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Anleihemarkt : Italiens Risikoaufschlag sinkt auf Rekordtief

Der frühere EZB-Präsident Mario Draghi ist mit der Bildung der italienischen Regierung beauftragt worden. Bild: Reuters

Der frühere EZB-Präsident stößt auf die Gunst der Anleger. Der Zinsabstand zu Bundesanleihen fällt unter einen Prozentpunkt. Riskante Schulden werden bevorzugt.

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          Italienische Staatsanleihen stehen hoch im Kurs, seitdem Mario Draghi mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt worden ist. Der frühere Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) hat an den Finanzmärkten einen Vertrauensvorschuss erhalten: Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe Italiens sank auf ein Rekordtief. Am Donnerstag lag sie auf 0,483 Prozent. Am Mittwoch war die Marke von 0,5 Prozent erstmals unterschritten worden. Der Rückgang des Risikoaufschlags ist bei Anleihen mit Kursgewinnen verbunden.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In Rom dürfte es mit Genugtuung registriert werden, dass sich der Renditeabstand zu Deutschland ebenfalls verringert hat. Er liegt unter einem Prozentpunkt. Mitte Januar, als sich die Regierungskrise zugespitzt hatte, waren es 1,2 Prozentpunkte. Im August 2018 hatte der Spread noch mehr als 3 Prozentpunkte betragen. Dass Italien diesen einengen konnte, lag an den Anleihekäufen der EZB unter der Ägide Draghis. Italiens Finanzierungskonditionen an den Märkten sind dadurch tragbar geblieben. Das gilt auch in Krisenzeiten, in denen die EZB die Käufe italienischer Staatsanleihen ausbaut.

          Kein Freundschaftsdienst der EZB

          Ein Freundschaftsdienst der EZB für den früheren Präsidenten ist in den vergangenen Tagen nicht nötig gewesen. Denn die Käufe italienischer Staatsanleihen gingen einher mit Verkäufen von Bundesanleihen. Deren zehnjährige Rendite hat sich seit Ende Januar von minus 0,558 auf bis zu minus 0,418 Prozent am vergangenen Montag erhöht. Am Donnerstag ist die zehnjährige Rendite, die im Euroraum als Referenzzins gilt, wieder auf minus 0,474 Prozent gesunken. Dass die Renditen deutscher Staatsanleihen angezogen haben, mag auch mit einer höheren Risikoneigung der Anleger zusammenhängen.

          Bild: F.A.Z.

          Die Jagd nach Rendite hat am amerikanischen Markt für riskante Unternehmensanleihen, die sogenannten High Yield Bonds, zu Wochenanfang für einen Rekord gesorgt. Erstmals fiel die durchschnittliche Rendite an diesem Markt unter 4 Prozent. Dagegen steigen die Renditen amerikanischer Staatsanleihen schon seit geraumer Zeit. Immer wieder werden aufkeimende Inflationssorgen als Grund genannt.

          Am Mittwoch lag die zehnjährige Rendite bei knapp 1,16 Prozent. Seit Joe Biden neuer amerikanischer Präsident ist, sind die Renditen wieder über die Marke von 1 Prozent gestiegen. Den Renditeanstieg führen die Blackrock-Volkswirte auf steigende Inflationserwartungen zurück, allerdings nicht so stark wie in der Vergangenheit.

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