächter Finanzen alle 85 zu diesem Zeitpunkt operierenden deutschen Lebensversicherer an. 46 antworteten, zwei verweigerten Angaben, zehn gaben an, keine Riesterprodukte (mehr) im Angebot zu haben. Somit lieferten 34 Versicherer Angaben zu der Befragung. 15 von ihnen räumten ein, mehrfach Abschluss- und Vertriebskosten auf wieder erhöhte Beiträge zu berechnen. Die Interpretationen in der Branche sind unterschiedlich: Ein Teil der Anbieter beruft sich auf einen Passus zur Teilbeitragsfreistellung im Versicherungsvertragsgesetz. Danach wird die Wiedererhöhung der Beitragszahlung durch den Kunden wie ein Neuabschluss des Vertrags gerechnet. Die Mehrheit von 19 Anbietern, die an der Umfrage teilgenommen haben, berechnet indes keine weiteren Kosten.

          Aus Sicht der Verbraucherzentralen widerspricht die Praxis der 15 Unternehmen dem Geiste der geförderten Altersvorsorge, da Riester-Verträge bewusst flexibel gestaltet wurden, um den Kunden in veränderten Lebenssituationen die Wahlfreiheit zu lassen. Aus diesem Grunde hat der Gesetzgeber auch die Kosten für einen Anbieterwechsel im Vergleich zum privaten Altersvorsorgemarkt stark begrenzt. In der Niedrigzinsphase haben sich einige Versicherer aus dem Riester-Markt zurückgezogen. Sie haben angegeben, dass sich das Angebot nicht mehr kostendeckend aufrechterhalten ließ.

          „Riester-Verträge sollen vor allem für Sparer mit Kindern lukrativ sein“, betonte Sandra Klug, die Marktwächter-Beauftragte für Versicherungen. „Diese Gruppe wird vom Gesetzgeber daher zu Recht besonders gefördert. Die doppelte Berechnung von Abschluss- und Vertriebskosten belastet aber vor allem Riester-Sparer mit Kindern.“ Die Bundesregierung hatte sich für diese Legislaturperiode vorgenommen, das Riester-Modell zu modernisieren und ein einfaches, standardisiertes Altersvorsorgeprodukt einzuführen. Die Gespräche darüber haben aber noch kein Ergebnis gebracht. Die Verbraucherzentralen nutzen solche Umfragen auch als Munition, ihre Vorstellungen von Altersvorsorge durchzusetzen – Lebensversicherungen spielen dabei keine Rolle.

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