https://www.faz.net/-gv6-p903

Rentenkompaß (2): Besteuerung : Renten werden zur Hälfte steuerpflichtig

Bild: F.A.Z.

Durch das Alterseinkünftegesetz werden die gesetzlichen Renten ab 2005 stärker besteuert. Freibeträge verhindern zwar zunächst in den meisten Fällen Steuerzahlungen. Der steuerfreie Anteil wird aber langsam entwertet.

          4 Min.

          Für manchen Rentner wird es nach dem Jahreswechsel ein böses Erwachen geben. Durch das Alterseinkünftegesetz werden die gesetzlichen Renten stärker besteuert. Alle müssen im kommenden Jahr die Hälfte ihrer Rente versteuern - wer nach 2005 in Rente geht, noch mehr.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Das wird damit begründet, daß die Rentner dann zumindest zeitweilig von der steuerlichen Besserstellung der Beiträge zur Rentenversicherung profitieren konnten. Künftig werden nach Einschätzung des Bundesfinanzministeriums rund 3,3 Millionen Rentnerhaushalte Steuern zahlen müssen, rund 1,3 Millionen mehr als heute.

          Wieviel es exakt sein werden, weiß keiner genau, weil die Einkommen der meisten Rentner nicht erfaßt wurden. Steuerpflichtig sind oder werden vor allem jene Rentner, die neben ihrer gesetzlichen Rente noch erhebliche Einkünfte aus anderen Quellen wie Betriebsrenten, Zinsen, Mieten oder Pachten beziehen.

          Renten auch bisher schon steuerpflichtig

          Zwar waren die Renten schon bisher steuerpflichtig, aber nur zu einem geringen Teil, dem sogenannten Ertragsanteil. Die Höhe hängt bis zu diesem Jahr davon ab, wann man in den Ruhestand wechselt: Wer mit 60 aufhörte zu arbeiten, muß 32 Prozent versteuern, wer mit 65 Jahren aus dem Berufsleben ausschied, nur 27 Prozent.

          Eine gesetzliche Rente von mehr als 2000 Euro gibt es so gut wie gar nicht - nur 0,1 Prozent der Männer, der Frauenanteil verschwindet hinter dem Komma fast im Unendlichen. Ohne weitere Einkünfte liegt der Rentner damit stets unter dem Grundfreibetrag. Das hat dazu geführt, daß die Vorstellung verbreitet ist, Renten seien vollkommen steuerfrei. Das ist schon heute nicht richtig, und es gilt noch weniger in der Zukunft.

          Erste Nachfragen ab 2006

          Künftig sind die Rentenversicherungsträger und Lebensversicherer verpflichtet, die geleisteten Zahlungen der Finanzverwaltung mitzuteilen. Rentner müssen im Laufe des Jahres 2006 mit ersten Nachfragen der Finanzbeamten rechnen. Denn so lange dürfte es dauern, bis die Datenverarbeitung in den Behörden umgestellt ist.

          Doch dann wird es für alle ernst, die neben der gesetzlichen Rente zusätzliche Alterseinkünfte hatten und es versäumt haben, dies dem Finanzamt mitzuteilen. Wenn alle Rentendaten automatisch weitergeleitet werden, läßt sich leichter ermitteln, ob jemand auch in den Vorjahren Steuern hätte zahlen müssen. Wer das späte Erwischtwerden vermeiden will, was teuer und unangenehm werden dürfte, sollte möglichst noch dieses Jahr zum Steuerberater gehen und prüfen, ob er nicht besser eine strafbefreiende Erklärung für die vergangenen Jahre und eine aktuelle Steuererklärung abgeben sollte.

          Steuerpflichtiger Anteil wird nach und nach erhöht

          Die zunächst hälftige Besteuerung der Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung, aus der landwirtschaftlichen Alterskasse, den berufsständischen Versorgungseinrichtungen und aus vergleichbaren privaten Rentenversicherungen ist erst der Anfang. Über 35 Jahre wird der steuerpflichtige Anteil für jeden neuen Rentnerjahrgang stetig erhöht, damit Renten wie Pensionen im Jahr 2040 komplett nachgelagert besteuert werden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Rettungskräfte sind nach dem Zugunglück im Einsatz.

          Tschechien : Tödliches Zugunglück bei Prag

          Ein Nahverkehrszug rammt spät am Abend einen Güterzug, mindestens ein Mensch stirbt und Dutzende werden verletzt. Es ist die zweite derartige Kollision in Tschechien innerhalb einer Woche.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.