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Rentenreform : Dauerbaustelle einer verschaukelten Generation

  • -Aktualisiert am

Jüngere Leute werden bei der Rente verschaukelt! Bild: @cf

Mit der Rentenreform gibt die Bundesregierung endlich zu, was alle wissen: Das bundesdeutsche Rentensystem ist so nicht haltbar.

          2 Min.

          Noch steht in den Sternen, ob die Beschlüsse der Rentenreform wie versprochen dreißig Jahre unangetastet bleiben. Es wäre die erste Reform seit dem Gründung der Bundesrepublik, die dieses magische Alter erreicht: im Schnitt wurde das System seit dem Krieg alle zehn Jahre auf den Kopf gestellt.

          Die Aussichten auf ein möglichst hohes Alter der Riesterrente sind nicht gut. Denn die Versorgungslücke des Einzelnen bleibt und droht sich gar zu vergrößern, sollte das Rentenniveau infolge konjunktureller Schieflagen unter die jetzige Marke von 67 Prozent rutschen.

          Staatliches Rentensystem mit schmaler Rendite

          Spätestens dann hätten die ersten Rentner trotz braver Investitionen in „Riester-Produkte“ am Ende weniger Geld in der Tasche als geplant. Im Klartext: Wer unter 45 ist sollte sich darauf einstellen, immer mehr einzuzahlen und immer weniger dafür zu erhalten. Wohl nur wenige Banken kämen bei Anlegern so leicht mit den mageren Renditen durch, die die Bundesregierung heute Einzahlern in die Rentenkassen bietet.

          Angesichts dieser Voraussetzungen steht der nächste Schritt bereits fest: Die Hochsetzung des Rentenalters. Ob Arbeitsnehmer im Jahre 2030 schon mit 65 in den Ruhestand treten dürfen, ist zu bezweifeln. Schließlich hat die Diskussion um längere Lebensarbeitszeit schon begonnen. Bereits ab 2011 - so die Forderung von Eckhart Bomsdorf, Mitglied der Enquete-Kommission „Demografischer Wandel“ - sollte das gesetzliche Rentenzugangsalter jedes Jahr sukzessive um einen Monat erhöht werden. 2034 läge das Eintrittsalter damit bei 67 Jahren.

          Relikt der Kaiserzeit

          Die staatliche Rente ist übrigens kein Produkt der Nachkriegszeit. 1889 verkündete Kaiser Wilhelm II das erste Rentengesetz, das in seinen Leistungen für seine Zeit durchaus fortschrittlich war: Es enthielt im Kern bereits die Versicherungspflicht für Arbeiter und Angestellte (bis zu einer Verdienstgrenze von 2000 Reichsmark) und die Beitragszahlung wurde je zur Hälfte durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber vorgenommen. Die Altersgrenze für den Rentenbeginn lag damals noch bei 70 Jahren. Üppig war die Rente mit 23 Prozent des Durchschnittsverdienstes allerdings nicht.

          Die erste große Rentenreform fiel in die Regierungszeit von Konrad Adenauer. Die bis dahin drei bestehenden Systeme für Arbeiter, Angestellte und Bergleute wurden 1957 vereinheitlicht und das Bruttolohnprinzip eingeführt. Außerdem wurde das Kapitaldeckungsverfahren durch das Umlageverfahren ersetzt - Weltwirtschaftskrise und Krieg hatten die Beitragsreserven aufgezehrt. In den 70 er Jahren war - aufgrund knapper Kassen - eine erneute Reform fällig. 1978 werden die Renten von der Bruttolohnentwicklung abgekoppelt, sie steigen von nun an prozentual. Einen Schritt weiter ging die Reform von 1992: die Rentenerhöhung wird nun an die Entwicklung der Nettolöhne angepasst.

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