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Rentenkompaß (1): Alterseinkünftegesetz : Die neuen Wege in Rente und Vorsorge

Renten werden künftig besteuert, Aufwendungen für die Altersvorsorge von der Steuer befreit. Die Auswirkungen des Alterseinkünftegesetzes im Überblick.

          Vom kommenden Jahr an werden mehr Rentner Steuern zahlen müssen - und die Rentner, die schon heute ans Finanzamt zahlen, werden mehr zahlen als heute. Das ist die vor allem für Ältere unerfreuliche Botschaft des Alterseinkünftegesetzes, das Anfang 2005 in Kraft treten wird.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Steuerbefreiung

          Für die Arbeitnehmer, die aus ihrem Einkommen Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zahlen, hat die Reform der Rentenbesteuerung jedoch zunächst eine positive Seite: Ihre Beiträge werden nach und nach von der Steuer befreit.

          Gleichstellung

          Um eine Doppelbesteuerung für einzelne Rentner-Jahrgänge zu vermeiden oder zu mindern, dauert es bis zum Jahr 2040, bis die Renten vollständig nachgelagert besteuert werden. Die Beiträge werden schrittweise freigestellt und sind vom Jahr 2020 an steuerfrei. Die gesetzliche Rente wird dann den Beamtenpensionen steuerlich gleichgestellt sein - so wie es das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil im März 2002 gefordert hat.

          Rentensteuer

          Schon heute zahlen rund 2 Millionen Rentnerhaushalte mit hohem Einkommen Steuern. Vom Jahr 2005 an werden es nach Einschätzung des Bundesfinanzministeriums zunächst rund 3,3 Millionen sein. Rund 12,9 Millionen Rentnerhaushalte bleiben auch weiterhin vom Fiskus unbehelligt.

          Allerdings wird sich die Zahl der Rentner, die Steuern zahlen, in den kommenden Jahrzehnten Schritt für Schritt erhöhen, weil der steuerpflichtige Teil der Rente für jeden neuen Rentner-Jahrgang erhöht wird. Steuerpflichtig sind oder werden in den ersten Jahren vor allem jene Rentner, die neben ihrer gesetzlichen Rente noch erhebliche Einkünfte aus anderen Quellen (etwa Betriebsrenten, Zinsen, Mieten oder Pachten) beziehen.

          Übergangsphase für Rentner

          Durch das Alterseinkünftegesetz steigt der steuerpflichtige Anteil der Rente für die heutigen und die im Jahr 2005 hinzukommenden Rentner auf 50 Prozent. Der dabei ermittelte nominale steuerfreie Betrag wird für den Rest des Lebens festgeschrieben. Steigen später die Renten, erhöht sich der steuerfreie Betrag nicht mehr.

          Diese Festschreibung des steuerfreien Nominalbetrags erfolgt auch bei allen folgenden Rentner-Jahrgängen, bei denen der anfängliche steuerpflichtige prozentuale Anteil zudem langsam angehoben wird: bis 2020 steigt der Eingangssatz um 2 Prozentpunkte jährlich von ursprünglich 50 auf dann 80 Prozent. Danach um jährlich einen Prozentpunkt auf schließlich 100 Prozent im Jahr 2040.

          Übergangsphase für Beitragszahler

          Mit dem Alterseinkünftegesetz werden die Arbeitnehmerbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung bis 2025 schrittweise steuerfrei gestellt. Von den Aufwendungen für die Altersvorsorge sind zunächst 60 Prozent - allerdings abzüglich des Arbeitgeberanteils zur Rente - steuerlich anrechenbar. Dieser Satz für die Freistellung der Beiträge steigt bis zum Jahr 2025 jährlich um 2 Prozentpunkte auf dann 100 Prozent.

          Geringverdiener können dabei gegenüber der bisherigen Regel schlechtergestellt sein. Für sie gilt deshalb bis zum Jahr 2014 eine "Günstigerprüfung". Sie können also die alten Regeln in Anspruch nehmen. Für alle anderen ist der anrechenbare Freibetrag für die Altersvorsorge gedeckelt. Der Höchstbetrag wird jährlich angehoben und erreicht im Jahr 2025 schließlich 20 000 Euro abzüglich des Arbeitgeberanteils zur Rentenversicherung.

          Hoffnung auf private Initiative

          Die durch die Steuerentlastung freiwerdenden Mittel sollen die Steuerzahler nach den Vorstellungen der Bundesregierung für eine zusätzliche private Altersvorsorge nutzen. Sie soll angesichts des sinkenden Niveaus der gesetzlichen Rente und angesichts der bevorstehenden Rentensteuerpflicht im Alter zur Erhaltung des Lebensstandards beitragen. Um die private Initiative zu fördern, begünstigt der Gesetzgeber eine bestimmte Form der Vorsorge, die populär "Rürup-Rente" genannt wird.

          Die Rürup-Rente

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