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Elektronik : Rettung lässt Sharp-Kurs scharf steigen

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Bei Sharp heißt es jetzt chinesisch lernen. Bild: dpa

39 Prozent Kursgewinn verzeichnet die Sharp-Aktie seit dem vergangenen Donnerstag. Die Rettung des angeschlagenen Konzerns zahlt sich am Aktienmarkt aus.

          10 Prozent Kursgewinn sind schon ein Wort. Diesen Aufschlag verzeichnete heute die Aktie des Elektronikkonzerns Sharp an der Tokioter Börse. Im Laufe des Handels erreichte das Plus sogar zeitweilig 17 Prozent.  Insgesamt hat die Notiz an den vergangenen beiden Börsentagen um 39 Prozent zugelegt.

          Allerdings nimmt sich der Kurs mit 117 Yen sehr bescheiden aus. Genauer gesagt, notiert die Aktie gerade einmal 28 Yen oberhalb ihres Allzeittiefs, das sie am vergangenen Mittwoch erreicht hatte – vorläufiger Tiefpunkt eines Niedergangs, der im Grunde seit 1999 anhält und sich Mitte der Zweitausender Jahre verschärft hat.

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          Es kann da auch nicht verwundern, was den Anlass für die jüngste Wendung gegeben hat: Der Apple-Zulieferer Foxconn hatte mitgeteilt, dass die geplante Übernahme von Sharp durch die chinesischen Wettbewerbshüter genehmigt wurde. Zudem hatte Sharp von seinen Kreditgebern eine Zusage über einen 300-Milliarden-Yen-Kredit erhalten (etwa 2,65 Milliarden Euro).  

          Die Übernahme durch Foxconn erfolgt nicht wirklich freiwillig, sondern ist die Rettung des akut pleitebedrohten Konzerns. Sharp zog diese Option der Übernahme durch die vom japanischen Staat unterstützte Innovation Network Corporation vor. Vier Jahre hatte der Übernahmekampf gedauert, in denen es mit Sharp weiter abwärts ging. Vier der vergangenen fünf Geschäftsjahre beendete das Unternehmen mit Verlust. Seit 2012 betrug das gesamte Minus netto 1,4 Billionen Yen (rund 12 Milliarden Euro), selbst operativ konnte man nur einmal mit einem Plus abschließen.

          Jetzt endlich hat Sharp auch wieder Eigenkapital – nachdem Foxconn für 289 Milliarden Yen neue Aktien gekauft hat. Mit Tai Jeng Wu ist jetzt der Sharp-Chef auch kein Japaner mehr – der Konzern wird faktisch chinesisch.

          Ohne das Insolvenzrisiko erwartet Hideki Yasuda, Analyst bei Ace Research in Tokio laut der Nachrichtenagentur Bloomberg einen deutlich Aufschwung der Notierung. Wie weit dieser gehen werde, hänge vom Restrukturierungskurs ab. Es sei nicht genug, Kosten zu senken, es bedürfe einen glaubwürdigen Strategie für zukünftiges Wachstum. Im vergangenen Quartal waren die Display-Verkäufe um 38 Prozent gesunken, die Verkäufe von Verbraucherelektronik um 24 Prozent.

          Sharp gehört immer noch zu den größten Herstellern von LCD-Bildschirmen für Handys und Tablett-Computer, aber auch für Fernseher. Das passt zu Foxconn, das der größte Auftragsproduzent für Apple ist und die meisten iPhones baut. Terry Gou, der Vorsitzende von Foxconn, kommt mit der Übernahme seinem Ziel ein großes Stück näher, sein Unternehmen von der Auftragsproduktion bis zur Herstellung elektronischer Bauteile breiter aufzustellen. Sein Interesse an Sharp scheint vor allem darin zu bestehen, Kunden wie Apple künftig auch Bildschirme anbieten zu können, die eine gute Gewinnmarge bringen.

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