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Brexit und Zollkrieg : Rezessionsangst schickt Börsen auf Talfahrt

  • Aktualisiert am

Bronzeskulpturen in Frankfurt: Die Bären haben am Mittwoch Vorfahrt an den Börsen, die Kurse sinken Bild: dpa

Schlechtere Konjunkturaussichten und die Furcht vor neuen Zöllen lassen die Aktienkurse an internationalen Handelsplätzen fallen. Auch die Flugzeughersteller Airbus und Boeing verlieren wegen des Zollurteils der WTO.

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          Die Angst vor einem weltweiten Konjunktureinbruch in Folge des Handelsstreits schickt Europas Börsen weiter auf Talfahrt. Für zusätzliche Nervosität sorgte am Mittwoch der nahende Brexit-Showdown. Die Leitindizes Dax und EuroStoxx50 fielen am Nachmittag je um 1,7 Prozent auf 12.057 und 3457 Punkte. An den amerikanischen Börsen dürfte es ebenfalls weiter abwärts gehen.

          Schlechte Nachrichten für die Aktienmärkte kamen auch von der Welthandelsorganisation WTO, die am Mittwoch milliardenschwere amerikanisch Zölle genehmigte, weil die Europäische Union ihrem Flugzeughersteller Airbus mit Subventionen Wettbewerbsvorteile zugeschanzt hatte. Der Aktienkurs von Airbus drehte kurz nach der Entscheidung vorübergehend ins Plus, baute dann jedoch ihren Tagesverlust auf minus 1,25 Prozent aus. Auch der amerikanische Airbus-Konkurrent Boeing verlor deutlich. Der Aktienkurs notiert 4,34 Prozent unter seinem Wert vom Vortag.

          Die EU will nun ihrerseits milliardenschwere Vergeltungszölle gegen Amerika verhängen, darunter auf Flugzeugkomponenten sowie Tomatenketchup und Spielekonsolen. Dabei bezieht sie sich auf ein anderes WTO-Urteil, das rechtswidrige US-Subventionen für den Airbus-Konkurrenten Boeing festgestellt hatte. In diesem Fall steht der Schlichterspruch über die Höhe der Summe aber noch aus. Er wird Anfang 2020 erwartet. Die EU macht zwölf Milliarden Dollar Schaden im Jahr geltend. Das Boeing-Urteil kam im März 2019, zehn Monate nach dem Airbus-Urteil.

          Schwache Industrie

          Am Mittwoch wirkten Börsenbeobachtern zufolge zudem die schwachen amerikanischen Industriedaten vom Dienstag nach. Auch für die deutsche Wirtschaft sind die führenden Forschungsinstitute skeptischer und sagen ein geringeres Wachstum voraus. Die negativen Effekte des Handelsstreits seien für die Weltkonjunktur immer deutlicher spürbar, gleichzeitig aber sei eine Lösung des Konflikts nicht wirklich greifbar, sagte Milan Cutkovic, Marktanalyst beim Handelshaus AxiTrader. „Denn selbst wenn die Handelsgespräche zwischen den USA und China im Oktober erfolgreich verlaufen, dürfte es noch eine Weile dauern, bis ein unterschriftsreifes Abkommen auf dem Tisch liegt.“

          Anleger flüchteten vor der feiertagsbedingten Handelspause am Donnerstag vermehrt in als sicher geltende Anlagen wie Gold. Das Edelmetall verteuerte sich um 0,7 Prozent auf 1488 Dollar je Feinunze. „Der Handelsstreit ist und bleibt der Impulsgeber Nummer Eins für den sicheren Hafen“, sagte Analyst Salah Bouhmidi von DailyFX.

          Dow Jones

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          Einen negativen Vorgeschmack auf den für Freitag erwarteten Arbeitsmarktbericht lieferten die Daten der privaten amerikanischen Arbeitsagentur ADP: Mit 135.000 wurden etwas weniger neue Stellen im September geschaffen als erwartet.

          Flucht aus britischen Aktien

          Mit seinem letzten Einigungsvorschlag im Brexit-Streit wird Premierminister Boris Johnson nach Ansicht vieler Börsenbeobachter bei der Europäischen Union nur schwer punkten können. Johnson betonte in seiner Rede, Großbritannien werde am 31. Oktober die EU verlassen, „komme, was wolle.“ Zum Knackpunkt – der Grenze zwischen dem EU-Mitglied Irland und der britischen Provinz Nordirland – sagte er, es werde „unter keinen Umständen“ Kontrollstellen an oder nahe der Grenze geben. Johnson sei viele Details schuldig geblieben, sagte Stratege David Cheetham vom Onlinebroker xtb. Die ersten durchgesickerten Reaktionen aus Brüssel zeigten aber, dass Johnsons eingereichte Pläne zu wenig für einen großen Durchbruch seien.

          Das Pfund wertete um 0,3 Prozent auf 1,2266 Dollar ab. Der britische Aktienmarkt geriet trotz der schwächeren Landeswährung ebenfalls unter die Räder und verlor 2,2 Prozent. An der Londoner Börse schossen jedoch die Aktien des Buchmachers Flutter Entertainment um bis zu fünfzehn Prozent nach oben auf den höchsten Stand seit Juni 2018. Die Briten schließen sich mit dem Konkurrenten Stars Group zum weltweiten Marktführer bei Sportwetten zusammen.

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