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Stützungskäufe der Zentralbank : Chinas Devisenreserven schrumpfen im Rekordtempo

Die Fremdwährungsreserven Chinas sind im dritten Quartal um den Rekordbetrag von 180 Milliarden Dollar geschrumpft. Bild: AP

China verkauft im großen Stil amerikanische und vermutlich auch europäische Staatsanleihen, um mit dem Erlös Renminbi zu kaufen. Damit konterkariert die Zentralbank in Peking ein wichtiges Ziel der EZB.

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          Keine andere Währung macht derzeit so viel von sich reden wie Chinas Renminbi – aus guten Gründen: Für Anleger und Unternehmen mit China-Geschäft ist diese Währung noch wichtiger geworden, seit die Zentralbank in Peking im August die bis dahin recht starre Bindung des Renminbi an den Dollar aufgab und daraufhin am 11. August eine Abwertung der bis dahin aufwertenden Währung um deutliche 2,6 Prozent erfolgte. Anleger machen sich nun ernste Sorgen über einen Rückgang des chinesischen Wirtschaftswachstums und ziehen Geld aus China ab. Die Notenbank in Peking sieht sich gezwungen, dem unter Verkaufsdruck stehenden Renminbi mit Stützungskäufen beiseite zuspringen. Wie am Mittwoch bekanntwurde, sind deshalb die Fremdwährungsreserven Chinas im dritten Quartal um den Rekordbetrag von 180 Milliarden Dollar geschrumpft.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Offensichtlich verkauft China in großem Stil amerikanische und vermutlich auch europäische Staatsanleihen, um mit dem Erlös Renminbi zu kaufen. Damit treibt China tendenziell die Anleiherenditen und konterkariert damit das Ziel der Europäischen Zentralbank, die Anleihen kauft, um die Zinsen zu drücken. Die Stützung der heimischen Währung kann sich China locker leisten. Die seit Jahren hohen Handelsüberschüsse haben den Chinesen einen mit 3,5 Billionen Dollar noch immer riesigen Berg an Fremdwährungsreserven beschert. Davon stecken etwa 1,6 Billionen Dollar in amerikanischen Staatsanleihen, was China zum größten Gläubiger Amerikas macht. Doch nehmen diese Devisenreserven eben nun seit fünf aufeinanderfolgenden Monaten ab. Allein im September sanken sie um 43 Milliarden Dollar. Im August waren sie um 94 Milliarden Dollar und damit sogar doppelt so stark geschrumpft.

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          Die Stützungskäufe sind nicht ohne Erfolg. Zum Dollar hat sich der Renminbi seit einem Monat um 2 Prozent auf Kurse von 6,35 Dollar erholt. In Euro allerdings hat der Renminbi seit drei Monaten 4 Prozent verloren. Die Schwankungen sind ungewohnt für deutsche Unternehmen, die in China tätig sind. Banken berichten, dass immer mehr Unternehmen ihre Geschäfte gegen Wechselkursschwankungen absichern oder gleich in Renminbi tätigen wollen.

          Die Börsenturbulenzen und der Wunsch nach mehr Geschäft in Renminbi zeigen sich in der Statistik der wichtigsten Handelswährungen. Darin hat sich der Renminbi im August erstmals am japanischen Yen vorbeigeschoben. Mit einem Umsatzanteil von 2,8 Prozent liegt der Renminbi nach Daten des Zahlungsverkehrssystem Swift nun erstmals auf Rang vier der wichtigsten Währungen - allerdings noch mit weitem Abstand hinter Dollar (45 Prozent), Euro (27 Prozent) und britischem Pfund (8,5 Prozent). Doch vor zwei Jahren lag der Renminbi erst auf Platz zwölf.

          Der Aufstieg des Renminbi geht mit behutsamen Liberalisierungsschritten einher. Noch hat sich China nicht an das Zahlungsverkehrssystem Swift angeschlossen, zu dem mehr als 10.000 Banken in 200 Ländern Zugang haben. Nur ausländische Banken, die in der Freihandelszone Schanghai tätig sind, können dort Zahlungen ihrer Großkunden in Renminbi bündeln. Für kleinere Unternehmen sind neue Verrechnungsstellen im Ausland gedacht, wie es sie unter dem Namen „Clearing-Hub“ seit November auch in Frankfurt gibt. Der Verband der Auslandsbanken und auch die Bundesbank äußerten sich jedoch in den vergangenen Monaten enttäuscht darüber, dass nur wenige Banken und Unternehmen Konten in Renminbi in Frankfurt führten, um damit - im Rahmen der von China genehmigten Kontingente - ihre Geschäfte in China zu bezahlen.

          Wegen der geringen Nutzung der Clearing-Hubs hoffen viele nun auf Chinas nächsten Liberalisierungsschritt. Seit dem Frühjahr wird spekuliert, China werde sich nach erfolgreicher Testphase noch in diesem Herbst mit einem eigenen Zahlungsverkehrssystem CIPS an das internationale Zahlungsverkehrssystem anschließen. Damit wären Zahlungen von und nach China in Renminbi reibungsloser möglich. Dem Renminbi brächte dies weiteren Bedeutungszuwachs. Großbanken wie HSBC und Deutsche Bank erwarten den Renminbi bis zum Jahr 2020 sogar auf Augenhöhe mit dem Euro.

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